zur Navigation springen

Lebensretter auf vier Pfoten : Mit Video: Unterwegs mit der Rettungshundestaffel

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die Horsterin Meike Herbst engagiert sich mit ihren Hunden beim DRK und sucht vermisste Menschen.

shz.de von
erstellt am 06.Apr.2017 | 14:00 Uhr

Horst | Eine junge Frau wird vermisst. Jetzt muss es schnell gehen. Meike Herbst zieht ihrem Holländischen Schäferhund Peipa die Decke des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) über und ruft ihr den Befehl zu: „Suchhund hilf“. Auf das Kommando hin rast Peipa los, wetzt quer über die große Wiese, schlägt einen Bogen und hält dann ohne weiteres Nachdenken auf die große Tanne zu. Und tatsächlich: Dort liegt die gesuchte Frau regungslos auf dem Boden. Peipa weiß genau, was jetzt zu tun ist: Die Hündin kläfft los – und zwar so lange, bis Meike Herbst neben ihr steht, und sie mit einem Leckerchen belohnt.

Die Rettungshundeführer sind ehrenamtliche Helfer im Sanitätsdienst des Deutschen Roten Kreuzes. Der Rettungshund ist Eigentum des Hundeführers, zusammen bilden die beiden ein Team. Zu der Staffel Hamburg -Altona und Mitte gehören 21 Hundeführer und 24 Hunde.

Diesmal ist es aber nur eine Übung. Bei der jungen Frau handelt es sich um Jana, die 17-jährige Tochter von Meike Herbst – und sie ist vollkommen unverletzt. Wenn Herbst Peipa jedoch zu Einsätzen mitnimmt, geht es um Menschenleben. Die beiden sind Mitglied der DRK-Rettungshundestaffel Hamburg-Altona und Mitte und werden alarmiert, wenn Menschen vermisst werden. Das kann bei Verschütteten nach einer Gasexplosion der Fall sein oder wenn ein Suizid zu befürchten ist. „In 90 Prozent der Fälle rücken wir allerdings aus, weil ein alter Mensch aus einer Seniorenresidenz weggelaufen ist“, erklärt Meike Herbst, die in Horst „Astrids Hundeschule“ führt. Meist seien die Leute in einen Bus gestiegen und fänden sich dann wohlbehalten am anderen Ende der Stadt wieder. „Aber es besteht immer die Gefahr, dass jemand gestürzt ist und mit einem Schwächeanfall irgendwo im Gebüsch liegt“, sagt Herbst.

Wird ein vermisster Mensch gemeldet, alarmiert die Polizei über die Rettungsleitstelle die Hundestaffel. Die Mitglieder sind alle Ehrenamtler, die Hunde ihr Privatbesitz. „Vor Ort werden wir in Suchgebiete eingeteilt“, erklärt Herbst. „Dann holen wir die Hunde und schicken sie los.“ Es gibt zwei Arten von Rettungshunden. Die sogenannten Flächenhunde, zu denen auch Peipa zählt, laufen frei und suchen anhand des Geruchs Menschen, die reglos auf dem Boden liegen oder deren Körper mit Hilfe chemischer Botenstoffe Signale der Panik aussenden. „Deshalb kann Peipa durchaus unterscheiden, ob jemand in Not ist oder nur sonnenbadet“, erklärt Herbst.

Die „Mentrailer“ dagegen laufen an der Leine. Sie schnüffeln an einem Gegenstand aus dem Haushalt der vermissten Person und suchen nach genau diesem Geruch. Das klappt auch noch nach Tagen. „Das läuft alles über den Spieltrieb“, sagt Herbst. „Der Hund ist nur motiviert, jemanden zu finden und anzubellen, wenn er weiß, dass er Futter kriegt.“ Meike Herbst bildet ihre Hunde alle selbst aus. Neben der zehnjährigen Peipa hat sie noch den dreijährigen Chess, ebenfalls ein Holländischer Schäferhund. Und Herbsts Tochter Jana und ihr zweijähriger Deutscher Schäferhund sind beide noch in der Ausbildung. Jana ist schon völlig im Rettungshunde-Fieber. „Die Arbeit macht Spaß“, sagt sie. „Es ist toll, mit meinem Hund zusammen zu arbeiten. Das klappt nur, wenn man sich gegenseitig vertraut.“

Während Jana Flächen- und Trümmerkunde pauken, Sanitäter-Kurse und Funklehrgänge belegen und den Umgang mit dem Kompass lernen muss, beginnt die Ausbildung der Hunde spielerisch. „Wenn ein Welpe zehn Wochen alt ist, fange ich an, ihn überall mit hinzunehmen, um ihn an Menschenmengen und die Natur zu gewöhnen“, sagt Meike Herbst Nach und nach lernen die Tiere, zunächst Futter auf dem Rasen zu suchen und Menschen auf Kommando anzubellen. Mit drei Jahren ist die Ausbildung der Hunde beendet. Aber auch danach wird regelmäßig trainiert. Schließlich hat die Staffel etwa einen Einsatz pro Woche. Dann müssen Mensch und Tier fit sein.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen