Schleswig-Holstein Musik Festival : Mit Kommentar: Elmshorn zahlt 40.000 Euro für den Umbau der Reithalle

Schwitzen für die Kultur: Wie hier Bernd Gack im Jahr 2010, müssen Mitarbeiter des städtischen Betriebshofs für jedes Festival-Konzert einen Holzfußboden in der 20 Mal 40 Meter große Reithalle an der Westerstraße verlegen.
Schwitzen für die Kultur: Wie hier Bernd Gack im Jahr 2010, müssen Mitarbeiter des städtischen Betriebshofs für jedes Festival-Konzert einen Holzfußboden in der 20 Mal 40 Meter große Reithalle an der Westerstraße verlegen.

Die Stadt hat im Jahr 2016 für den Umbau der Reithalle zum Konzertsaal 40.000 Euro ausgegeben.

shz.de von
22. März 2017, 10:00 Uhr

Elmshorn | Die alte Reithalle in Elmshorn, sie ist eine der beliebtesten Spielstätten des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF). Besucher aus ganz Deutschland schätzen Akustik und Atmosphäre. Weltstars der Klassik treten reihenweise im historischen Bau aus dem Jahr 1894 auf. Kulturgenuss und Renommee gibt es aber nicht zum Nulltarif. Die Halle muss für jedes Konzert umgebaut werden. Das kostet. 2016 hat die Stadt für den Aufbau des Holzbodens und den Transport von Bestuhlung und Bühnenelementen 40.000 Euro ausgegeben. Am Montag wollten die Mitglieder des Kulturausschusses von der Verwaltung wissen, ob es auch eine billigere Lösung gibt.

Die Antwort aus dem Kulturamt war umfangreich: Um die SHMF-Konzerte zu realisieren, müssen Mitarbeiter des städtischen Betriebshofes hunderte Holzbodenplatten, 900 Stühle und 70 Bühnenelemente zur Reithalle transportieren. Zuständig sind sie auch für die Verlegung des 20 Mal 40 Meter großen Holzbodens. „Das dauert mit Abbau für jedes Konzert drei Tage. Viele Mitarbeiter des Betriebshofes sind im Einsatz. Wir müssen immer wieder auf- und abbauen, denn zwischen den Konzerten benötigt der Holsteiner Verband seine Halle“, sagte Rita Schliemann, Chefin des Kulturamtes. Personalkosten – auch mit Wochenendzuschlägen – und Transportkosten trägt die Stadt.

Die Sache ist aufwendig, denn Stühle und Bühnenelemente müssen in verschiedenen Elmshorner Schulen eingesammelt und wieder abgeliefert werden. Das Team des Betriebshofes kümmert sich darüber hinaus um die Instandsetzung der Bodenelemente. Die lagern in der festivallosen Zeit in einem Schuppen auf dem Gelände der Rennbahn. Eine Spende der Initiative Elmshorn an den örtlichen SHMF-Beirat hatte in den 1990er Jahren Anfertigung und Kauf der Bodenelemente für 15.000 Mark möglich gemacht.

Mitarbeiter des Kulturamtes haben in den vergangenen Wochen geprüft, ob die Vergabe von Transport und Bodenaufbau an eine Fremdfirma ratsam ist. Das Resultat: Nicht zu empfehlen sei der Kauf von 900 Stühlen. Zwischen 25.000 und 30.000 Euro müsste dafür ausgegeben werden. Ein Lagerraum stehe nicht zur Verfügung. Nicht praktikabel sei auch die Anmietung von Stühlen und Bühnenelementen (bis zu 35.000 Euro plus Personalkosten).

Stellungnahme des Amts

Das Kulturamt geht davon aus, dass ein externer Anbieter für den Aufbau des Bodens schwer zu finden sein wird. Fremdfirmen verwendeten in der Regel ihre eigenen Böden, so das Amt in seiner Stellungnahme. Die Verwaltung wies auch darauf hin, dass die Mitarbeiter des städtischen Betriebshofes zeitlich flexibler eingesetzt werden könnten als externe Anbieter. Fazit der Verwaltung: Grundsätzlich käme eine Anmietung in Betracht, unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten führe die Vergabe der Arbeiten an ein Unternehmen aber nicht zu Einsparungen. Rita Schliemann: „Wir haben bereits Angebote eingeholt. Bisher lag keines unter den bisherigen Kosten.“

Bürgermeister Volker Hatje, Sprecher des örtlichen Festival-Beirats, stellte klar, dass die Leistungen, die der Betriebshof erbringe, im städtischen Haushalt intern verrechnet würden. Hatje: „Darüber hinaus sind unsere Mitarbeiter sehr flexibel, kennen die Gegebenheiten und können schnell reagieren.“. Vorstellen kann sich der Verwaltungschef allenfalls die Anmietung von Stühlen. In diesem Jahr bleibt alles noch beim Alten. Die Vorbereitungen laufen und die Politiker im Kulturausschuss wollten nicht im Weg stehen. Sie gaben die vorgesehenen 25.000 Euro für die Leistungen des Betriebshofes frei – die Rahmenbedingungen für die Festival-Konzerte sind gesichert.

Kommentar: Gute Kultur kostet immer

Das Schleswig-Holstein Musik Festival ist die kulturelle Visitenkarte des Landes. Wer dabei sein will, muss Kosten in Kauf nehmen. Das haben die Elmshorner schon vor Jahren erkannt. Sie präsentieren der SHMF-Intendanz in jedem Jahr eine blitzsaubere Spielstätte mit fast 1000 Plätzen. Deshalb – und nur deshalb – ist Elmshorn seit 1991 ohne Unterbrechung dabei. Gute Kultur kostet immer, und im Fall der Elmshorner SHMF-Konzerte ist jeder Euro bestens angelegt. (Knuth Peñaranda)

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