Dirk Gödel, zuständig für Vertrieb und Einkauf, im Kabinen-Rohbau eines Weltreisemobils. Foto: Roolfs
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Dirk Gödel, zuständig für Vertrieb und Einkauf, im Kabinen-Rohbau eines Weltreisemobils. Foto: Roolfs

Unternehmer Jörn Kerkamm baut Weltreisemobile / Individuelle Ausstattung möglich / Mitarbeiterzahl soll steigen

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10. März 2018, 15:06 Uhr

„Darüber machen sich andere gar keine Gedanken.“ Aber Jörn Kerkamm macht sie sich andauernd; wenn er von einer längeren Reise zurückkommt, hat er in seinem Oktavheft schon mal 300 Punkte notiert, an denen das Wohnmobil verbessert werden könnte. Aber Kerkamm meckert nicht, sondern macht: In Elmshorn baut er Wohnmobile, „die von der Technik und Größe so ausgelegt sind, dass ich eine Langzeit-Reise damit machen kann.“ Langzeit fängt für Jörn Kerkamm bei sechs Monaten an, und die entsprechenden Gefährte nennt er „Weltreisemobile“.

Die kommen normalerweise mit Lkw-Fahrgestellen und -motoren daher, mit 290 bis 540 PS, mit Spezialreifen und Allradantrieb plus Differenzialsperren. Preise: 300 000 bis 600 000 Euro. Kerkamm sieht sich an der Spitze des Marktes: „Wir gehören zu den Top drei in Europa.“

„Das ist doch mal eine Duschwanne“, Kerkamm zeigt stolz das flache Behältnis aus Edelstahl. Er verbaut Fenster aus echtem, einbruchshemmendem Glas mit speziellen Fliegengittern und Wassertanks aus verschweißtem Kunststoff. Warum nicht aus Edelstahl? „Der reißt zu schnell“, erklärt Kerkamm. Aluminium scheide ebenfalls aus, fügt er gleich hinzu, weil Australien bei der Einreise vorschreibe, dass die Tanks mit Chlor desinfiziert werden – Chlor verträgt sich nicht mit Aluminium.

So scheint es mit jedem Detail der Weltreisemobile zu gehen, die Kerkamm entwirft und konstruiert. Am Einstieg fahren zwei Treppenstufen elektrisch vor – eine feste oder länger angelehnte Treppe böte auch Ungeziefer einen Weg ins Innere. Dieselheizung? „Funktioniert nur bis 1800 Meter Höhe“, er empfiehlt Gas.

Kerkamms Weltreisemobile haben bis zu 18 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht, zum Fahren braucht man einen Lkw-Führerschein. Für den nicht gewerblichen Bereich und ohne Anhänger sei der Schein einfach zu erwerben: „Das dauert eine Woche“, erklärt Kerkamm. Von zehn Pärchen, die bei ihm ein großes Mobil kaufen, hätten acht keinen Lkw-Führerschein. Die acht Frauen schafften ihn dann auf Anhieb, von den Männern fallen vier in der theoretischen Prüfung durch erzählt Kerkamm. Eigentlich könnte Jörn Kerkamm seinen Ruhestand genießen: 2012 verkaufte er seine Elmshorner Firma Kerkamm Camping Caravan Freizeit und ging mit seiner Frau auf große Reise: anderthalb Jahre lang auf dem Landweg nach Australien. 23 Kundenfahrzeuge und drei Service-Mobile waren dabei, in einem saß Kerkamm. Vier Jahre lang hatte er diese Reise vorbereitet.

Zurück in Elmshorn, hat Kerkamm „versucht, Rentner zu sein. Das ging einen Tag.“ Dann legte er wieder los: Auf dem Hof standen noch zwei Lkw, die baute er fertig zu Wohnmobilen. Seine Firma Kerkamm Feuerwehr Sicherheit Technik hatte Jörn Kerkamm behalten, unter diesem Dach startete er die Produktion der Weltreisemobile. „Wir wollten zwei bis drei Autos pro Jahr bauen“, nun stellt er fest: „Jetzt bauen wir jeden Monat eins.“

Kerkamm beschäftigt 14 Mitarbeiter, weitere fünf bis sechs würde er „gleich einstellen“, wenn sie geeignet sind. „Sie müssen ja alles können“, erklärt der Chef: KFZ-Technik, Metall, Holz, Kunststoff, Elektrik, Sanitär, Heizung. Sehr gern nimmt er Landmaschinenmechaniker mit ihrer breiten Ausbildung und Erfahrung.

Die Hälfte des Firmenumsatzes bringen die Weltreisemobile inklusive mehrerer kleinerer, von denen rund zehn Stück pro Jahr nach Südamerika verkauft und verschifft werden. Zu dieser Sparte gehört der Service, der sich auch auf Fremdfabrikate erstreckt und beinhaltet, dass Ersatzteile bei Bedarf weltweit verschickt werden – etwa nach Ecuador, Vietnam oder Kapstadt. Die andere Hälfte des Umsatzes kommt aus dem Feuerwehrbereich.

Ende März soll die Firma umziehen. Im Neubau neben der Autobahnpolizei werden Büro, Service und Feuerwehr-Technik unterkommen; die Produktion wird in der Daimlerstraße bleiben. Dort teilt sich Kerkamm in einem Joint-Venture Werkstätten und Maschinen mit einem Ladenbauer. >

www.weltreisemobile.com

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