zur Navigation springen
Elmshorner Nachrichten

21. Oktober 2017 | 00:25 Uhr

Mischa Maisky begeistert Zuhörer

vom

Das japanische Orchester erwischte einen schlechten Tag / Konzertmitschnitt am 6. Oktober, 11 Uhr, auf NDR Kultur im Radio

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Elmshorn | Mischa Maisky und die Bühne. Das ist eine Liebesgeschichte. Eine Lovestory, die schon lange läuft. Seit vielen Jahren hält er für sein Publikum die Idee vom großen Romantiker am Cello wach. Maisky lebt Maisky - mit allen längst lieb und vertraut gewordenen Individualmerkmalen des Großkünstlers. Das kann er, weil sein Spiel immer gleich faszinierend ist, weil er so ziemlich alles über die Möglichkeiten seines Instruments weiß, und weil seine Musik reine Kommunikation ist. Auch das Publikum in Elmshorn hat den Weltstar verstanden. Maisky war gefeierter Solist des zweiten Musik-Festival Konzerts in der alten Reithalle. Das Orchestra Ensemble Kanazawa unter Kazuki Yamada begleitete.

Natürlich kommen die Besucher, um Mischa Maisky Tschaikowskys Rokoko-Variationen und danach das Kol Nidrei von Max Bruch spielen zu hören. Und warum auch nicht. Beide Kompositionen sind im besten Sinn unverwüstliche Attraktionen des romantischen Repertoires. Und wenn der Solist dann noch ein Nocturne und das Andane Cantabile von Tschaikowsky draufpackt, sind eine Menge Wünsche erfüllt.

Doch was begeistert das Publikum an Maisky so beinahe vorbehaltlos? Seine elegante Selbstsicherheit. Bitte nicht vergessen: Vieles in seinem Spiel ist Mainstream, aber doch immer wieder variiert, ergänzt, der Stimmung und der Situation angepasst.

Mischa Maisky: Ein großer Romantiker


An zehn Abenden spielt Maisky dasselbe Stück zehn Mal bedeutsam anders, behält aber immer seine Vorstellung von der Musik als Affekt mit sofortiger Wirkung auf das Gemüt im Blick. So ist Mischa Maisky tatsächlich das, was er ein möchte: ein großer Romantiker. Ein Romantiker allerdings, der es während des Elmshorner Konzerts mit einem Orchester zu tun hatte, das nicht mithalten konnte. Deutlicher: Die Japaner hatten einen schlechten Tag erwischt. Kazuki Yamada und seine Musiker begleiteten ohne Courage und ohne Idee für einen Dialog mit dem Solisten.

Dass die Gäste aus dem fernen Osten nicht in Topfom waren, blieb dem aufmerksamen Publikum gleich zu Beginn des Konzerts nicht verborgen. "Spacy" von Tomohiro Moriyama (Jahrgang 1977) - eine Uraufführung in der Reithalle - war zu hören. Schlagwerk und Bläser trugen die Hauptlast im rhythmisch munteren, jazzigen Stück. Und "Spacy" (ausgeflippt) war das Werk tatsächlich. Moriyama präsentierte interessante harmonische Details. Die wären sicher besser zu verstehen gewesen, hätte die Bläsergruppe genauer gearbeitet. So blieb vieles Vermutung - freundlicher Applaus und tiefe Verbeugung des jungen Komponisten vor Orchester und Publikum.

Nach der Pause - Mischa Maiskys Arbeitstag war längst beendet - dann Beethovens 2. Sinfonie in D-Dur op. 36. Seltsam bemüht wirkten die Anstrengungen des Dirigenten Kazuki Yamada sein Orchester zusammenzuhalten. Selbstverständlich war die Sache nicht zum Davonlaufen. Die Streichergruppen arbeiteten verlässlich. Doch weshalb Holz- und Blechbläser eines so vielbeschäftigten Klangkörpers gezwungen sind, derart undifferenziert und zum Teil ärgerlich schlampig zu musizieren, muss ein Geheimnis bleiben. Beethoven, okay, aber nicht immer ein Genuss.

Die 800 Besucher in der Reithalle honorierten das Ereignis und bedankten sich mit viel Applaus. Nach zwei kurzen Zugaben war der zweite Elmshorner Abend beim Schleswig-Holstein Musik Festival 2013 gelaufen. Der NDR hat das Konzert mitgeschnitten und plant das Programm am 6. Oktober um 11 Uhr auf NDR Kultur im Radio zu senden.

Das letzte Festival-Konzert in Elmshorn gibt es bereits am kommenden Sonnabend, 17. August, um 20 Uhr in der Reithalle. Zu Gast sind der kanadische Pianist Jan Lisiecki und des Festival-Orchester unter Lawrence Foster. Der Abend ist bereits ausverkauft.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen