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Sparzwang in Elmshorn : Mindestlohn stellt Stadt vor Probleme

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Eine Folge des Sparzwanges sind verkürzte Öffnungszeiten im Museum.

Elmshorn | Die Tricks sind bekannt: Um den Mindestlohn zu drücken, werden Stunden reduziert oder noch billigere Arbeitskräfte eingesetzt. Das klingt nach zwielichtiger Masche in der freien Wirtschaft, tatsächlich wurde jetzt im Ausschuss für Kultur und Weiterbildung genau dieses Vorgehen für die Aufsichtskräfte im Elmshorner Industriemuseum diskutiert. Diese sind dort derzeit als geringfügig Beschäftigte angestellt.

Die finanzielle Lage des Museums sei eigentlich stabil, nur der Mindestlohn habe zu Veränderungen geführt, erklärte die Leiterin des Museums Bärbel Böhnke. Durch den höheren Lohn seien die Kosten um fast ein Viertel gestiegen.

Um hier zu sparen, waren mehrere Lösungsansätze diskutiert und abgestimmt worden. Die Reduzierung der Öffnungszeiten ab 2017 von 28 auf 21 Stunden pro Woche und damit die Verringerung der Arbeitszeit wurde beschlossen. Auch sollen in der Zukunft die Volontäre und Kräfte, die das freiwillige soziale Jahr im Museum ableisten, einen Teil der Arbeit an der Kasse übernehmen. Ein Plan, der nicht von allen Ausschussmitgliedern gutgeheißen wurde.

„Auch im Verhältnis zu den Gesamtarbeitgeberkosten für geringfügig Beschäftigte ist die Arbeitsstunde eines wissenschaftlichen Volontärs/einer Volontärin günstiger“, steht als Begründung in der Beschlussvorlage. Besonders der Stadtverordnete Bernd Langhein (CDU) störte sich an diesem Satz: „Hier steht ja sogar, dass ein Volontär billiger ist als geringfügig Beschäftigte“, stellte er fest und erläuterte: „Ein Volontariat ist ein Ausbildungsverhältnis. Der Volontär soll ausgebildet und nicht als billige Arbeitskraft missbraucht werden.“ Antwort der Museumsleiterin: „Es heißt zwar Aufsicht, aber das ist eine ganz kompetente Arbeit.“ Die Volontäre könnten ihre Büroarbeit auch vom Computer an der Museumskasse machen.

Auch dass das Museum überhaupt geringfügig Beschäftigte einsetzt, empfand Ausschussmitglied Langhein als problematisch. Als öffentliche Hand solle man sich dafür einsetzten, dass Kräfte in Beschäftigungsverhältnissen arbeiten, die eine soziale Absicherung gewährleisten. „Leider ist eine halbe feste Stelle immer noch teuerer als geringfügig einzustellen“, antwortete Museumsleiterin Böhnke. Grundsätzlich zieht der Ausschuss aber als Fazit, dass die Beschäftigungsverhältnisse zu überdenken seien.

Auf der Sitzung wird klar, dass über die Verbesserung der Finanzlage für das Museum noch nicht abschließend verhandelt wurde. So wurden Ideen aufs Tapet gebracht, wonach das Museum für Veranstaltungen oder Hochzeiten vermietet werden könnte. Das übergeordnete Ziel stellte aber Stadtrat Dirk Moritz (parteilos) klar heraus: „Das Industriemuseum muss attraktiv sein und funktionieren.“

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erstellt am 09.Jun.2016 | 14:00 Uhr

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