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Vergewaltigungsprozess : Radlerinnen überfallen – Neun Jahre Haft

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Ein 28 Jahre alter Elmshorner Gebäudereiniger muss nach der Vergewaltigung zweier Frauen für neun Jahre ins Gefängnis. Außerdem wurde er zu insgesamt 45.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt.

shz.de von
erstellt am 09.04.2014 | 16:10 Uhr

Elmshorn | Im Vergewaltigungsprozess um brutale Überfälle auf zwei Radfahrerinnen hat das Landgericht Itzehoe den Angeklagten am Mittwoch zu neun Jahren Haft verurteilt. Die Richter sprachen den 28 Jahre alten Gebäudereiniger aus Elmshorn der Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und Körperverletzung schuldig. Der Mann hatte bei Prozessbeginn gestanden, zwei junge Mädchen mit Faustschlägen vom Fahrrad geholt und missbraucht zu haben. Er muss seinen Opfern 15.000 beziehungsweise 30.000 Euro Schmerzensgeld zahlen, entschieden die Richter.

Reue und Mitleid mit seinen jungen Opfern zeigte der Angeklagte bis zum Schluss nicht öffentlich. Zwar beteuerte er am Ende der Beweisaufnahme: „Es tut mir ganz doll leid“, und sagte: „Ich hoffe, dass beide Mädchen irgendwann normal leben können“, doch die Worte kamen emotionslos und wie auswendig gelernt über seine Lippen. „Fehlende Empathie kann man nicht zu seinen Lasten berücksichtigen“, sagte der Kammervorsitzende in der Urteilsbegründung. Der Angeklagte habe bei einem IQ von 87 im Rahmen seiner geistigen Fähigkeiten ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Ein Psychiater bescheinigte dem Angeklagten eine Persönlichkeitsstörung. Er müsse unbedingt eine Therapie machen und Medikamente bekommen, denn es bestehe ein hohes Rückfallrisiko, warnte der Gutachter. Da beim Angeklagten keine verminderte Schuldfähigkeit festgestellt wurde, sei seine Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt rechtlich nicht gegeben, sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Sie hatte acht Jahre Freiheitsstrafe gefordert. Angesichts des Leids, dass er über seine Opfer und deren Familien gebracht habe, sei das zu wenig, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Seit September 2013 sitzt der Mann wegen Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft.

Zu Prozessbeginn am 5. März erklärte der Angeklagte seine Taten so: Sein erstes Opfer habe er in der Nacht zum 29. Juli 2012 nahe Kollmar aus seinem Auto heraus auf der Straße radeln sehen. Dreimal habe er gewendet, um das Mädchen noch einmal anzuschauen. „Beim zweiten Mal kam mir die Idee zu einer Vergewaltigung“, erzählte er nahezu emotionslos: „Das hatte ich anfangs gar nicht vor, sonst hätte ich ein Kondom mitgehabt.“

Dreimal habe er der 16-Jährigen seine Faust ins Gesicht geschlagen, bevor er sie mit der Ankündigung „Ich will dich jetzt vergewaltigen“ in den Kofferraum seines Wagens stieß. Er habe sich anschließend in einem Wäldchen eine halbe Autostunde entfernt an dem Mädchen vergangen.

Seinem zweiten Opfer ein Jahr später in der Nacht zum 3. August 2013 in Hohenfelde brach der 28-Jährige die Nase. Er habe die 18-Jährige mit einem Fausthieb vom Rad geholt und der jungen Frau am Boden 15 weitere Schläge verpasst, erinnerte er sich: „Immer aufs Gesicht.“ Die 18-Jährige habe Angst um ihr Leben gehabt, ihn immer wieder angefleht, sie nicht zu töten. Er habe die Schülerin dann in seinem Wagen verschleppt zu einem Wäldchen nur wenig entfernt von jenem Ort, an dem ein Jahr zuvor die 16-Jährige sein Opfer gewesen war. Die 18-Jährige erlitt bei dem Überfall so schwere Kopfverletzungen, dass sie keine konkreten Erinnerungen mehr an die Tat hat. Die Schülerin leidet bis heute unter Angstzuständen.

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