Bokholt-Hanredder : Getötete Rinderherde: Der Streit eskaliert

Neben dem Versagen des Besitzers der Herde, einem Bauern aus Bullenkuhlen, sieht der Bauernverband vor allem  Fehler bei den Verantwortlichen des Nabu.
Neben dem Versagen des Besitzers der Herde, einem Bauern aus Bullenkuhlen, sieht der Bauernverband vor allem Fehler bei den Verantwortlichen des Nabu.

Vor knapp zwei Wochen wurde eine Herde Galloways im Kreis Pinneberg erschossen. Der Naturschutzbund spricht von einem „nicht zu billigendem Schießbefehl“.

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02. Dezember 2014, 08:30 Uhr

Elmshorn | Der Streit um die abgeschossenen Rinder in Bokholt-Hanredder im Kreis Pinneberg eskaliert. Nachdem der Vorsitzende des Bauernverbands der Kreise Pinneberg und Steinburg, Georg Kleinwort, den Naturschutzbund (Nabu) heftig kritisiert hat, schlagen die Naturschützer nun zurück. Sie sprechen von „absurden Vorwürfen“, „willkürlicher Tötung“ und „nicht zu billigendem Schießbefehl“.

Nach dem Abschuss der 21 Rinder hatte Georg Kleinwort den Nabu als Verpächter der Weide, auf der die Rinder standen, angegriffen. Sein Vorwurf: Der Nabu habe sich nicht gekümmert, als die Rinder die Zäune beschädigt haben. Gleichzeitig nahm Kreisbauernvorsteher Kleinwort den Leiter des Ordnungsamts Rantzau, Rainer Schattauer in Schutz. Er hatte damals den Schießbefehl angeordnet. Der habe aber keine andere Wahl gehabt, so Kleinwort.

Das lässt Hans Helmut Dürnberg, Vorsitzender des Nabu Elmshorn, nicht auf seiner Organisation sitzen. Die Vorwürfe seien „an Absurdität nicht zu überbieten“ und stellten „den Sachverhalt völlig auf den Kopf“. Dürnberg: „Herr Kleinwort versucht vergebens, das bedauerliche Versagen seines eigenen Berufskollegen zu kaschieren und die massive Kritik an der willkürlichen Tötung von 21 Rindern als alternativlos zu rechtfertigen.“ Für den Nabu sei nicht hinnehmbar, dass Amtsleiter und Kreisbauernvorsteher, „nun das eigene Versagen und die offensichtliche Überforderung eines Berufskollegen zum Anlass zu nehmen, dem Nabu als Eigentümer der Flächen den Schwarzen Peter zuzuschieben“.

Denn der Vorwurf, der Nabu habe nichts unternommen, nachdem die  Rinder Anpflanzungen und Umzäunungen beschädigt hatten, sei schlichtweg falsch. Bereits im August sei der Pächter, ein Landwirt aus Bullenkuhlen, mehrmals ermahnt worden. Als keine Besserung eingetreten sei, sei der Pachtvertrag aufgelöst worden. Der Landwirt habe versprochen, seine Rinder Anfang Oktober von der Koppel zu nehmen. Das sei dem Mann offensichtlich nicht gelungen.

Das allerdings sei keineswegs ein Grund gewesen, die 21 Rinder samt Kälbern zum Abschuss freizugeben, so Dürnberg. „Es hätte mit Sicherheit schonendere und wirksamere Methoden gegeben, die Herde zu beruhigen und einzufangen, zumal weder Zeitdruck noch unmittelbare Gefahr für irgendwelche Personen oder Sachwerte bestanden“, sagt er. Er kündigt an, dass „dieser absolut nicht zu billigende Schießbefehl des Amtsleiters möglicherweise weitere rechtliche Schritte nach sich ziehen“ werde.

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