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Meierei Horst zwischen Philosophie und Ökonomie

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

shz.de von
erstellt am 22.Apr.2017 | 16:00 Uhr

Seit Sommer 2014 ist die Meierei Horst deutschlandweit die erste Molkerei, die als Verbrauchergenossenschaft organisiert ist. 200 Mitglieder sind seitdem beigetreten, neuerdings haben sechs von ihnen der Meierei auch ein Privatdarlehen gewährt, darunter auch Bundestagsmitglied Karin Thissen (SPD). Sie alle glauben an die Philosophie der kleinen Meierei. Dazu gehört, dass die elf Landwirte, die derzeit die Milch liefern, ihren Kühen so viel Weidegang wie möglich bieten, dass alle aus der Region kommen und auf Einsatz gentechnisch erzeugten Futters verzichten. Außerdem werden Milch, Joghurt, Butter und Quark auf eine traditionelle, schonende Weise zubereitet.

Das alles hat natürlich seinen Preis. Früher verarbeitete die Meierei jährlich fünfzehn Millionen Liter Milch von 22 Lieferanten. „2014 ist unsere Produktion auf 3,5 Millionen Liter eingebrochen“, berichtet Vorstandsmitglied Hans Möller. „Das war eine harte Zeit. Inzwischen sind wir immerhin wieder bei fünf Millionen Litern. Das war die Schallgrenze, jetzt können wir kostendeckend arbeiten. Jetzt fängt es an, Spaß zu machen.“

Die Meierei Horst gibt ihren Landwirten die Garantie, den Literpreis nicht unter 30 Cent abzusenken. „Üblicherweise geben die Molkereien die schlechten Preise aus dem Handel an ihre Landwirte weiter“, sagt Geschäftsführerin Tatjana Tegel. „Dieses Spiel machen wir nicht mit. Schließlich frisst eine Kuh nicht weniger, nur weil die Milch billiger geworden ist.“ 1,26 Euro kostet derzeit der Liter Milch von der Meierei Horst im Handel. Die Billigmilch bei Aldi gibt es oft schon ab 65 Cent. Überzeugen muss die Meierei deshalb mit Qualität, Regionalität, Fairness und Tierwohl. „Das klappt immer besser“, sagt Tegel. „Die Menschen achten mehr darauf, was sie zu sich nehmen.“

Von 30 Cent können Landwirte wie Christian Ratjen und Ralf Bahlmann jedoch kaum leben. Aber sie setzen auf die Zuverlässigkeit der Meierei Horst – und auf die Zukunft. Denn langfristig ist es das Ziel der Meierei, den Landwirten 40 Cent pro Liter zu zahlen und zehn Millionen Liter Rohmilch jährlich zu verarbeiten. „Die 40 Cent wollen wir nach Möglichkeit schon 2019 zahlen können“, sagt Hans Möller. „Die zehn Millionen Liter sind in drei bis fünf Jahren denkbar.“

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