„Mehr als nur Bälle weggrätschen“

Kapitän Lasse Schmidt war vom Floorball-Projekt in Schenefeld von Beginn an überzeugt und sieht  das Bundesliga-Team auf dem richtigen Weg.
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Kapitän Lasse Schmidt war vom Floorball-Projekt in Schenefeld von Beginn an überzeugt und sieht das Bundesliga-Team auf dem richtigen Weg.

FloorballLasse Schmidt, Kapitän des Bundesligisten Blau-Weiß 96 Schenefeld, spricht im Interview über die Entwicklung des Teams

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18. Dezember 2017, 10:50 Uhr

Die Floorballer von Blau-Weiß Schenefeld haben sich nach ihrem Aufstieg schnell in der Bundesliga akklimatisiert und peilen den Klassenerhalt an. Unsere Zeitung hat mit Kapitän Lasse Schmidt (22) gesprochen, der über die Entwicklung der Mannschaft und seinen eigenen Werdegang spricht.

Herr Schmidt, Floorball ist in Deutschland eine Randsportart. Wann sind Sie zum ersten Mal mit dieser extrem schnellen Mannschaftssport in Kontakt gekommen?
Lasse Schmidt: Ich habe bis ich 13 Jahre alt war in Stade Fußball gespielt. Ich war immer Verteidiger und bin nie so richtig vor das Tor gekommen. Ich wollte halt mal mehr als nur Bälle weggrätschen und dann hat der VfL Stade eine Floorball-Abteilung gegründet, ich bin zum Probetraining gegangen und dabei geblieben.

Jetzt spielen Sie bei Blau-Weiß Schenefeld in der Bundesliga. Wie sind Sie in Schenefeld gelandet?
Nach meinem ersten Jahr in Stade bin ich direkt zum ETV nach Hamburg gewechselt und zum Training hin- und hergependelt. Nach meinem Abitur habe ich ein Freiwilliges Soziales Jahr in Hamburg gemacht und bin dann auch in die Stadt gezogen. Jetzt spiele ich seit 2013 in Schenefeld.

Warum sind Sie nicht beim ETV geblieben. Die Eimsbüttler spielen auch in der Bundesliga und sind dort sogar eines der etablierten Teams?
Als die U19-Weltmeisterschaft in Hamburg ausgetragen wurde, bin ich von einem Bekannten angesprochen worden, den ich aus der Floorball-Nordauswahl kannte. Er erzählte mir, dass er nach Schenefeld wechseln würde und ein paar andere Nordauswahl-Spieler auch. Man wolle in Schenefeld etwas aufbauen. Blau-Weiß war zu diesem Zeitpunkt gerade in die 2. Bundesliga aufgestiegen.

Was hat Sie an dem Wechsel denn so gereizt?
Es gab mehrere Gründe. Zum einen wusste ich, dass meine Kollegen aus der Auswahl richtig gut Floorball spielen können und zum anderen fand ich es interessanter und erstrebenswerter zu einem Team zu wechseln, das sehr ambitioniert ist und erst am Anfang seiner Entwicklung stand.

Seit ihrem Wechsel nach Schenefeld sind vier Jahre vergangen bis es zum Aufstieg in die 1. Bundesliga in diesem Jahr gereicht hat. Wie groß war die Erleichterung endlich aufgestiegen zu sein?
Es war nicht unser ausgegebenes Ziel aufzusteigen. Unsere Entwicklung ging aber kontinuierlich nach oben, sowohl im Herrenteam als auch im Nachwuchs. Nach dem wir ein Jahr zuvor noch in den Playoffs gescheitert waren, war die Freude riesengroß als wir uns dieses Jahr dann gegen Leipzig durchsetzen konnten und nun in der Bundesliga spielen.
Der finanzielle Aufwand in der eingleisigen Bundesliga ist um ein etliches höher als in der zweigleisigen 2. Bundesliga. Wie kann ein Verein wie Schenefeld das Projekt „Bundesliga-Floorball“ überhaupt stemmen? Das weiteste Auswärtsspiel ist beim VfL Kaufering, das sind fast 800 Kilometer.
Der Verein unterstützt uns nach Kräften und wir haben auch ein paar lokale Sponsoren und Kooperationspartner, die uns zum Glück helfen. Außerdem haben wir einen Fanclub „Club der 96“ gegründet, die uns auch unterstützen, dazu kommen die Eintrittsgelder bei den Heimspielen. Wir haben so um die 150 Zuschauer in der Halle.
Sie sind Kapitän Ihrer Mannschaft. Welche Vorzüge muss man als Spielführer beim Floorball haben?
Bei uns wird der Kapitän ganz demokratisch jede Saison gewählt. Seit meinem Wechsel 2013 war ich abgesehen von einer Saison immer Kapitän des Teams. Beim Floorball wird penibel darauf geachtet, dass nur der Spielführer mit den Schiedsrichter kommuniziert. Ich bin also das Sprachrohr auf dem Feld, ansonsten habe ich die selben Aufgaben wie andere Kapitäne – die Mannschaft motivieren oder nach Niederlagen aufrichten.

Was macht die Faszination Floorball aus?
Floorball ist ein sehr schnelles Spiel. Wenn man beim Fußball 3:0 führt, ist das Spiel normalerweise entschieden. Im Floorball kann in kürzester Zeit viel passieren, auch weil es eine reine Netto-Spielzeit gibt. Es gibt irrwitzige Wendungen, das macht den Reiz aus.

Als Aufsteiger steht die Mannschaft nach der Hinrunde auf dem achten Platz. Was ist in dieser Saison möglich?
Die bisherige Saison ist besser gelaufen als wir das selbst erwartet haben. Wir hätten gedacht, dass wir erst einmal Erfahrungen sammeln müssen. Aber wir haben uns schnell zurechtgefunden und gesehen, dass wir mithalten können. Allerdings sind die Topteams nochmal eine Klasse für sich.

Was kann das Team noch erreichen in dieser Saison?
Der sechste Platz ist nur zwei Punkte entfernt, wenn wir den erreichen würden, wäre der Klassenerhalt sicher. Ansonsten müssten wir in den Playdowns noch um den Nichtabstieg kämpfen. Das Ziel bleibt der Klassenerhalt.

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