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Elmshorn : Mehr als 900 Besuche im Industriemuseum

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Mehr als 900 Besucher bei Veranstaltung am Sonnabend. Modelleisenbahnen ließen Kindheitserinnerungen wach werden.

Elmshorn | Peter Russ ist heiser, aber „mehr als glücklich“. Fünf Mal hat er heute die Funktion der großen Dampfmaschine erklärt, und jedes Mal hörte ihm eine große Traube von Menschen interessiert zu. Mit mehr als 900 Besuchern wurden beim fünften Dampftag im Elmshorner Industriemuseum am Sonnabend alle Rekorde und Erwartungen übertroffen. Jetzt ist es halb fünf, die Veranstaltung dauert offiziell nur noch 30 Minuten lang, der Besucherstrom ist abgeebbt; Russ kann seine Stimme schonen.

Andreas Hübner steht an einem kleinen Tisch hinter seinem selbst gebauten Modell eines Dampf-Schleppers: „Ich rede seit zehn Uhr.“ Auch im zweiten Stockwerk des Museums ist den ganzen Tag über viel los. Hübners „Michel“ wird von einer Zwei-Zylinder-Dampfmaschine angetrieben. Die Steuerung und wichtige Funktionen der Dampfmaschine kann Hübner per Fernbedienung regeln, wenn sein Modell im Wasser fährt; die Dampfpfeife natürlich auch.

Auf der anderen Seite seines Tisches stehen ständig Besucher, gucken, fragen und erzählen. Ob die Dampfmaschine wirklich echt sei, um was für ein Schiff es sich handle und wie es funktioniere, nennt Hübner als häufigste Fragen. Während er spricht, beugt sich ein älterer Herr über das Modell: „Die Dampfmaschine ist eine Stuart“, erkennt er gleich. Drei Jahre lang hat der Hamburger Musiker Hübner an seinem Schlepper-Modell gebaut; das Vorbild lief 1944 in Hamburg vom Stapel und war in Casablanca im Einsatz, erklärt er.

„Ganz viele Kinder und Jugendliche bleiben bei den Dampfschiffen stehen“, freut sich Hübner. Ältere tauchen beim Anblick der Modelle in ihre Kindheitserinnerungen ab, erzählt der Modellbauer. „Mein Vater hatte eine alte Märklin-Dampfmaschine“, entsinnt sich Besucher Rainer Ehrhardt: „Da habe ich als Kind Teile abgebaut“, die konnte der Elmshorner damals für seine Modellbahn gebrauchen.

Modelleisenbahnen sind wichtiger Teil des Dampftags. Im ersten Stock ist eine Gartenbahn aufgebaut, auf ihr fahren Züge im Maßstab 1:22,5. Karlheinz Schrader aus Elmshorn steuert eine Modell-Dampflok über den Kurs. Die hat er in den USA gekauft und vor zwei Jahren digitalisieren lassen; sie wird elektrisch angetrieben, aber ein Verdampfer lässt Qualm aus dem Schornstein treten und das typische Dampflok-Geräusch wird, abgestimmt auf die Geschwindigkeit, elektronisch erzeugt. Schrader steuert das alles von seinem Smartphone aus: „Das macht ja den Spaß aus, dass man mit dem I-Phone durch die Gegend läuft“, statt am Pult stehen zu müssen, findet er.

Auf der anderen Seite des großen Raums sind die „Echtdampfer“. Ihre Modellbahnen werden von kleinen Dampfmaschinen angetrieben. „Das ist wie eine OP, da muss alles passen“, charakterisiert Schrader die Kollegen. Dementsprechend konzentriert und still geht es dort zu, auf den Tischen sind viele kleine Gerätschaften und Hilfsmittel aufgebaut.

Demonstrativ offen präsentieren sich im Erdgeschoss die Modelleisenbahner des Clubs Horst/Elmshorn. Albert Ramm zeigt gerade dem neunjährigen Felix Prozies aus Barmstedt, wie er eine Lok auf der H0-Bahn vor und zurückfahren lassen kann. Ramm hatte selbst als Kind eine Eisenbahn, dann lag die Leidenschaft lange brach. „Jetzt als Rentner habe ich die Zeit und ein bisschen Geld“, nun spielt er wieder mit kleinen Zügen im Maßstab 1:87. Vom Andrang beim Dampftag zeigt sich auch Ramm angenehm überrascht: „Sehr viel Betrieb, ich habe mich gewundert.“

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