Mäuseplage in der Markthalle : Markthalle Elmshorn auf unbestimmte Zeit gesperrt

Kein Zutritt: Solange die Kammerjäger ihr Werk verrichten, bleibt die Markthalle geschlossen.
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Kein Zutritt: Solange die Kammerjäger ihr Werk verrichten, bleibt die Markthalle geschlossen.

Die Stadtverwaltung meldet einen „erheblichen Befall“ des Gebäudes mit Nagetieren.

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15. März 2018, 15:00 Uhr

Elmshorn | Mittwochmorgen auf dem Elmshorner Buttermarkt: Wer seine Einkäufe in der Markthalle erledigen wollte, stand vor verschlossenen Türen. Ein Zettel der Stadtverwaltung informiert: Das historische Gebäude ist von Mäusen befallen. Derzeit gehen Schädlingsbekämpfer gegen die pelzigen Nager vor – die Halle bleibt solange gesperrt. „Bis auf Weiteres“, wie Stadtrat Dirk Moritz auf Nachfrage von shz.de sagt.

Die Maus – Pelziger Plagegeist

Mäuse produzieren fast pausenlos Kot, der in Berührung mit Gegenständen, Oberflächen und Nahrungsmitteln kommt und so Krankheiten auslöst. Mäusekot enthält Bakterien und Viren, die durch den Kontakt mit Haut, Schleimhäuten oder Atemwegen auf Menschen übertragen werden. Zu den Krankheiten zählen unter anderem das Hanta-Virus, Typhus und die infektiöse Gelbsucht. Außerdem haben Mäuse einen ausgeprägten Nagetrieb und verursachen Schäden an praktisch allen Materialien, vor allem aber an Kabeln und elektrischen Geräten. Das kommt daher, dass die Tiere es auf Kunststoffummantelungen (PVC) abgesehen haben. Ein Problem ist auch die rasante Fortpflanzung der Mäuse. Ohne Nahrungssorgen ist die Maus das ganze Jahr über vermehrungsfähig und wirft bis zu acht Mal durchschnittlich drei bis acht Jungen. Mit sechs Wochen ist der Nachwuchs dann selbst geschlechtsreif.

 

Die erste Maus wurde bereits am 28. Februar in der Halle gesichtet. Die Stadt beauftragte daraufhin einen Kammerjäger, der erste Fallen aufstellte. Am 12. März informierten die Fachleute die Verwaltung über das Ausmaß der Mäuseplage. „Es handelt sich um einen erheblichen Befall“, sagt Moritz. Die genaue Zahl der Nagetiere lasse sich allerdings nicht bestimmen. Für die Verwaltung ist klar: Die Halle muss vorerst dicht gemacht werden. „Die Einhaltung der Hygienevorschriften hat höchste Priorität“, so Moritz. Die Stadt informierte noch am Abend die 14 Händler, die normalerweise mittwochs und sonnabends ihre Stände in der Halle öffnen.

Umsatzeinbußen

Fünf Händler schafften es kurzfristig einen Verkaufswagen zu organisieren und ihre Waren gestern vor der Halle zu verkaufen. So auch Anke Rosenau, die normalerweise die Kaffeeklappe betreibt. Am Mittwoch baute sie ihren Wagen auf, mit dem sie normalerweise auf anderen Märkten Tee verkauft. Die Mäuseplage verhagelt ihr dennoch das Geschäft. „Ich rechne mit Umsatzeinbußen von 90 Prozent“, sagt Rosenau. Besonders ärgerlich: Am Sonnabend arbeitet das Team der Kaffeeklappe eigentlich zu viert. „Die Leute muss ich natürlich trotzdem bezahlen.“ Die Sperrung hat Rosenau kalt erwischt: „Ich habe in der Halle noch nie eine Maus gesehen.“ Verständnis für die Maßnahme hat sie dennoch, ist froh, dass die Stadt an einer Lösung für das Problem arbeitet.

Anke Rosenau betreibt normalerweise die Kaffeeklappe in der Markthalle: „Ich rechne mit Umsatzeinbußen von 90 Prozent.“
Cindy Ahrens
Anke Rosenau betreibt normalerweise die Kaffeeklappe in der Markthalle: „Ich rechne mit Umsatzeinbußen von 90 Prozent.“
 

Unter den Besuchern des Buttermarkts herrscht dagegen ebenso Gelassenheit wie unter den Händlern, die ihre regulären Plätze an der frischen Luft einnehmen konnten. Ein Elmshorner sagt: „Es ist Winter und die Markthalle ist nun mal ein altes Gebäude. Da sind Mäuse nichts Außergewöhnliches.“ Abschrecken lassen sich die Kunden davon auch nicht – der Markt war genauso gut besucht wie jeden Mittwoch. Gut finden die Elmshorner, dass die Stadt einschreitet und aktiv wird, von Schuldzuweisungen auch hier keine Spur.

Gemüsehändler Yannick Eisenhauer hält das Kundenaufkommen für „völlig normal“. Christina Breckwold hat ebenfalls keine Probleme ihre Äpfel loszuwerden. „Wir merken hier nichts. Solche Dinge passieren nun mal, das ist Natur“, sagt die Händlerin. Auch bei Angelika Lachowicz vergreifen sich keine Nager an ihren Käsespezialitäten. Eierhändler Simon Stajohann berichtet ebenfalls von gelassenen Kunden. Er wundert sich allerdings nicht über den Schädlingsbefall. „Es ist ein altes Gemäuer, draußen stehen Müllcontainer mit Essensresten.“

Obere Etagen nicht betroffen

Woher die Mäuseinvasion in der Markthalle kommt, möchte die Stadt herausfinden. „Wir vermuten die Wurzel des Übels im Keller“, sagt Stadtrat Moritz. Bislang seien die Vierbeiner lediglich bis ins Erdgeschoss vorgedrungen, die oberen Etagen seien nicht betroffen. Die Schädlingsbekämpfer haben im gesamten Gebäude Köderfallen ausgelegt. „Außerdem werde die Markthalle derzeit akribisch gesäubert. Moritz erklärt: „Eine Maus nimmt am Tag nur 0,5 Gramm Nahrung zu sich.“ Damit die Tiere sich in die Falle locken lassen, muss das restliche Gebäude also blitzeblank sein. Moritz versichert, dass die Stadt in engem Kontakt mit den betroffenen Händlern bleibe.

Der Bevölkerung versichert der Stadtrat: „Das Angebot auf dem restlichen Markt ist völlig unbedenklich – es besteht keine Gefahr für die Besucher.“ Auch die Toiletten auf dem Markt könnten weiter benutzt werden. Seit der Sanierung der Sanitärräume haben diese keine Verbindung zu den von Mäusen befallenen Teilen der Markthalle.

Die Stadtverwaltung Elmshorn befasste sich bereits vor anderthalb Jahren mit ungebetenem Nager-Besuch. Im November 2016 rückte ein Kammerjäger ins Rathaus der Krückaustadt ein, nachdem sich Mäuse in der Verwaltungszentrale breit machten und auch mal einen Schokoriegel vom Tisch stibitzten. Damals nahmen einige Mitarbeiter das Problem selbst in die Hand, fingen einen Nager lebendig und entließen das Tierchen in die Freiheit.
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