„Man daddelt nicht ’rum“

Bevor die Karten gespielt werden, bestimmen die Spieler beim Reizen, wer allein spielt.
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Bevor die Karten gespielt werden, bestimmen die Spieler beim Reizen, wer allein spielt.

Serie: Der Bridgeclub Elmshorn zieht viele Spieler aus der Umgebung an / Bis die Regeln richtig sitzen, dauert es ein Jahr

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18. Mai 2018, 16:00 Uhr

„Ich hatte einen Kurs an der Volkshochschule gemacht. Danach wusste ich nicht, was los ist.“ Damit war Bettina Brammanns Ehrgeiz geweckt. Heute, 40 Jahre später, weiß sie genau, was los ist bei ihrem Hobby: Die Elmshornerin spielt Bridge. Und zwar richtig, also als Sport im Bridgeclub Elmshorn: „Man daddelt nicht ’rum, hier wird ständig Turnier gespielt.“

Brammann spielt im Regionalliga-Team des Clubs mit; die beiden Paare in dieser Mannschaft stehen in der vierthöchsten Spielklasse an der Tabellenspitze und kämpfen um den Aufstieg. Georg Kippenberg ist ebenfalls im Team: „Ich spiele täglich mindestens eine Stunde“, erklärt der Kölln-Reisieker, dazu kommt das Theorie-Studium im Internet und in Büchern. „Ausgesprochenes Vergnügen“ bereitet ihm das Kartenspiel auch nach 20 Jahren noch. Üben ist auch für Routiniers wichtig, betont Bettina Brammann: „Das ist wie mit jedem Sport: Wenn man nicht täglich trainiert, ist das nicht so gut für die Form.“

Im Bridge treten feste Paare gegeneinander an. Brammann spielt mit ihrem Ehemann Jürgen Dürkop zusammen, das ist „eher die Ausnahme“, erklärt sie. Meistens finden sich Partner zusammen, die nicht liiert sind; das mindert das Streitpotenzial. „Das muss man eben tragen, was passiert, das passiert“, gibt sich Brammann gelassen. Aber sie räumt auch ein, dass es ab und zu laut wird: „Irgendwann platzt der Kragen, und dann ist wieder gut.“

Dabei schreiben die Bridge-Regeln sogar ausdrücklich vor, dass die Contenance gewahrt bleiben soll, erläutert Christine Schwanke, die Vorsitzende des Elmshorner Bridgeclubs. Die Regeln schreiben in 93 Paragrafen sehr viel vor, über ihre Einhaltung wacht der Turnierleiter. Zum Errechnen der gewonnenen Punkte pro Partie liegt in Elmshorn an jedem der Tische ein kleines Gerät, eine Art Taschenrechner für Bridgeturniere. Die Ranglisten im Verein werden vierteljährlich aktualisiert, die Ergebnisse eines Spielabends oder -nachmittags an einer Pinnwand und online veröffentlicht.

„Ein Jahr braucht man schon“, bis man das Spiel grundlegend beherrscht, schätzt Schwanke. Aber damit ist das Lernen noch lange nicht zu Ende. Peter Namneck spielt seit 60 Jahren Bridge und sagt: „Es gibt gewisse Erfahrungswerte, aber die ersetzen nicht das aktuelle Nachdenken.“ Seine Partnerin Schwanke hat nach 21 Jahren Spielpraxis gelernt: „Man muss das System beherrschen, das man sich überlegt hat.“ Für sie ist genau das so faszinierend an diesem Kartenspiel: „den Grips anzustrengen“ und sich immer wieder auf andere Karten und Gegner einzustellen.

Mit einem Schnuppertag hat der Bridgeclub gerade neue Interessenten gewonnen, sieben Anfänger starten jetzt einen Kurs. Die Elmshorner ziehen mit ihrer sportlichen Ausrichtung Mitglieder aus dem Umland an: Sportwart Andreas Gondorf wohnt in Itzehoe, andere kommen aus Glückstadt, Kaltenkirchen, Pinneberg und Uetersen. Bridgeclubs gibt es auch in Klein Nordende, Pinneberg oder Itzehoe.

Im DRK Veranstaltungszentrum spielen die Elmshorner zwei Mal pro Woche. Mittwochabends besetzen gut 20 Leute 5 Tische oder mehr; freitagnachmittags herrscht weniger Betrieb. Rund vier Stunden lang wird gespielt, und zwar so lange, bis jedes Paar gegen jedes Paar angetreten ist. Ab und zu organisiert der Bridgeclub Reisen, bei denen am Ziel natürlich auch gespielt wird.

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