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Die Suche nach Herausforderungen : Malermeister Ulf Matzen im Portrait

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Ulf Matzen ist Malermeister mit Sinn fürs Besondere – seien es Cowboys an der Wand oder ein Bild für den guten Zweck.

shz.de von
erstellt am 09.Mai.2016 | 16:11 Uhr

Elmshorn | „Ich bin Handwerker. Künstler ist für mich jemand, der sein Inneres nach außen bringt, weil er muss.“ Ulf Matzen ist Malermeister; aber: „Normale Malerei mache ich nicht mehr“, stellt der Elmshorner klar. „Feine Maltechniken und gute Handwerksmalerei“ sind seine Spezialitäten. Dazu gehören Wedel-, Wisch oder Tupftechniken, Putztechniken oder Trompe l’œil, das ist Illusionsmalerei, die beispielsweise an einer Wand eine Landschaft vortäuscht. Betonsanierung und Wärmedämmung, für viele Malerfirmen wichtige Geschäftszweige, interessieren ihn nicht.

Matzen unterrichtet in Hamburg Maler, die ihren „kleinen Meisterbrief“ machen wollen, im Fach Gestaltung – und verzweifelt fast: „So ein Gefälle in der Ausbildung in den letzten Jahren!“ Wenn Gesellen und Vorarbeiter nach mehreren Berufsjahren die Komplementärfarben nicht kennen und erstmal motiviert werden müssen, sich mit außergewöhnlichen Verfahren wie Airbrush zu beschäftigen, dann verlässt Matzen schon beim Erzählen die Geduld: „Ich rege mich richtig auf!“

Sich aufregen, gegen den Strom schwimmen, anders machen – das zieht sich durch Matzens Leben. Er hätte es einfach haben können: Sein Vater Hans Matzen war ein bekannter Elmshorner Malermeister, für seine beiden Söhne hatte er einen Betrieb aufgebaut und einen weiteren dazugekauft. Aber Matzen verweigerte sich dem bequemen Weg: „Ich wollte nicht mitkämpfen müssen“, den Preiskampf in seinem Gewerbe bezeichnet er als „Haifischbecken“. Als Jugendlicher hatte er ganz andere Träume: „Ich wollte eigentlich Stuntman werden oder Schlangenmensch im Zirkus“.

Es kam anders. In der Schule tat Matzen sich schwer, nach dieser Anstrengung besann er sich, dass er das Malen „mit der Muttermilch“ aufgesogen hatte und und begann doch eine Malerlehre: „Ich brauche mich überhaupt nicht anzustrengen und bin super“, das gefiel ihm. Aber nach einem Streit an der Schule, bei dem er sich von seinem Meister im Stich gelassen fühlte, warf er einen Monat vor dem Abschluss die Brocken hin und reiste nach Indien.

Ein paar Jahre später beendete er die Ausbildung seinem Vater zuliebe. Danach reiste er wieder um die Welt und kochte für Meditationsgruppen, bevor er – wieder auf Vorschlag seines Vaters – seinen Meister machte. Mit besonderen Projekten war Ulf Matzen schon damals an den Pinsel zu locken: Sein Vater hatte bei Renovierungsarbeiten im Elmshorner Restaurant Mercator Deckenmalereien freigelegt. Matzen belegte einen Crashkurs in Restauration und übernahm es, die Gemälde aufzufrischen.

„Dann kamen die Kinder“. Ulf Matzen und seine Frau Christiane wollten nie spießig sein, aber eins der beiden Kinder hat das Asperger-Syndrom, eine milde Form des Autismus. Das bedeutete intensive Betreuung, einer von beiden musste das nötige Geld verdienen, das übernahm Ulf Matzen. Mit Freunden bemalte er Diskotheken, als Meister konnte er das Geschäft offiziell führen. Drei Monate arbeiten, das reichte für ein Jahr Lebensunterhalt.
Die Firma löste sich auf, und Ulf Matzen stand plötzlich da, wo er nie hin wollte: als Einzelunternehmer im Preiskampf. „Zutiefst unbefriedigt“ war er in dieser Zeit.

Zur Probe für einen Auftrag brachte Ulf Matzen eine detailgetreue Weltkarte an seine Wohnzimmerwand.
Zur Probe für einen Auftrag brachte Ulf Matzen eine detailgetreue Weltkarte an seine Wohnzimmerwand. Foto: Roolfs
 

Die Familie zog aus Hamburg zurück in Matzens Geburtsstadt Elmshorn, und über Kontakte entwickelte er sich zum Maler für besondere Aufträge. In einem Elmshorner Jeansladen sollte er Cowboys und Indianer an die Wände malen: „Ich habe mich vor einem Spiegel gedreht, bis meine eigenen Beine passten“, dann brachte er die Figuren an die Wand. „Solche Aufträge sind dann immer gekommen. Keine Ahnung, wie die Leute mich gefunden haben, ich habe nie Werbung gemacht“.

Zweites Standbein ist für Matzen der Handel mit Naturfarben. Nach einer intensiven „Öko-Phase“ hat er inzwischen seinen Frieden mit synthetischen Farben gemacht, für Badezimmer oder Kellerschächte seien die durchaus geeignet. Aber dass auf Baustellen Farbreste ins Abwasser gespült werden und es billiger ist, für jede Farbe einen neuen Pinsel zu benutzen als einen gebrauchten auszuspülen, darüber kann sich Matzen immer noch aufregen.

„Ich mag Herausforderungen“, charakterisiert sich der Maler. Er studiert in der Bibliothek Bücher über Anatomie oder Perspektiven, wenn ein Auftrag es erfordert. Als er eine Anfrage bekam, eine große, detailgetreue Weltkarte an die Wand einer Reederei zu malen, probierte er das erstmal an der Wand seines Wohnzimmers aus.

Ulf Matzen sucht immer wieder neue Anregungen. Im Moment beschäftigt er sich mit Tapeten. Die erleben seit einigen Jahren eine Renaissance, erzählt er und schwärmt von den Möglichkeiten: „Ich finde so etwas genial: Tapete, die die ihre Farbe je nach der Raumatmosphäre ändert.“ Er bietet auch extra große Digitaldrucke an, sprich: Fototapeten bis 2,50 Meter Höhe, die ohne Nähte einen Raum mit beliebigen Motiven dekorieren.

Bewahrt hat er sich als Selbstständiger das Arbeitsethos, genug Zeit für sich übrig zu lassen: „Ich arbeite lieber unregelmäßig und gerne statt zu viel.“ Aber die ihm wichtigen Sachen behält er dabei im Auge: Bei der Elmshorner Handwerkermesse „Rund ums Haus“ im Winter verteilte er an seinem Stand nicht einfach Visitenkarten, sondern malte vor Publikum ein Ölbild, das noch bis zum 20. Mai auf der Internetseite der Stadt Elmshorn zu Gunsten der Flüchtlingshilfe versteigert wird.

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