Lieber Pinneberg als St. Pauli

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Serie Mike Treede ist beim VfL Pinneberg II der Mann für alle Fälle / 2015 schlug er ein Angebot des FC St. Pauli II aus

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02. August 2017, 12:38 Uhr

Sie stehen im Hintergrund und nehmen dennoch tragende Rollen in den Mannschaften ein. Die Rede ist von den Betreuern. In einer losen Serie stellen wir die guten Seelen des Sports vor. Heute: Mike Treede vom VfL Pinneberg II.

„Niemals Weichspüler benutzen. Die Inhaltsstoffe verschließen die Fasern. Beim nächsten Waschgang bleibt der Schmutz im Stoff.“

Mike Treede (35) kennt sich aus. Woche für Woche schleppt der Betreuer des VfL Pinneberg II die Hosen, Hemden und Stutzen von mindestens 18 Spielern in den Waschkeller seines Wohnhauses. 12 Kilogramm Waschmittel verpulvert er pro Monat. Der Verein leistet eine Entschädigung aus dem Team-Etat, die kaum seine Kosten deckt. Doch darauf kommt es ihm nicht an. Der gelernte Automechaniker, der seit 14 Jahren für eine Werkstatt in Hamburg-Osdorf arbeitet, ist zufrieden, wenn die Kicker hin und wieder „danke“ sagen. „Ich bin nicht gern im Blickpunkt.“ Dabei ist die VfL-Zweite ohne ihn gar nicht mehr vorstellbar. Jemand würde fehlen, stünde er nicht Sonntag für Sonntag an der Seite von Trainer Patrick Bethke, eine Hand am Mobiltelefon, um Fußball-Portale und die Whatsapp-Gruppe des Klubs mit den wichtigsten Informationen zum Spiel zu versorgen. Die notwendigen Daten hat er bereits vorm Anpfiff in das DFB-Netz eingepflegt, versteht sich. Während der Halbzeit reicht er die Getränke. Dabei sorgt er dafür, dass auch die Schiedsrichter ihren Durst gelöscht bekommen.

Am liebsten würde er ja auf dem grünen Rasen ein bisschen mitkicken. Das ist dem gebürtigen Appener aber seit seiner Jugend nicht mehr möglich. Mit 16 erlitt er in Diensten des SC Pinneberg einen Kreuzbandriss. „Da habe ich für mich entschieden, mich auf meine berufliche Ausbildung zu konzentrieren.“ Ein paar Wochen nach seinem Karriereende stand er trotzdem wieder auf dem Fußballplatz. Der früh verstorbene Rolf Schmiedeke hatte ihn darum gebeten, ihn in seiner Arbeit als Trainer des VfL-D-Junioren zu unterstützen. Treede begleitete das Team bis ins A-Juniorenalter. Als Betreuer von im Kreis bekannten Akteuren wie den Koster-Zwillingen Christian und Thomas, inzwischen beim SC Pinneberg gelandet, Sebastian Stapel (ebenfalls SCP), Björn Schiller (TuS Appen) oder Nils Hammer feierte er drei Meisterschaften und Erfolge im Pokal. Das setzte sich im Herrenbereich fort, dem er sich mit A-Junioren-Coach Heiko Klemme und Torwart-Trainer Joachim Stieb 2009 anschloss. Der Kreisliga-Vizetitel und die geglückte Bezirksliga-Relegation 2011 sowie der Aufstieg als Bezirksliga-Meister (2013) in die Landesliga zählen zu seinen schönsten Erlebnissen. Als die VfL-Zweite beim traditionellen Hallenturnier des Klubs überraschend ins Finale einzog und von den Fans gefeiert wurde, ließ er seinen Freudentränen freien Lauf.

Und noch etwas beweist Treedes tiefe emotionale Verbundenheit zum VfL-Reserveteam, das übrigens selbstständig wirtschaftet und dem Verein nicht auf der Tasche liegt. Vor zwei Jahren hat er ein Angebot abgelehnt, bei der Regionalligamannschaft des FC St. Pauli (U 23) als Zeugwart einzusteigen. Da halfen auch die Überredungskünste von Mutter Birgit Hönig, die der Kiezclub als Wäschefrau beschäftigt, nichts. Überhaupt schaffte es der bekennende Fan des FC St. Pauli vergangene Serie nur einmal, ein Zweitligaspiel zu besuchen. Jedes Training der VfL-Zweiten ist ihm wichtiger als ein Besuch des Millerntor-Stadions. Von 140 Trainingseinheiten versäumte er nur vier. So viel dazu, wer seine erste große Liebe ist.

Dabei ist Treede keineswegs ein Ja-Sager. Nach schlechten Leistungen gibts aus seinem Mund unverblümt Kritik zu hören. „Damit ecke ich auch mal an, doch für mein Empfinden ist der direkte Weg der beste.“ Die Spieler mögen ihn so, wie er ist. Viele sind ihm freundschaftlich verbunden. Die Einladung zum gemeinsamen Kiezbummel nach Siegen aber lehnt er regelmäßig ab. „Ich bin kein Pistengänger.“ Als die Pinneberger im Mai wieder einmal den Klassenerhalt auf den letzten Drücker perfekt machten, da hat er zuhause eine Flasche Bier geöffnet und sich still gefreut, wie sehr ihn doch sein Hobby erfüllt.

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