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Abschied bei der AKN : Letzte Fahrt von „Kuddel mit dem Silberstreifen“

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Am Sonnabend ging auf der AKN-Strecke eine Ära zu Ende - der „Kuddel mit dem Silberstreifen“ war zum letzten Mal im Einsatz.

Elmshorn | In dieser Rubrik stellen wir Menschen vor, die in der Region Elmshorn leben und/oder hier berufstätig sind. Sie erlauben Einblicke in ihr Leben und sind unsere „Menschen am Montag“

Es ist eine der letzten Fahrten, die Volker Holfert in einem der alten VTE-Triebwagen der AKN Eisenbahn AG auf der A3-Strecke Elmshorn-Barmstedt macht. Seit Sonnabend sind sie (bis auf zwei Reservefahrzeuge) ausgemustert und machen für die Modelle VTA (Baujahr 1993) und die 14 neuen LINT54 (A1-Strecke) Platz.

Volker Holfert und „seine VTE“ sind fast gleich lange auf den AKN-Strecken unterwegs. Der Triebfahrzeugführer startete – nach einer neunmonatigen Ausbildung – seinen beruflichen Werdegang am 1. April 1978, die Triebwagen wurden in den Jahren 1976 und 1977 hergestellt. Die rot-weißen VTE-Fahrzeuge mit den silbernen Seitenstreifen sind Volker Holfert über die Jahre ans Herz gewachsen. „Ich empfinde schon ein klein bisschen Wehmut“, bekennt er. Es sei so, als wenn eine lange Freundschaft auseinanderginge. „Die Fahrzeuge waren stets zuverlässig und ich vergleiche unsere Beziehung immer mit der von Autofahrern, die einst VW Käfer fuhren und jetzt einen Beetle haben. „Klar, es liegen technisch gesehen Welten zwischen den Fahrzeugen, aber ich konnte mich immer auf die 40 Jahre alte Technik verlassen.“

Wenn Volker Holfert seinen „Silberkuddel“ auf dem Gleis 1a des Elmshorner Bahnhofes stoppt, muss er seinen Arbeitsplatz verlassen und vom Kopfteil ans Ende des Zuges gehen. An beiden Seiten des mit maximal 88 Sitzplätzen ausgestatteten Gefährtes ist je ein Führerstand eingerichtet. Die kleine Pause vor der Rückfahrt nutzt er, um sein Fahrtenbuch aus der Tasche zu holen, es aufgeschlagen auf dem „Cockpit“ zu deponieren. Ein Fahrgast klopft an seine Tür und bittet, ihn an der Bedarfshaltestelle Bokholt aussteigen zu lassen. „Wird gemacht“, meint Holfert. Bevor er pünktlich auf die Minute den Bahnhof wieder verlässt, hat er sich zu vergewissern, dass alle Reisende – auch die der Anschlusszüge der NOB und DB – eingestiegen sind. Dann legt er den Fahr-Bremshebel an der linken Seite seines Fahrerpultes um.

Platzwechsel: Jetzt geht es Richtung Barmstedt. Volker Holfert ist als Triebfahrzeugfahrer auf allen AKN-Strecken unterwegs. (Foto: Robbe)
Platzwechsel: Jetzt geht es Richtung Barmstedt. Volker Holfert ist als Triebfahrzeugfahrer auf allen AKN-Strecken unterwegs. (Foto: Robbe)
 

Zwei Schalter für je einen Motor á 320 PS sind zu drücken. Ratternd springt der Kompressor an. „Nun prüfe ich, ob das Spitzenlicht außen und die Innenbeleuchtung eingeschaltet sind“, meint er und aktiviert die Bandansage für die Fahrgäste. Je nach Streckenführung muss er eine Nummer eingeben, damit das Gerät weiß, wo es lang geht und die entsprechenden Stationen – jeweils 500 Meter vor der nächsten Haltestelle – ansagen kann. „Außerdem muss ich Kontakt zum Fahrdienstleiter halten und auf Hinweisschilder und Blinklichter an der Wegstrecke achten.“ Das sei wie beim Autofahren – man muss die Verkehrsschilder beachten, erklärt er und aufpassen, dass die Bahnübergänge technisch gesichert sind.

Eine kaiserliche Konzessionsurkunde bildet am 27. April 1883 den Grundstein für die AKN Eisenbahn AG. Seit dieser Zeit sorgt das Unternehmen zwischen Hamburg und dem südlichen Schleswig-Holstein für Mobilität im Alltag.

Beim alten VTE-Modell gibt es zwei Motoren á 320 PS erklärt Holfert. Die jetzt eingesetzten VTA-Züge haben nur einen Motor mit rund 650 PS. Die neuen, barrierefreien LINT-Modelle dagegen haben drei Motoren, die mit ungefähr 1500 Pferdestärken unterwegs sind. Um diese Fahrzeuge – vorerst nur auf der A1-Strecke – fahren zu dürfen, hat er eine Schulung mitmachen müssen. Von Elmshorn nach Barmstedt könnte Holfert diese Kraft aber nicht in Geschwindigkeit umsetzen. Maximal Tempo 80 ist dort erlaubt.

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