Elmshorn : Langer ist dicke mit seiner Gemeinde

Paul Raab (l.), Ansgar Konetzny, Franz Schlüter (r.), Mechthild Roderfeld-Wiemann und Gisela Steinhoff (r.) sind ein Teil des Kirchenvorstandes.
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Paul Raab (l.), Ansgar Konetzny, Franz Schlüter (r.), Mechthild Roderfeld-Wiemann und Gisela Steinhoff (r.) sind ein Teil des Kirchenvorstandes.

Katholiken feiern doppelten Geburtstag / 110 Jahre Gemeindegründung und 60 Jahre Kirchbau St. Marien / Fest am Gemeindezentrum

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01. September 2012, 08:14 Uhr

Elmshorn | Der Geburtstag an sich hat eigentlich keinen direkten Bezug zum Christentum. Der Namenstag wurde üblicherweise bevorzugt gefeiert. Geburtstagsfeiern hingegen haben aber durchaus einen christlichen Bezug. Diese wurden bereits in den Spätschriften des Alten Testamentes erwähnt. Und feiern, das können die Christen. Pfarrer Stefan Langer hat dieser Tage besondere Gründe zum Feiern - 170 sind es, um genau zu sein. Denn: Seit nunmehr 60 Jahren überragt das Gebäude der katholischen Kirche St. Marien die Häuser an der Feldstraße. Und seit 110 Jahren gibt eine katholische Gemeinde in Elmshorn ihren Glaubensanhängern Geborgenheit. Am Sonntag wird deshalb doppelter Geburtstag gefeiert. Nach dem Gottesdienst lädt die Gemeinde zum Fest ins Gemeindezentrum.

Die Gemeindemitglieder blicken auf eine bewegte Vergangenheit zurück, geprägt von Kriegen, Schmerz, Wachstum und Zerfall sowie dem ewigen Glauben an die Gemeinschaft. Doch vor allem in den Anfangsjahren war nicht immer alles einfach. Zur Zeit der Entstehung der Nikolaus-Kapelle hatte die gerade gegründete Gemeinschaft schwere Aufgaben auferlegt bekommen. Vikar Heinrich Rahe betreute während der Kriegsjahre Hunderte Gefangener.

Zwei Jahrzehnte später hatte die christliche Kirche alles andere als eine sichere Position. Unter Druck gesetzt vom NSDAP-Regime, das bemüht war, den Einfluss der Kirche nach und nach zu mindern, sah man sich außerdem mit dem Vorwurf konfrontiert, man verweigere sich dem "neuen Zeitgeist". Das war Propaganda.

Als schließlich am 28. August 1952 die St.-Marien-Kirche geweiht wurde, war das der Tag, der die Zukunft der Gemeinde besiegelte. Rund 6000 Mitglieder zählt Pfarrer Stefan Langer heute in seiner Gemeinde. Er ist mittlerweile zuständig für Elmshorn, Barmstedt, die Hörnerdörfer und Umlandgemeinden sowie auch seit Juni für Pinneberg und Halstenbek. Wo er auftaucht, wird Licht, zieht Leben ein. "Wege zum Licht" hieß dann auch das Motto der Renovierung der St.-Marien-Kirche 2011, das Architekt Jan-Peter Schütte umgesetzt hat. "Unauffällig, aber schick", sagt Langer. "Ist wertvoll ohne Glamour", sagt Franz Schlüter vom Kirchenvorstand. Und Leben? "In unserer Gemeinde ist echtes Leben", erklären Pfarrer und Vorstand. Dazu gehört der Kindergarten, Jugendgruppen, ein Chor, engagierte Orgelspieler genauso wie die Senioren im Kolpinghaus und vieles mehr.

Leben ist beim Gottesdienst am Sonntag auch das Thema der Predigt (10.30 Uhr). Auch der Zeitgeist spielt bei Langer eine Rolle: "Veränderungen machen Angst, aber auch neugierig." Die Kirche und Gemeinde sei in ständigem Wandel, Gewohntes verändere sich. Ab und zu könne man aufschreien. Dieser Schrei, so Langer, sei der Ruf in ein neues Leben, denn auch das erste, was ein Neugeborenes mache, ist lauthals in die Welt zu schreien.

Aufschreien werden am Sonntag auch die Kinder der Gemeinde, wenn sie die Kerzen der großen Geburtstagstorte auspusten dürfen. Dann ist Leben in der Bude. Danach wird am Gemeindezentrum gefeiert. Spiele, Musik, Klönschnack, Kaffee und Kuchen. "Wir wollen ein paar schöne Stunden verleben", sagt Langer, der seit sechs Jahren dicke mit seiner St.-Marien-Gemeinde ist.

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