Graffiti : Kunst aus der Spraydose

Johann Lucht sprühte eine Küstenlandschaft an die Wände des Hausdurchgangs. 80 verschiedene Farbtöne hat er verarbeitet.  Foto: Krosta
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Johann Lucht sprühte eine Küstenlandschaft an die Wände des Hausdurchgangs. 80 verschiedene Farbtöne hat er verarbeitet. Foto: Krosta

Dass Bilder aus der Farb-Spraydose viel mehr sein können als Schmierereien, nämlich Kunst, ist an der Mühlenstraße zu sehen.

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12. April 2013, 08:58 Uhr

Elmshorn | Die Stadt ist bunter, als viele denken: Während in vielen Städten Graffiti verpönt sind, fördern clevere Bürger die Krückaumetropole mit legaler Kunst statt Kritzeleien. Geschäftsmann und Rentner Rolf Sedemund hat das jüngste Projekt in Elmshorn kreiert. Sein neu gebautes Mietshaus an der Mühlenstraße schmückt sich nun mit einer bunten Dünenlandschaft. "Graffiti machen graue Wände lebendig", sagt Rolf Sedemund.

Als Künstler hat Sedemund den Hamburger Studenten Johann Lucht engagiert. Zwölf Tage brauchte der 26-Jährige für die Erstellung der sandigen Wüste, die mit eindrucksvollen Details fasziniert. 80 Farbtöne sind versprüht. Aus Dosen - und nicht mit Kompressor und verschiedenen Düsen. Das machte die Sache bei den kalten Temperaturen nicht leicht. "Bei den Minusgraden lassen die Dosen irgendwann nach", sagt Lucht. Und: Im Gegensatz zum gleichblei benden Druck bei Verwendung von Kompressoren verliert die Dose zunehmend an Leistung. "Deshalb habe ich mit fast leeren Dosen gearbeitet", sagt Lucht. Die Unterschiede im Druck seien dann nicht mehr so gravierend.

Angebracht ist das Küstenmotiv im Durchgang des Hauses, der die Mühlenstraße mit dem Hinterhof zur Geschwister-Scholl-Straße verbindet. Ein schmaler Gang, flache Decke - ein Raum der scheinbar wenig Platz für Kunst bietet. Allerdings: Obwohl der Betrachter nur etwa einen Meter Abstand zum Bild nehmen kann, umso eindrucksvoller ist die Breite des Formats. Zehn Meter auf beiden Seiten. Die gefühlte Weite ist enorm. Links - rechts. Vor einem eine raue Landschaft - hinter einem durch den Wind segelnde Möwen.

Der kleine Gang wird zum Erlebnis. Das wollte Rolf Sedemund auch bewirken. Kein schnöder Tunnel - stattdessen ein Durchgang mit Bildern im für Norddeutschland typischen Grau, Blau und Braun. "Wir machen häufig Urlaub an der Küste", sagt der Rentner Sedemund. Deshalb wollte er den Blick aufs Meer einfangen und Zuhaus an der Krückau verewigen.

"Wir haben uns lange über Motiv und Farben unterhalten", sagt Student Lucht. Am Ende sehe man gar nicht, wie viel Arbeit an den beiden Wänden steckt. Fast 80 Stunden sind zusammengekommen. "Das ist Arbeit und fällt nicht einfach vom Baum", so Lucht.

Und während sich an Graffiti allgemeinhin die Geister scheiden, Sedemunds Graffiti hat Art, macht sozusagen Lust auf Meer. "Ich freue mich jedes Mal, wenn ich hier vorbeikomme", sagt der 78-Jährige. Wer will, läuft einfach mal durch und wirft einen Blick auf die Küste an der Wand.

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