Massive Bedenken : Krückau für den Frachter zu klein?

Derzeit liegt die 'Klostersande' in Hamburg vor Anker. Die imposante Konstruktion, die an eine Yacht erinnert, kommt nicht von ungefähr: Das Schiff wurde von einem Yachtbüro entworfen.  Foto: C. Petersen (3)
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Derzeit liegt die "Klostersande" in Hamburg vor Anker. Die imposante Konstruktion, die an eine Yacht erinnert, kommt nicht von ungefähr: Das Schiff wurde von einem Yachtbüro entworfen. Foto: C. Petersen (3)

Debatte um die "Klostersande"-Rückkehr: Bürgermeisterin Brigitte Fronzek und Ulrich Grobe vom Ewer "Gloria" äußern starke Bedenken

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06. April 2013, 06:55 Uhr

Elmshorn | Die Debatte um die "Klostersande" ist hitzig: Geht es nach den Fans des imposanten Schiffes aus den 60er-Jahren, so sei es kein Problem, es sicher in den Hafen zu bringen. Dass das nicht klappen kann, betonen Ulrich Grobe vom Ewer "Gloria" und die Stadt Elmshorn.

Vor allem Grobe meldet massive Bedenken an. Der Fluss habe sich in den letzten 13 Jahren stark verändert, sei zugewachsen und verschlickt. "Die Klostersande kommt nicht um die Kurven", sagt er, das Schiff würde schon vor dem Elmshorner Hafen steckenbleiben. Schließlich ist es 55 Meter lang und 6,60 Meter breit - ein wahrer Gigant auf dem kleinen Fluss. Selbst wenn es den Hafen erreichen sollte, sei es unwahrscheinlich, dass es wieder zurück auf die Elbe käme. Denn ein Wendemanöver im Hafen hält Grobe für unmöglich. Dafür sei das Wendebecken - die ehemalige Slip-Anlage der Kremer-Werft - zu stark verschlickt. "Im Klartext: Wenn eines der Probleme nicht zutrifft, tut es ein anderes", mahnt Grobe.

Auch Bürgermeisterin Brigitte Fronzek geht davon aus, dass die "Klostersande" sich entweder schon auf der Anfahrt festfahren würde - oder nicht wenden könnte. "Das Schiff müsste dann die ganze Krückau rückwärts fahren. Das geht aber nicht", sagt sie. Auch die Konsistenz des Schlicks habe sich in den letzten Jahren stark geändert: Es sei mehr Sand enthalten, sodass der Schlick festen Boden bilden würde.

"Das Risiko ist einfach zu groß", sagt Fronzek. Allerdings: Eine verlässliche Studie wurde seitens der Stadt nicht erstellt. Das wäre zu teuer. Fronzek vertraut auf Grobes Erfahrung und die Auswertung eines Luftbildes, das die verschlickten Stellen zeigt (siehe oben).

Bevor die "Klostersande" kommen könnte, müsste der Hafen und die Krückau erst einmal ausgebaggert und gespült werden, meint Fronzek. Zuletzt wurde das 1996 gemacht. Die geschätzten Kosten für ein erneutes Ausbaggern: Laut Fronzek zwei bis drei Millionen Euro. Nicht nur finanziell ein hoher Aufwand, auch ein Konzept für anschließende Maßnahmen, mit denen die Krückau dauerhaft vom Schlick befreit bleibt, fehlt. So blieb nur die Absage. "Ich mache das nicht aus Spaß, sondern aus Sorge", betonte Fronzek, "ich hätte es sehr begrüßt, wenn die Klostersande gekommen wäre."

Günter Holtz kann das alles nicht nachvollziehen. Schiff und Krückau kennt er allemal. "Das Schiff hat leer einen Tiefgang von 1,10 Meter. Die Krückau ist im Tidenkalender des Schifffahrtsamtes mit 1,80 Meter zugelassen", sagt er - kein Problem also. Dass der Haferfrachter im Wendebecken nicht umdrehen könnte, bezweifelt Holtz. "Das ist doch Quatsch! Die Klostersande hat vorne 30 Zentimeter Tiefgang, achtern 1,10 Meter. Da gibt es kein Problem", betont Holtz. "Wenn Not am Mann ist, würde ich das Schiff auch selbst in den Hafen bringen", sagt der Schipper.

Doch den Machern der Ausstellung läuft die Zeit davon. "Wir konnten Sicherheitsfragen zur Nutzung als Ausstellungsschiff nicht klären", berichtet Museumsleiterin Bärbel Böhnke. Konkret sei die Konstruktion einer Treppe, die Besuchern das Betreten des Schiffes und des Laderaums ermöglicht hätte, strittig gewesen. "Wir sind eine öffentliche Einrichtung, es muss gewährleistet sein, dass alles den Anforderungen entspricht", sagt Böhnke. Eben das sei nicht der Fall gewesen. Die Ausstellung wird dennoch stattfinden - auch mit einem Schwerpunkt im Hafen, verspricht die Museumsleiterin. Nur eben ohne die Klostersande.

Immerhin will die Stadt Elmshorn handeln. "Es wird an einem Konzept gearbeitet, wie der Hafen schlickfrei gehalten werden kann", berichtet Brigitte Fronzek. "Das ist ja kein Zustand", sagt die Bürgermeisterin. Dann könnte der Hafen - auch Dank der Hafenspange - wieder stärker genutzt werden. Insbesondere als Hafen für Sportboote sei Elmshorn attraktiv. Selbst die "Klostersande" sei dann willkommen, betont Fronzek. Doch noch ist das in weiter Ferne - und bis dahin bleibt die Absage der Stadt bestehen.

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