Kremer-Werft: Das Aus nach 1164 Schiffen

So viele Schiffs-Neubauten zugleich, wie auf diesem Foto von 1952, hatte es bei Kremer nie wieder gegeben. Allein vier Tankschiffe schwimmen in der Au, zwei weitere Neubauten liegen auf den Hellingen. Die Neubauten tragen die Baunummern 1001 bis 1004. Damals waren rund 300 Mitarbeiter bei D. W. Kremer beschäftigt.  Foto: scholz (3)
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So viele Schiffs-Neubauten zugleich, wie auf diesem Foto von 1952, hatte es bei Kremer nie wieder gegeben. Allein vier Tankschiffe schwimmen in der Au, zwei weitere Neubauten liegen auf den Hellingen. Die Neubauten tragen die Baunummern 1001 bis 1004. Damals waren rund 300 Mitarbeiter bei D. W. Kremer beschäftigt. Foto: scholz (3)

Die größte und letzte Werft an der Krückau ist vor 36 Jahren stillgelegt worden / Wo jetzt Bau- und Supermarkt stehen, arbeiteten früher bis zu 500 Schiffsbauer

shz.de von
07. Dezember 2011, 06:23 Uhr

Elmshorn | Von den ehemals drei Werften an der Krückau in Elmshorn war die Kremer-Werft die älteste und größte. Und sie bestand am längsten.

Bekannt ist, dass der Schiffszimmerer Matthias Döhrns die Werft 1793 von Johann Flügge aus Klostersande kaufte und 1806 an den Schiffszimmermeister Claus Kruse aus Moorege weiterverkaufte.

Als Kruse 1833 starb, erwarb Johann Hinrich Kremer den Betrieb mit drei Hellingen, zwei Erdwinden und zwei Kränen. Über 142 Jahre blieb das Unternehmen im Besitz der Familie Kremer. Dann kam der Konkurs. 1978 machte das Unternehmen auf dem Gelände zwischen Krückau, Hafen- und Westerstraße Platz für einen Bau- und einen Supermarkt.

An die einstmals stolze Werft mit ihren bis zu 500 Mitarbeitern erinnert nicht mehr viel. Nur noch der Stichhafen, an dessen Ende die Schiffbauhalle stand und die Kaianlagen, an denen die Schiffe ausgerüstet wurden, sind erhalten geblieben.

Wo noch bis Anfang der 1970er-Jahre Schiffe gebaut wurden, steht heute der armselige Rest einer Dampfmaschine als Symbol für den Niedergang eines einst stolzen und produktiven Industrie-Standortes.

Schon 1860 baute Kremer bis zu 30 Meter lange Holzschiffe, ab 1880 Eisenschiffe. Gute Verbindungen nach Südamerika hatten zur Folge, dass bis zu 90 Prozent des Exports dorthin gingen. 1930 hatte die Werft 130 Beschäftigte.

1940 lief mit der Baunummer 850 ein Schlepper für Mittelamerika vom Stapel, der zunächst letzte zivile Auftrag vor dem Zweiten Weltkrieg. Danach begann über 100 Baunummern die Produktion für den Krieg. Torpedo-Bergungsschiffe, Landungsboote und Tankschiffe wurden in Serie gebaut.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann man mit dem Bau von Fischkuttern, erst 1950 folgten zwei Küstenmotorschiffe. 1953 stieg die Zahl der Mitarbeiter auf 360. Fünf Jahre später auf 500. Kremers Spezialität waren Schlepper und Tonnenleger, Tanker für Chemikalien und Weine, Hochsee-Fischkutter, Fähren und andere Nischenprodukte. 1968 übernahm mit Johann Hinrich Kremer die 5. Generation den Schiffbau-Betrieb. Es sollte die letzte sein.

Nicht zuletzt wegen der zu engen und verschlickten Kr ück au wurden größere Schiffe auch schon vorher in Glückstadt ausgerüstet. Doch 1971 begann man damit, in der Elbe-Stadt einen zweiten Betrieb aufzubauen.

Aber die Geschäfte liefen nicht gut. Die Mitarbeiter-

zahl war auf 320 gesunken, erste Gerüchte über Zahlungsschwierigkeiten kamen auf. Angeblich hatte sich Kremer bei einem Auftrag über sechs Versorger für Bohrinseln ver-

kalkuliert. Die Gewerkschaft sprach von kaufmännischem Unvermögen und Familienklüngel.

Am 5. Mai 1975 stellte Kremer Konkursantrag. Die Verbindlichkeiten lagen bei 13 Millionen Mark. Der letzte in Elmshorn vom Stapel gelaufene Neubau war der Bohrinselversorger Leiv Viking mit der Neubaunummer 1164. Der Stapellauf war am 13. Juni 1975. Das Schiff war bis zum Jahre 2009 als Seabulk Plover in Fahrt und wurde dann an

einen griechischen Interessenten verkauft.

Nach einem kurzen Intermezzo mit dem Unternehmer Ulrich Harms und der gänzlichen Betriebsverlegung nach Glückstadt, kam 1978 der zweite Konkurs. Das Inventar wurde versteigert, das 21 700 Quadratmeter große Firmengelände an der Krückau verkauft.

Dies war die letzte Folge der Serie "Unsere Krückau". Der Krückaufilm wird am 13., 14. und 15. Dezember gezeigt. Alle Vorstellungen sind ausverkauft.

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