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Ein Vogelparadies in der Elbe : Kreisverwaltung will neues Pflegekonzept für Pagensand

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Kreisverwaltung will neues Pflegekonzept für Eiland. Flussvertiefungen haben Fläche auf 400 Hektar wachsen lassen.

Pagensand | Der Kreis Pinneberg hat mit Helgoland nicht nur eine Hochseeinsel, sondern auch Inseln in der Elbe. Die größte ist Pagensand vor Seestermühe. Sie steht unter Naturschutz. Weil wertvolle Wiesen zu verbuschen drohen, denkt die Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung über ein neues Pflegekonzept nach. Keine leichte Aufgabe, wie sich während eines Rundgangs über das Eiland herausstellt.

Los geht es vom Bauernhafen in Seestermühe. Dort wartet morgens Kapitän Jochim Bohn. Er bringt die Gruppe aus Behördenmitarbeitern und Umweltschützern mit seinem Boot auf die Insel. Der Zeitplan ist eng. Spätestens um 12.30 Uhr, bei Hochwasser, geht es zurück. In der Marsch gibt die Tide den Takt an. Aber Bohn kennt die Gegend wie die Tasche seiner grauen Latzhose. Er würde die Fahrrinne wohl auch blind finden.

Pagensand hat eine Fläche von etwa 400 Hektar und ist damit mehr als doppelt so groß wie Helgoland. Sie erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung über sieben Kilometer und ist an der stärksten Stelle mehr als einen Kilometer breit. Der höchste Punkt liegt bei etwa 14 Metern und damit deutlich über der Krone des Landesschutzdeichs entlang der Elbe.

Vom Anleger auf der Ostseite geht es ins Inselinnere. Maren Uecker-Rohweder, im Fachdienst Umwelt der Kreisverwaltung zuständig für Pagensand, führt die Gruppe zu einer ausgedehnten Wiese. Sie ist Lebensraum für zahlreiche Vogelarten. Würde die Fläche zuwachsen, verschwänden auch etliche Vögel. Bis Mitte der Neunzigerjahre bewirtschafteten Bauern die Insel. Danach wurden einzelne Flächen aus Naturschutzgründen gemäht. Eine teure Sache, denn schweres Gerät muss auf die Insel. „Deswegen suchen wir nach Alternativen für die Pflege der Flächen“, sagt Uecker-Rohweder, während sich aggressive Mücken unerbittlich auf die Eindringlinge vom Festland stürzen. Weiter geht es an Gräben, Prielen und Schilfgürteln entlang, durch hohes Gras, an Reihen von Kopfbäumen vorbei zu einem Leuchtfeuer des Wasser- und Schiffahrtsamtes. Die Behörde ist für den Küstenschutz und die Sicherheit der Schiffe auf der Elbe verantwortlich.

Pagensand war bis ins 16. Jahrhundert eine unscheinbare Sandbank. Im 17. Jahrhundert begannen die Gutsherren von Haseldorf und Seestermühe, Reet zu ernten. Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete ein Bauer die ersten Gebäude, kultivierte Reet und Bandholz, hielt Vieh. Später folgte Ackerbau. Die Insel wechselte mehrfach den Eigentümer und ging schließlich von Hamburg auf das Deutsche Reich und so auf die Bundesrepublik über.

Ortskundig: Jochim Bohn kennt sich mit Tide und Fahrrinnen aus.
Ortskundig: Jochim Bohn kennt sich mit Tide und Fahrrinnen aus.
 

Die ursprünglich etwa 110 Hektar große Insel wuchs mit Sand, der bei Begradigungen und Vertiefungen der Elbe anfiel, auf ihre heutige Größe. Aus Gründen des Erosionsschutzes wurden zahlreiche nicht-heimische Gehölze gepflanzt. Es entstand ein künstliches Ökosystem, das heute ein ornithologisches Paradies ist, wie Jochim Bohn in seinem Buch „Pagensand – Die Geschichte der Elbinsel und ihrer Bewohner“ schreibt. 116 Arten Brutvögel gebe es dort.

Auf dem Weg durch einen dichten Wald mit pilzbewachsenem Totholz und bizarrem Wurzelgeflecht diskutieren Uecker-Rohweder und Edelgard Heim, Leiterin der Umweltstation Elbmarschenhaus in Haseldorf, über den Schutz der Wiesenflächen. Ein Weideprojekt mit Rindern? Transport und Aufsicht der Tiere sind teuer. Dauerhaft Schafe wie auf den Deichen? Das feuchte Milieu fördert Infektionen und tödliche Organversagen. Wildtiere wie Rehe? Müssen mit Zäunen aufwendig eingehegt werden. Geld könnte es von der Stiftung Lebensraum Elbe geben. Für sie hat sich Enno Meinusch der Gruppe angeschlossen. Er wird Fördermöglichkeiten prüfen.

Von einem idyllischem Strand im Nordwesten geht es über eine Hochfläche zurück zum Boot auf der Ostseite. Die Aussicht auf Fahrrinne und Nebenelbe ist einmalig. „Die künstlichen Sandaufspülungen haben die Insel vergrößert und besondere Biotope entstehen lassen“, sagt Nabu-Mitarbeiter Frank Allmer. Der Naturschützer beobachtet seit Jahrzehnten die Vogelwelt auf der Insel und verbringt oft viele Tage am Stück in einer Holzhütte ohne fließendes Wasser.

Am Anleger schnackt Bohn op Platt mit Jäger Peter Hamster, der ihm mit seinem Beiboot den Platz streitig gemacht hat. Dann heißt es Leinen los. Die Gruppe fährt zurück, auf Pagensand herrscht wieder Ruhe.

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erstellt am 02.Jun.2016 | 15:30 Uhr

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