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Supergefährlich statt supernormal? : Kreisverkehr Kaltenweide - besorgte Eltern fordern eine Ampel

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die Polizei sieht keinen Unfallschwerpunkt.

shz.de von
erstellt am 21.Jul.2017 | 12:00 Uhr

Elmshorn | Sie sind aufgewühlt. Wütend, fühlen sich hilflos und nicht ernst genommen. „Dieser Kreisverkehr ist gefährlich“, sagt Henrike Junge – und darauf habe sie die Stadt Elmshorn auch mehrfach hingewiesen. Passiert sei nichts.

Der Kreisverkehr Kaltenweide, im Volksmund der „Lüdde“ genannt: Autos, Lastwagen und Busse können auch einfach geradeaus rüberfahren. „Und das tun sie auch“, sagt Astrid Schrader, „oft mit hoher Geschwindigkeit.“ Die Eltern haben Angst um ihre Kinder. „Das Risiko ist groß“, betont Yvonne Nikorov. Die Betroffenen schildern ihre Erlebnisse, berichten von Beinahe-Zusammenstößen, von Autofahrern, die rücksichtlos über den Zebrastreifen brettern, von lebensgefährlichen Situationen für Kinder und Erwachsene. „Ich gehe mit meinem Hund jeden Tag“, sagt Pierre Merono. Auch er sei auf dem Zebrastreifen fast überfahren worden. Sie alle erinnern sich mit Schrecken an den 22. Juni 2017. Der acht Jahre alte Sohn von Astrid Schrader wird auf dem Zebrastreifen von einem Lkw erfasst – er war mit dem Rad unterwegs. Er erleidet einen Schien- und Wadenbeinbruch sowie einen Mittelfußbruch. „Er sitzt zurzeit im Rollstuhl“, sagt Schrader.

Die eindeutig formulierte Forderung: Die Stadt muss etwas unternehmen: „Eine Ampel würde den Kindern ein gefahrloses Überqueren der Straße ermöglichen.“ Junges Vorschlag stößt im Kreis der Anwohner auf große Zustimmung. Das wäre die Optimallösung. Im großen Kreis fallen auch die Schlagworte „Tempo 30“ und „Schwellen als Tempobremsen.“ Der Unfall: „Unser Mitgefühl gilt den Unfallbeteiligten, insbesondere dem betroffenen Kind, das eine sehr belastende Situation erleben musste“, teilt die Stadt Elmshorn mit. Die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer stehe im Mittelpunkt des städtischen Handelns in der Verkehrsaufsicht.

Seit die Wittenberger Straße wegen des Brückenbaus gesperrt ist, ist die Kaltenweide Umleitungsstrecke in Richtung Barmstedt. Der Verkehr habe deutlich zugenommen, berichten die Anwohner, die auch ein aggressiveres Fahrverhalten vieler Verkehrsteilnehmer beobachtet haben wollen.

Die Vorfahrt ist klar geregelt.  Große Verkehrsschilder weisen auf beiden Seiten auf die Zebrastreifen hin. Fußgänger haben Vorrang.
Die Vorfahrt ist klar geregelt. Große Verkehrsschilder weisen auf beiden Seiten auf die Zebrastreifen hin. Fußgänger haben Vorrang. Foto: Christian Brameshuber
 

Der Kreisverkehr Kaltenweide: Verkehrsschilder weisen auf ihn und die Zebrastreifen deutlich hin. „Jeder Unfall ist einer zu viel und ein Unfall mit einem Kind ist besonders tragisch“, betont Elmshorns Polizeichef Thorsten Buchwitz. Dennoch: Für die Polizei ist diese Kreuzung kein Unfallschwerpunkt. Buchwitz hält sich an die Zahlen. 2015 gab es drei Unfälle mit einem leicht verletzten Radfahrer. 2016 gab es drei Unfälle ohne Verletzte. In diesem Jahr hat es bisher zweimal gekracht – mit einem Verletzten Kind. Laut Buchwitz registriert die Polizei vor allem Abbiegeunfälle. „Wir beobachten das Verkehrsgeschehen an diesem Kreisverkehr“, verspricht Buchwitz, vor allem weil der Verkehr durch die Umleitungsstrecke zugenommen habe. Immer mehr Verkehr: Die Zunahme ist vielen Anwohnern schon lange ein Dorn im Auge – unabhängig von der Brückensperrung. „Hier entstehen immer mehr Wohngebiete. Man kommt kaum noch auf die Kaltenweide rauf“, sagt eine Anwohnerin. „Ich habe Angst vor diesem Kreisverkehr“, sagt Rasu Mantana.

Angst um die Sicherheit der Kinder: Im Kindergarten an der Hermann-Sudermann-Allee ist das ein ständig wiederkehrendes Thema. „Eltern berichten immer wieder von gefährlichen Situationen“, sagt Kita-Leiterin Monique Wodtke. Die Vorschulkinder dürfen nicht alleine über den Zebrastreifen. „Passt bloß auf“, ist zum täglichen Warnsatz geworden. Auch Wodtke – sie wohnt unweit des Kreisels – ist beinahe angefahren worden. „Zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Auto. Ich empfinde die Situation als gefährlich. Das ist schlimm.“

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