Kreishaus-Gegner: Notfalls wird ein Bürgerbegehren angestrebt

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22. März 2013, 03:59 Uhr

Kreis Steinburg | Die Gegner eines Kreishaus-Neubaus ohne den Erhalt der alten Fassade formieren sich - und wollen den Abriss notfalls auch mit einem Bürgerbegehren stoppen. "Wir werden die Politik weiter unter Druck setzen und notfalls auch höhere Wellen schlagen", kündigte Silke Nießing bei einem ersten Vorbereitungstreffen im "Himmel und Erde" in Itzehoe an. "Ein Erhalt des alten Gebäudes würde sogar drei Millionen Euro weniger kosten", rechnete Siegrid Kröger vor. Sie hatte nach dem Bekanntwerden der Ergebnisse des Architektenwettbewerbs in der Bevölkerung schon spontan 1500 Unterschriften gesammelt und freut sich jetzt über insgesamt drei weitere Mitstreiterinnen. "Wir werden mit Frauen-Power um den Erhalt des Stadtbilds kämpfen", kündigte sie an.

In der Diskussion, an der sich auch einige Mitglieder des Kreistages und der Itzehoer Ratsversammlung beteiligten, wurden erhebliche Zweifel an der Ausschreibung des Wettbewerbs laut. Silke Nießing ist überzeugt: "Der Abriss war schon vorher beschlossene Sache. Wie sollten die Architekten dann zu anderen Ergebnissen kommen." Tatsächlich hatte der Kreistag die Möglichkeit eines Fassadenerhalts zwar nicht ausgeschlossen. Allerdings setzt nur einer der beteiligten Architekten dies auch in seinem Entwurf um. Bei den drei Preisträgern war das ehemalige Bahnhofshotel dann kein Thema.

Vor diesem Hintergrund wurden Forderungen nach einer neuen Ausschreibung laut, bei der der Erhalt der alten Fassade als Bedingung formuliert sein müsste. Bis dahin investierte rund 200 000 Euro wären dann allerdings in den Sand gesetzt. "Das wäre in Relation zu dem, was dann kommt aber vertretbar", meinte die Itzehoer Ratsfrau Sigrun Schmidt. Auch nach ihrer Einschätzung ist bei der Ausschreibung etwas "falsch gelaufen". Der Kreistagsabgeordnete Dr. Volker Rehder warnte hingegen vor allem vor einer Diskussion, die Kreisverwaltung ganz an einen anderen Standort zu verlagern: "Das wäre ein Affront gegen die Kreisstadt, die jetzt schon sehr angeschlagen aussieht."

Vor einer Verschiebung warnt allerdings der amtierende Landrat Dr. Heinz Seppmann. In einem Brief betont er den Zwang zum Handeln, weil sonst noch einmal viel Geld in abgängige Gebäude investiert werden müsse. Eine neue Ausschreibung würde eine Verzögerung von einem Jahr mit sich bringen. Seppmann: "Bauordnungsrechtlich unhaltbare Zustände würden beibehalten." Itzehoes Grünen-Ortsvorsitzender Karl-Heinz Zander geht dennoch davon aus, dass es jetzt zu keiner Entscheidung kommt: "Die Parteien wären schlecht beraten, wenn sie das noch vor der Kommunalwahl durchziehen."

Vieles hängt also davon ab, ob und wie der Kreistag in seiner Sitzung am 24. April entscheiden wird. Hier gibt es nur drei Möglichkeiten: das Thema doch noch vertagen, einen der drei Preisträger aus dem Architektenwettbewerb auswählen oder eine ganz neue Ausschreibung. Die Verwaltung hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, dass die vorliegenden Entwürfe noch in vielen Details überarbeitet werden könnten. Sollte die jetzige Fassade aber der Abrissbirne zum Opfer fallen, steht für die Akteure um Siegrid Kröger und Silke Nießing fest, dass ein Bürgerbegehren angestrebt wird. Nießing: "Dafür brauchen wir kreisweit 5000 Unterschriften - und die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Wir müssen nur am Ball bleiben."

In einem nächsten Schritt soll erst einmal weiter für den Erhalt der Kreishaus-Fassade getrommelt werden. Gedacht ist an eine Plakataktion im Stadtgebiet und an Auto-Aufkleber. Spontan wurden mehr als 150 Euro zur Deckung von Kosten eingesammelt.

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