Elmshorn : Krankenhaus-Förderverein: Zuhören ist ihre große Stärke

Bodo Dobbratz (links), Erster Vorsitzender, und Holger Niemann, Schatzmeister im Förderverein.
Bodo Dobbratz (links), Erster Vorsitzender, und Holger Niemann, Schatzmeister im Förderverein.

Der Förderverein für Menschen im Krankenhaus Elmshorn ist für die Patienten da.

shz.de von
01. September 2018, 15:40 Uhr

Elmshorn | „Wir sind kein Sparverein, wir geben das Geld gerne aus“, erklärt Bodo Dobbratz den Sinn seines Vereins. Zum Beispiel für „Elmshörnchen“, kleine Plüschfiguren, die Kindern in der Notaufnahme ein wenig von ihrer Angst und ihrer Aufregung ablenken. Oder für Material, mit dem „Herzkissen“ genäht werden, die nach einer Brustkrebsoperation die Schmerzen lindern.

Strandkörbe für Patienten

Der Elmshorner Bestatter Dobratz ist Vorsitzender im Förderverein für Menschen im Krankenhaus Elmshorn. „Wir schaffen Sachen an, die das Klinikum nicht braucht“, beschreibt Kassenwart Holger Niemann die Zielrichtung des Vereins. Zum Beispiel Strandkörbe: Die sind medizinisch nicht notwendig, bieten aber eine willkommene Gelegenheit zum Klönen mit Besuch oder für den Rückzug.

Einige der Strandkörbe stehen hinter dem Hauptgebäude des Krankenhauses in einer ruhigen Ecke des Geländes. Nebenan plätschert eine Fontäne im Teich, hinter den Körben steht das Veranstaltungszentrum des Fördervereins: Der rote Pavillon. Das ist ein kleines, achteckiges Holzhaus. Drinnen stehen ein paar Tische und Stühle, Zeitungen und Bücher liegen aus. An der Wand stehen Sessel mit Kopfhörern, das ist die „Hörbar“, in der Hörbücher und Musik abgerufen werden können.

Mit Strandkörben vor dem roten Pavillon, Lektüre und „Hör-Bar“ drinnen lädt der Förderverein zum Entspannen ein.
Foto: Roolfs
Mit Strandkörben vor dem roten Pavillon, Lektüre und „Hör-Bar“ drinnen lädt der Förderverein zum Entspannen ein.
 

Zehn bis elf Mal im Jahr gibt es im roten Pavillon Kultur: Der Förderverein bietet bei freiem Eintritt auf „Elmshorns kleinster Bühne“ Musik und Lesungen. Mit 40 Besuchern ist das Haus dann voll. „Zuerst habe ich selbst etwas gemacht“, erzählt Niemann, der sich um das Programm kümmert: Er wollte keinem Künstler zumuten, womöglich vor nur drei Besuchern aufzutreten. Diese Angst hat sich erledigt, „wir sind jetzt gut vernetzt“. Und so schaffen es die Elmshorner immer wieder, Künstler in ihren Pavillon zu holen, die ohne Gage auftreten.

Seit 2016 gehören zum Förderverein die Grünen Damen. Das sind Frauen – und auch einige Männer –, die ehrenamtlich im Krankenhaus unterwegs sind, um den Patienten die Zuwendung zu geben, für die das Pflegepersonal keine Zeit hat. „Ein offenes Ohr haben ist das Wichtigste“, sagt deren Leiterin Bärbel Heinitz: „Viele haben das Bedürfnis, längere Gespräche zu führen“. Die Grünen Damen gibt es seit 1986. Sie waren lange selbstständig. Aber nach Unstimmigkeiten mit ihrem Dachverband kamen die 50 Elmshorner Grünen Damen zum Förderverein: „Wir wollen das Gleiche für die Patienten“, und so passte das gut, erzählt Heinitz.

Die Grünen Damen sind beitragsfreie Mitglieder: „Es ist nicht einzusehen, dass Menschen, die hier helfen und ihre Freizeit opfern, auch noch Beitrag zahlen“, findet Bodo Dobbratz.

130 Mitglieder

Alle anderen der rund 130 Mitglieder zahlen mindestens 30 Euro pro Jahr. Mit diesen Beiträgen und Spenden hat der Förderverein insgesamt um die 10 000 Euro pro Jahr zur Verfügung. Mit dem Geld hat der Verein die Ausstattung des Krankenhausradios unterstützt, sorgt für Bilder an den Wänden, bezahlt einen Klinik-Clown, der über Hygiene aufklärt, oder übernimmt die Teilnehmerbeiträge für einen Workshop, in dem Krebspatientinnen geschicktes Schminken lernen.
Dazu kommen Sachspenden.

Die Baumschulen der Umgebung sorgen dafür, dass in der Adventszeit auf jeder Station ein Baum steht. Pralinen, Campingstühle – bei solchen Bedürfnissen kennt immer jemand eine Firma, die hilft. Die offensive Werbung um Spenden bleibt großen Projekten vorbehalten; zum Beispiel für den Bau des roten Pavillons, der 2011 für 100 000 Euro gebaut wurde.Einige Anfragen hat der Verein auch schon abgelehnt. Zum Beispiel das Ansinnen, Türen für die neue Geriatrie anzuschaffen. Das ist als Baumaßnahme Sache der Regio Kliniken, befanden die Förderer. Und Raucherecken haben sie nach intensiver Diskussion auch nicht bezuschusst.

Ein Problem für den Verein ist, dass kaum jemand kennt: „Es ist extrem schwierig, Mitglieder zu werben“, sagt Holger Niemann. „Bei den Spenden hat es das Hospiz leichter“, hat Bodo Dobbratz erfahren. „Wir waren bei der Ehrenamtsmesse und haben viele Gespräche geführt, aber es bleibt nichts hängen“, berichtet Bärbel Heinitz. Aber das irritiert die Engagierten nicht: „Die meisten von uns sind Elmshorner und stolz auf das Krankenhaus“, so Dobbratz.

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