Kulturzentrum : Kranhaus in Elmshorn: Der Frust sitzt tief

Die Knechtschen Hallen (links) mit dem Kranhaus (flaches Gebäude mit Giebel) an der Elmshorner Schlossstraße. Unter der blauen Plane (Mitte) verstecken sich das marode Dach und die kaputte Wand. Die Aufnahme entstand im August 2017. Seither hat sich kaum etwas getan.
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Die Knechtschen Hallen (links) mit dem Kranhaus (flaches Gebäude mit Giebel) an der Elmshorner Schlossstraße. Unter der blauen Plane (Mitte) verstecken sich das marode Dach und die kaputte Wand. Die Aufnahme entstand im August 2017. Seither hat sich kaum etwas getan.

Das Gebäude ist seit einem Jahr gesperrt. Der Freundeskreis will die Zukunft der Knechtschen Hallen öffentlich diskutieren.

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21. Dezember 2017, 13:00 Uhr

Elmshorn | Trostlos – und das ist noch geprahlt. Das verwilderte Gelände der Knechtschen Hallen an der Elmshorner Schlossstraße taugt als Kulisse für den nächsten großen Endzeitfilm: „Klinkerapokalypse II“, oder so. Und dabei liegt der Komplex mitten im viel zitierten Zukunftsviertel der Stadt.

Seit Jahren kümmern sich engagierte Bürger darum, dass wieder Leben in den gigantischen Backsteinbau kommt. Der Freundeskreis Knechtsche Hallen um den Elmshorner Rechtsanwalt Jens Jähne hat einen kleinen Teil des Gebäudeensembles – das Kranhaus – als Kulturzentrum etabliert. Doch die Initiative stockt. Wegen Einsturzgefahr ist das Kranhaus seit einem Jahr dicht. Eine marode Wand und ein Stück undichtes Dach sind schuld. Nichts geht mehr.

Eigentlich sollte der Schaden längst behoben sein, technisch ist die Geschichte keine große Hürde. Doch warum kommt die Sanierung nicht voran? „Es gibt sogar schon Verschwörungstheorien“, sagt Jens Jähne. In seinem Grußwort auf der Homepage des Freundeskreises schreibt er: „Welche Kräfte, welche Interessen wirken im Hintergrund, auf die wir keinen Einfluss nehmen können, obwohl wir viel bewegt haben und uns einigen Einfluss zutrauen?“. Jähnes Frage, die viel Spielraum für Spekulationen lässt, richtet sich vor allem an zwei Adressaten: Kibek-Chef Frank Sachau, Eigentümer der Knechtschen Hallen, und die Stadt Elmshorn.

Das Kranhausgebäude, das direkt an den Komplex der Knechtschen Hallen anschließt, gehört der Stadt. So weit, so gut. Jetzt wird es aber kompliziert: Die Wand, deren miserabler Zustand zunächst zur Leckage am Dach und in der Folge zur Schließung des Kranhauses geführt hat, steht auf dem Gelände von Frank Sachau. Er muss die Reparatur bezahlen.

Auf Lösungssuche

Weil das so ist, haben sich Stadt, Freundeskreis und Sachau vor knapp einem Jahr an einen Tisch gesetzt, um rasch eine Lösung zu finden. „In der Zwischenzeit hat es viele Gespräche gegeben. Herr Sachau hat sich sehr zugänglich gezeigt, aber auch klar gesagt, was er will und was nicht“, sagt Jens Jähne. Für den Vorsitzenden des Freundeskreises steht fest, dass der Eigentümer der Knechtschen Hallen an einer „großen Lösung“ des Mauer-Dach-Problems mit einer Sicherung für eventuell größere Schneelasten nicht interessiert ist. Die würde nämlich laut Jähne 40.000 bis 50.000 Euro kosten. Frank Sachau sei nicht bereit, diesen Betrag für ein ohnehin marodes Gebäude zu investieren. Vorstellbar seien 10 000 Euro für eine „kleine Lösung“ , die dennoch den Betrieb im Kranhaus sichere.

Ob „groß“ oder „klein“: Die Elmshorner Stadtveraltung wäre froh, gäbe es überhaupt eine Lösung. Für Stadtrat Dirk Moritz ist die Freigabe des Kranhauses derzeit in weiter Ferne. „Die Standsicherheit des Nachbargebäudes ist noch nicht abschließend geklärt“ sagt er. Moritz hat den Eindruck, dass bislang „kaum etwas gemacht wurde“. Und tatsächlich, blaue Planen auf dem betroffenen Dachabschnitt signalisieren ein Provisorium.

Dabei laufen die Arbeiten bereits seit Ende August. Zu diesem Zeitpunkt hatten die zuständigen Statiker Grünes Licht für die Sanierung gegeben. Dirk Moritz kann sich nicht erklären, warum das Projekt stockt. Er sieht vor allem den Eigentümer in der Pflicht. Die Stadt werde das Kranhaus erst nach Abschluss der Mauer- und Dachsanierung und dem Okay des Prüfstatikers wieder für Veranstaltungen frei geben.

Viel Zeit investiert

Bereits jetzt macht sich Frust im Freundeskreis Knechtsche Hallen breit. Die Mitglieder haben viel Zeit und Arbeit in das Projekt Kranhaus gesteckt. „Wir sind aber weiter motiviert und suchen jetzt erst einmal andere Wege“, sagt Jens Jähne. Schließlich sei der Freundeskreis nicht an erster Stelle ein Kulturverein, sondern an der Entwicklung der Knechtschen Hallen insgesamt interessiert. Jens Jähne: „Kultur ist Teil unseres Konzepts“.

Jähne und seine Mitstreiter wollen die alten Hallen als Mittelpunkt des Sanierungsgebietes Krückau/Vormstegen mehr ins Gespräch bringen. „Die Diskussion um die Zukünftige Nutzung oder Umgestaltung findet zu sehr hinter den Kulissen statt, das wollen wir ändern“, so Jens Jähne. Im kommenden Jahr soll es einige öffentliche Info-Veranstaltungen geben. Jähne: „Die Stadtgesellschaft muss in die Diskussion eingebunden werden. Die Menschen sollen mitgestalten.“ Er wünscht sich neue Ideen. Seine Hoffnung: verkrustete Strukturen und Denkwege aufbrechen.

Und das Kranhaus: Der Freundeskreis ist gedämpft optimistisch. Vielleicht gibt es im Sommer wieder Veranstaltungen an der Schlossstraße – vielleicht.

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