Krähensterben: Suche nach der Ursache

Kirstin Zoller mit dem Krähen-Kadaver, der nächste Woche untersucht werden soll.
Kirstin Zoller mit dem Krähen-Kadaver, der nächste Woche untersucht werden soll.

Krankheit, Mangelernährung oder Vergiftung – Kadaver werden untersucht

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02. Juni 2018, 16:48 Uhr

Was ist der Grund für das Krähensterben? Derzeit kennt keiner die Antwort. In der Wildtierstation in Sparrieshoop wurden in den vergangenen beiden Wochen 60 verwaiste und teilweise verletzte Nestlinge abgegeben. Leiter Christian Erdmann geht bislang davon aus, dass die jungen Krähen vor Hunger aus ihren Nestern fallen, weil ihre Eltern wegen der hohen Temperaturen nicht mehr ausreichend Nahrung finden. „Das ist wie bei den Störchen, bei der Trockenheit finden die Krähen nicht genug Nahrung“, erklärt Erdmann. „Am Boden werden die Tiere nicht weiter versorgt und würden sterben.“

Vogelexpertin Kirstin Zoller glaubt nicht an Nahrungs- oder Wasserknappheit. Angesichts der Gewässerdichte in Elmshorn herrsche kein Mangel an Flüßigkeit, zudem beobachte sie in diesem Jahr in Schleswig-Holstein ein deutlich höheres Insektenaufkommen als in anderen Bundesländern. Sie findet es auffällig, dass gehäuft erwachsene Tiere tot gefunden werden. „Eine illegale Vergiftungsaktion muss man zumindest in Betracht ziehen.

Auch Erdmann schließt eine Vergiftung nicht aus – zumal die schwarzen Vögel in Elmshorn bekannterweise nicht gerade beliebt sind. Beide Vogelexperten schließen aber natürliche Ursachen nicht aus. Um das zu klären, hat Zoller eines der toten adulten Tiere eingefroren, um es wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Rüdiger Albrecht vom Landesamt für Umwelt will den Vogel Anfang kommender Woche in Absprache mit der Stadtverwaltung abholen und untersuchen lassen. Das Veterinäramt in Neumünster ist für die pathologische Untersuchung zuständig. „Das geht relativ schnell“, sagt Albrecht. Wird dort keine natürliche Todesursache festgestellt, geht der Kadaver weiter nach Göttingen, um dort auf Gift untersucht zu werden. Das kann bis zu zwei Wochen dauern.

Einen ähnlichen Fall gab es erst vor wenigen Wochen im Rheinland-Pfälzischen Zweibrücken. Wie in Elmshorn beklagen die Bürger dort eine Krähenplage, wie in Elmshorn tauchten große Mengen von Krähen-Kadavern auf. Jetzt haben Tierschützer die Tiere untersuchen lassen, die Uni München bestätigte, dass die Tiere mit Rattengift getötet wurden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Um die Situation in Elmshorn aufzuklären, bittet Kirstin Zoller die Bürger, die Augen offen zu halten und Fotos von den Kadavern zu machen. Erreichbar ist sie unter der Nummer (01 71) 2 11 63 12. „Wenn möglich, können die toten Krähen in Plastiktüten zu mir gebracht werden“, sagt Zoller. Die Krähen sollten aber nicht angefasst werden.

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