Krähensterben: Keine Untersuchung

Die Untersuchung dieser Krähe brachte kein Ergebnis.
Die Untersuchung dieser Krähe brachte kein Ergebnis.

Toxikologische Tests waren nicht möglich / Vogelschützer sind unzufrieden

shz.de von
08. Juni 2018, 16:00 Uhr

Das ging schnell: Kaum hatte Jörg Schmidt-Hilger vom städtischen Umweltamt am Montag einige Krähenkadaver zur Untersuchung beim Veterinäramt in Neumünster abgegeben, schon war am Nachmittag das Ergebnis da. Es gibt allerdings keinerlei Aufschlüsse über die Gründe für das Elmshorner Krähensterben, denn die Untersuchung konnte gar nicht erst durchgeführt werden. „Man hat mir mitgeteilt, dass eine toxikologische Untersuchung nicht möglich ist, weil die Kadaver zu verwest waren“, erklärt Schmidt-Hilger.

Und Rüdiger Albrecht vom Landesamt für Umwelt ergänzt: „Die Proben werden aus den Organen entnommen, aber die waren nicht mehr vorhanden. Wenn es möglich gewesen wäre, hätten wir die Untersuchung durchgeführt.“ Dazu ist er weiterhin bereit – wenn nur „geeignetes Material“ vorliegen würde. Vorgesehen war, dass das Veterinäramt natürliche Todesursachen ausschließt und die Kadaver dann an ein Spezial-Labor der Uni Göttingen weitergibt, um sie auf Gift untersuchen zu lassen.

Weil in Elmshorn nicht nur Nestlinge, sondern auch ausgewachsene Krähen in größeren Gruppen tot aufgefunden worden waren, bestand der Verdacht einer Vergiftung. Albrecht betont aber, dass er natürliche Todesursachen durch die hohe Trockenheit und Hitze für wahrscheinlicher hält. Zumal auch in anderen Teilen des Landes tote Krähen gefunden worden seien, allerdings Jungtiere. Albrecht ist verärgert über die Vogelschützer, die ihm im Vorfeld frische Kadaver zur Untersuchung versprochen hätten. „Diese lagen offensichtlich schon lange herum.“

Die Raa-Besenbeker Vogelexpertin Kirstin Zoller , die die Untersuchung initiiert hatte, glaubt nicht daran, dass eine toxikologische Untersuchung durch den Verwesungszustand der Kadaver unmöglich ist. Auch Hans-Helmut Dürnberg vom Naturschutzbund Elmshorn (Nabu) hält das für wenig wahrscheinlich. „In menschlichen Leichnamen können oft noch nach zehn Jahren Giftspuren nachgewiesen werden.“ Der Nabu schickt regelmäßig Kadaver von Raubvögeln zur toxikologischen Untersuchung, weil die Tiere immer wieder von Jägern vergiftet würden. „Wir schicken dann aber direkt an das Labor der Uni Göttingen, das Geld kriegen wir vom Land wieder.“ So wollen es die Tierschützer so schnell wie möglich in Elmshorn machen, sobald ein frischer adulter Krähenkadaver gefunden wird.

Zuerst hatte vor eineinhalb Wochen eine „sehr zuverlässige Finderin“, wie Dürnberg es ausdrückt, auf das Problem aufmerksam gemacht. Sie hatte Kadaver erwachsener Krähen in großer Zahl im Rosengarten gefunden. Als sie später wieder kam, um Beweise zu sichern, waren die toten Vögel verschwunden. Insbesondere das Verschwinden der Tiere macht Dürnberg stutzig. Für das Sterben der Nestlinge macht er dagegen das Wetter verantwortlich. „Die Würmer ziehen sich wegen der Trockenheit tief in die Erde zurück, die Krähen finden kein Futter. Weil die Nestlinge darüber mit Flüssigkeit versorgt werden, verdursten sie oder werden aus dem Nest geworfen.“ In der Wildtierstation sind in den vergangenen beiden Wochen 60 verwaiste junge Krähen abgegeben worden. Das Sterben der erwachsenen Krähen erklärt das nicht. Nabu und Vogelexpertin Zoller bitten die Elmshorner, Fundorte erwachsener toter Krähen zu fotografieren und wenn möglich die noch nicht verwesten Tiere in einer Plastiktüte abzugeben. Erreichbar ist Zoller unter (01 71) 2 11 63 12.

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