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„Wie in einem Horrorfilm“ : Krähenplage in Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Elmshorns CDU-Fraktionschef Immo Neufeldt hofft beim Thema Krähen auf Hilfe von Landespolitikern und Städtebund.

Elmshorn | Saatkrähen machen Lärm, sie machen Dreck und sie haben sich in Elmshorn mit einer Steigerung um 1031 Brutpaare in den vergangenen 20 Jahren fast schon explosionsartig vermehrt. Wenngleich viele Bürger davon völlig genervt sind, darf die Stadt lediglich versuchen, sie mit Lärm zu vergrämen. Mehr ist derzeit gesetzlich nicht möglich. Das hat die Elmshorner Stadtverwaltung auf eine Anfrage der CDU mitgeteilt.

Grundsätzlich, so die Verwaltung, bestehe für Krähen ein gesetzliches Tötungsverbot. Nur bei konkreten landwirtschaftlichen Schäden würden einzelne Genehmigungen zum Abschuss von Saatkrähen erteilt. Das bestätigt ein Sprecher des zuständigen Landesamts für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) den Elmshorner Nachrichten. Krähen seien durchaus in der Lage, auf mehreren Feldern gleich nach der Aussaat die Saat zu vernichten. In diesem Fall würden zwei bis drei Tiere getötet und auf den Feldern gelassen. Das schrecke die anderen Krähen für einige Tage ab. Diese Zeit reiche aus, dass die Saat auflaufen könne. An den kleinen Pflänzchen hätten die Krähen kein Interesse und die Landwirte würden keine weiteren wirtschaftlichen Schäden erleiden. Doch deshalb gebe es Abschussgenehmigungen nur im ländlichen Bereich, sagt der Sprecher des (LLUR).

Eine Änderung des gesetzlichen Rahmens liege nicht in ihrer Zuständigkeit, antwortet die Stadtverwaltung der CDU. Stattdessen, so der Vorschlag, sollten die Fraktionen versuchen, über ihre politischen Verbindungen Einfluss auf die Gesetzgebung zu nehmen.

Dennoch, so heißt es in der Antwort, habe die Verwaltung das Umweltministerium gebeten, Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen, gegebenenfalls auch denkbare Änderungen der rechtlichen Voraussetzungen. Umweltminister Robert Habeck (Grüne) räumt zwar ein, dass es „an den verschiedensten Stellen des Landes“ ähnliche Probleme wie in Elmshorn gebe. Er empfiehlt aber nur Vergrämungsmaßnahmen. Rechtliche Änderungen könne das Land aufgrund der geltenden Bundesgesetze nicht beschließen.

Mittlerweile hat sich jedoch der Städtebund Schleswig-Holstein des Themas angenommen, der eine Umfrage zum Thema Krähenproblematik gemacht hat. In ihrer Antwort verdeutlicht die Stadt, wie sehr sich viele Bürger von der großen Anzahl der Saatkrähen in Elmshorn belästigt fühlen: „Große Teile der Bevölkerung fordern drastische Schritte gegen die Krähen und kündigen anonymisiert auch an, dass sie die Krähen abschießen werden. Weitere, durchaus ernst gemeinte, Vorschläge enthalten das Fällen sämtlicher großer Bäume in Elmshorn, die Herausnahme von Eiern aus den Nestern etc.“ Gewerbetreibende forderten ebenfalls „verstärkte, auch radikale Maßnahmen zur Eindämmung des Krähenbestands“. Besucher der Stadt hätten zudem bekundet, Elmshorn mittlerweile wegen der Krähen zu meiden.

Die Saatkrähe (Corvus frugilegus) ist eine der vier europäischen Arten der Gattung Corvus aus der Familie der Rabenvögel (Corvidae). Als sozial lebende Art ist die Saatkrähe sehr ruffreudig und verfügt über eine Vielzahl von Lautäußerungen. Die Nähe des Menschen scheut sie nicht. So liegen viele ihrer Brutkolonien und Schlafplätze in unmittelbarer Nachbarschaft zu menschlichen Siedlungen.

Die Vergrämungsmaßnahmen, so die Verwaltung weiter, würden von der Politik und den meisten Bürgern als nicht ausreichend bewertet. Zudem sei nur an drei von zwölf Standorten von Brutkolonien der Saatkrähen die Vergrämung genehmigt worden.

Die CDU will nun die Landespolitiker einschalten. „So kann es nicht weitergehen“, meint CDU-Fraktionschef Immo Neufeldt. „Vielleicht können ja einige Damen und Herten aus dem fernen Kiel mal nach Elmshorn kommen und vor Ort feststellen, wie es ist, wenn man sich wie in einem Horrorfilm fühlt“, sagt der CDU-Politiker. Bis dahin möchte die Union mit kleinen Maßnahmen zur Verbesserung der Situation in Elmshorn beitragen. Neufeldt schlägt vor, die geplante Einführung der Wertstofftonne vorzuziehen, um den Krähen die gelben Säcke als Möglichkeit, Nahrung zu finden, zu entziehen. Außerdem könne über ein generelles Verbot, Vögel im Stadtgebiet zu füttern, nachgedacht werden. Auch die Verwaltung hatte bemängelt, dass immer noch Speisereste achtlos auf die Straße geworfen und Mülltonnen nicht richtig verschlossen würden.

Zusätzlich regt Neufeldt an, bei der Anlage von Grünflächen darauf zu achten, dass Saatkrähen sich dort nicht einnisten. Außerdem hofft die CDU, dass der Städtebund nach Auswertung seiner Umfrage ebenfalls Druck auf die Landespolitik machen wird. Die Saatkrähen seien bundesweit wohl in der Tat bedroht, räumt Neufeldt ein. Nicht aber in Schleswig-Holstein. Deshalb müssten sich Bund und Land etwas einfallen lassen, um die Belastung der Menschen in den Städten des Landes zu verringern.

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erstellt am 16.Okt.2015 | 14:00 Uhr

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