Korruptionsfall: Stadt hat Beschuldigte entlassen

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28. März 2017, 16:00 Uhr

Der Korruptionsfall im Herbst 2014 hat die Rathaus-Mitarbeiter schwer getroffen. „Das hat damals alles verändert“, sagt Bürgermeister Volker Hatje. „Das positive, unbefangene Verhältnis unter den Kollegen war von einem Tag auf den anderen zerstört. Jeder hat sich bei allem abgesichert.“ Mittlerweile habe sich die Atmospähre im Rathaus wieder normalisiert, aber die Mitarbeiter seien vorsichtiger geworden. Der Vorfall wirft immer noch seinen Schatten.

Kein Wunder also, dass Bürgermeister Volker Hatje die Vorgänge bei der Kieler Staatsanwaltschaft mit Spannung verfolgt. „Leider haben wir bisher noch keine Einsicht in die Akten nehmen können“, sagt Hatje. „Die Staatsanwaltschaft ist der Kläger, nicht die Stadt Elmshorn. Deshalb müssen wir darauf warten, dass das Verfahren eröffnet wird.“

Erst wenn es abgeschlossen ist, kann die Stadt ihren eigenen Schaden geltend machen. „Wir haben eine Summer in Höhe von 35000 Euro geltend gemacht“, sagt Hatje. „Aber erst der Prozess wird zeigen, ob dazu vielleicht noch etwas hinzukommt und wer alles mit drin gesteckt hat.“ Schließlich sollen auch mehrere Baufirmen von der Abzweigung der Baumaterialien zu privaten Zwecken gewusst haben.

Beteiligt waren neben den beiden Architektinnen Nicole H. und Inga B., die damals gemeinsam mehrere Bauprojekte der Stadt betreut hatten, auch eine Sekretärin und ein Hausmeister. Keiner der vier Beschuldigten arbeitet noch bei der Stadt. Schwierigkeiten gab es in erster Linie im Fall der verbeamteten Architektin Nicole H. Diese war unter Fortzahlung ihrer Bezüge suspendiert worden.

Ihren Beamtenstatus hätte sie normalerweise nur im Rahmen eines Disziplinarverfahrens verlieren können – und auch nur bei einer Strafhöhe von mehr als einem Jahr. Das Verfahren ruht jedoch bis zum Ende des Strafverfahrens. „Innerhalb von zweieinhalb Jahren wäre einiges an Bezügen zusammengekommen“, sagt Hatje. Zum Glück habe H. im März 2016 selbst einen Antrag auf Beendigung des Beamtenverhältnisses gestellt. „Darüber waren wir alle sehr froh“, sagt Hatje. „Aber auch für sie war das der richtige Schritt, um sich eine neue Perspektive aufbauen zu können.“

Wenn das Verfahren beginnt, will Bürgermeister Hatje auf jeden Fall dabei sein. Hatje: „Der Fall hat mich damals auch persönlich sehr getroffen.“

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