„Das wird richtig monumental“ : Komponist aus SH stellt Martin-Luther-King-Musical auf die Beine

Hanjo Gäbler in seinem Filmstudio in der Hamburger Straße.
Hanjo Gäbler in seinem Filmstudio in der Hamburger Straße.

Der Kiebitzreiher Hanjo Gäbler ist maßgeblich beteiligt an einem Musical mit tausenden Sängern. Premiere feiert es in Essen.

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09. Juni 2018, 16:34 Uhr

Kiebitzreihe/Elmshorn | Ein Musical mit 1200 Chorsängern, mit Big-Band, Orchester und professionellen Musicaldarstellern, das in der Essener Grugahalle vor tausenden Zuschauern Premiere feiert. Für den Kiebitzreiher Hanjo Gäbler ist das Projekt „Martin Luther King“ eine Chance, die man nur ein oder zweimal im Leben bekommt, „etwas richtig Großes“ wie er sagt. Und Gäbler hat schon Remixes für Künstler wie Alicia Keys und Céline Dion geschrieben.

Der 40-Jährige ist Komponist, Pianist und Musik-Produzent mit einem eigenen Musikverlag in Kiebitzreihe und einem kleinen Tonstudio in der Elmshorner Hamburger Straße. Dort sitzt Gäbler jetzt zwischen Mischpulten, Computerbildschirmen, Aufnahmekabine und Keybord, die sich dicht an dicht in dem Raum drängen, und spielt einige der Aufnahmen vor, die er erst vor einer Woche mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg gemacht hat.

„Haben diese Musik inhaliert“

Es ist eine monumentale Musik, mit deutlich hörbaren Anleihen an die James-Bond-Filme der 60er und 70er Jahre. Die Zeit also, in der der amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King sich in einem gewaltfreien Kampf gegen die Unterdrückung der Afroamerikaner einsetzte.

Beim Filmorchester Babelsberg
Hanjo Gäbler
Beim Filmorchester Babelsberg

Andere Melodien haben die Komponisten Hanjo Gäbler und Christoph Terbuyken der zeitgenössischen Motown-, Jazz- und Soul-Musik entliehen, sie ließen sich inspirieren von Künstlern wie Mable John, Diana Ross, den Jackson Five oder Stevie Wonder. „Wir haben diese Musik inhaliert und dann unsere eigenen Sachen daraus entwickelt – natürlich mit Original-Instrumenten aus der Zeit“, sagt Gäbler. Und dann wird in dem Chormusical natürlich ganz viel Gospel-Musik zu hören sein.

Das Projekt habe viele alte Freunde auf den Plan gerufen, erzählt Gäbler. „Wir sind ja alles kleine Musiker, dass wir so ein riesiges Projekt stemmen, fanden alle super. Wir haben deshalb zum Beispiel von dem Filmorchester Babelsberg Vergünstigungen bekommen, ohne die das alles nicht möglich gewesen wäre.“

Für eine gerechtere Welt

Produziert wird das Musicalprojekt von der Creative Kirche, einer selbstständigen Stiftung innerhalb der Evangelischen Kirche, die zuletzt Pop-Oratorien wie „Die zehn Gebote“ und „Martin Luther“ mit mehreren zehntausend Beteiligten realisiert hat. Bei beiden Projekten war Gäbler beteiligt, als Organist in der Band. „Vor fünf Jahren kam mir dann die Idee, dass die Biografie von Martin Luther King ein richtig guter Stoff für so ein Musical wäre.“

Hanjo Gäbler (von links) mit Musicaldarsteller Gino Emnes und dem Mit-Komponisten Christoph Terbuyken.
Hanjo Gäbler
Hanjo Gäbler (von links) mit Musicaldarsteller Gino Emnes und dem Mit-Komponisten Christoph Terbuyken.

Zusammen mit dem befreundeten Komponisten Christoph Terbuyken überzeugte Gäbler schnell die Verantwortlichen. „Alle waren sofort on fire. Martin Luther King mit seiner Zivilcourage und seinem mutigen Traum für eine gerechtere Welt passt ideal in diese Zeit mit AfD und Flüchtlingskrise – heute mehr als vor fünf Jahren.“

Als Vater von einer elfjährigen und einer zweijährigen Tochter war Gäbler vor allem beeindruckt, welchen Gefahren der Baptistenpastor sich und seine Familie aussetzte, um die Gallionsfigur im Kampf gegen Rassentrennung und Ungerechtigkeit zu werden.

Auch 300 Sänger aus SH

Im Musical hat Librettist Andreas Malessa genau diesen Aspekt in der Persönlichkeit Martin Luther Kings in den Vordergrund geschoben. Gespielt wird die Hauptfigur von Musical-Darsteller Gino Emnes, bekannt als Hauptdarsteller in dem Stage-Musical „Kinky Boots“. „Meine Frau hat das Musical in Hamburg gesehen und war von Gino Emnes sofort total begeistert“, erzählt Gäbler. „Daraufhin haben wir ihn und einen weiteren Darsteller aus dem Musical engagiert.“

Am 9. und 10. Februar 2019 feiert das Chormusical „Martin Luther King“ Premiere in der Essener Grugahalle, die jeweils 1200 Sänger für die beiden Chöre sind schon gefunden. „Wir hatten erst gedacht, das würde schwer werden“, erzählt Gäbler. „Einfach, weil Christoph Terbuyken und ich keine große Namen haben. Aber wir haben im Februar ausgeschrieben und zwei Wochen später waren alle Plätze ausgebucht.“

Etwa die Hälfte der Sänger kommt aus Kirchenchören, die andere Hälfte setzt sich aus Pop- und Gospelchören sowie Einzelsängern zusammen. Bei der ersten Aufführung werden auch 300 Sänger aus Schleswig-Holstein dabei sein, davon 30 Sänger aus Elmshorn. „Ich wollte die Premiere eigentlich in der Elbphilharmonie haben“, sagt Gäbler. „Aber die war zu klein und zu teuer. Zumindest konnte ich jetzt aus der Premiere ein Heimspiel machen.“

Musical kommt auch nach Hamburg

Nach Hamburg kommen wird das Musical trotzdem, und zwar am 16. und 17. Januar 2020 in die Alsterdorfer Sporthalle, im Rahmen einer großen Deutschlandtournee, in 20 Städten mit jeweils 500 bis 1500 Sängern. Gleichzeitig gibt es Gespräche für eine stationäre Musicalproduktion in St. Gallen.

In dem kleinen Musikstudio, gleich neben den Räumen der Christlichen Next-Schule, dreht sich Hanjo Gäbler auf seinem Stuhl um, nachdem er die Aufnahme mit dem Babelsberger Filmorchester vorgespielt hat und die letzten Takte aus den Lautsprechern verklungen sind.

„Das wird richtig monumental“, sagt der Musiker mit einem begeisterten Leuchten in den Augen. „Die Leute sollen gleich mit den ersten Takten ihre Alltagssorgen vergessen und sich in eine andere Zeit versetzt fühlen.“

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