Kommt das Abitur in neun Jahren?

Schüler-, Eltern- und Lehrervertreter entscheiden Anfang 2018, ob G9 kommt.
Schüler-, Eltern- und Lehrervertreter entscheiden Anfang 2018, ob G9 kommt.

Schule Die Konferenzen der Elmshorner Gymnasien stimmen im Januar darüber ab / Ein Wechsel von G8 zu G9 wäre sehr kompliziert

Studioline2.jpg von
04. November 2017, 16:00 Uhr

Nur noch zwei Monate, dann müssen sich die Schulkonferenzen der beiden Elmshorner Gymnasien für oder gegen die Rückkehr zum Abitur in neun Jahren entscheiden. Die neue Regierung hat sich die Abkehr vom Turbo-Abi in ihren Koalitionsvertrag geschrieben und wird die Änderung wohl noch in diesem Jahr beschließen. Das Abitur in acht Jahren können die Gymnasien nur behalten, wenn es dafür in der jeweiligen Schulkonferenz eine Mehrheit von 75 Prozent gibt.

An der Bismarckschule und an der Elsa-Brändström-Schule (EBS) wird das Thema seit Monaten diskutiert. Sowohl Schulleiter als auch Elternvertreter rechnen damit, dass G9 kommen wird – auch wenn die Entscheidung der Schulkonferenz natürlich noch aussteht. „Die Hürde von 75 Prozent ist sehr hoch und wir können uns nicht gegen den Elternwillen stellen“, sagt Uwe Lorenzen, Schulleiter der EBS.

Die meisten Eltern sind laut Kirstin Münster, Elternvorsitzende der EBS, eher für G9, weil sie sich von dem Schulstoff aus acht Jahren verteilt auf neun Jahre mehr Freizeit für ihre Kinder versprechen. Die Schüler selbst seien relativ entspannt, sie sind mit G8 groß geworden und würden selbst lieber nicht ein Jahr länger zur Schule gehen. Elternvertreterin Münster sieht aber auch den Aufwand, den der Wechsel zu G9 mit sich bringen würde. „Ich wünsche mir, dass endlich wieder Ruhe in die Schulen kommt.“

Ähnlich sieht das EBS-Schulleiter Lorenzen. Er hält die Rückkehr zu G9, wo gerade erst vor einem Jahr der erste G8-Jahrgang Abitur gemacht hat, für „unglücklich“. „Der Wechsel wird viele Arbeitskräfte binden. Da rächt es sich, dass es nie eine vernünftige Diskussion über die Umsetzung von G8 gegeben hat.“ Er persönlich wäre – ebenso wie Peter Rosteck, Schulleiter der Bismarckschule – beim Wechsel vor neun Jahren lieber bei G9 geblieben. „Aber die Politiker haben die Möglichkeit gesehen, mit einem Schuljahr weniger kräftig sparen zu können“, sagt Lorenzen.

Die Rückkehr zu G9: Das wäre mit viel Aufwand verbunden. Schließlich würde eben nicht einfach zum Konzept von vor neun Jahren zurückgekehrt. Für den Wechsel von G9 zu G8 sind die Lehrpläne umgestellt worden, es wurden neue Schulbücher angeschafft und Mensen eingerichtet. Denn die Schulen haben den Nachmittagsunterricht eingeführt, um den Abiturstoff innerhalb von acht Jahren vermitteln zu können. „Wenn jetzt der Unterricht wieder Mittags endet, müssen wir uns die Frage stellen, ob wir eine Nachmittagsbetreuung einrichten müssen, weil immer öfter beide Elternteile in Vollzeit arbeiten“, sagt Rosteck. Kurz gesagt: Wird es weiterhin Ganztagsangebote für Gymnasien geben? Lorenzen hält alles andere für nicht mehr zeitgemäß. Man könne nicht an allen Fronten über die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sprechen und die Ganztagsschule wieder abschaffen.

Und dann ist da noch die Frage, ob Schüler künftig einfach mehr Freizeit bekommen oder ob der selbe Unterrichtsstoff innerhalb von zusätzlichen Stunden intensiviert wird. Rosteck würde die zweite Lösung begrüßen. Und die Lehrer an der EBS sehen laut Lorenzen darin die Chance, zusätzliche, zeitgemäße Themen wie Medienerziehung in den Unterricht integrieren zu können. Doch dafür bräuchten die Gymnasien zusätzliche Lehrkräfte. „Die zu bekommen wird nicht einfach“, sagt Lorenzen. „Schon jetzt ist es unmöglich, Vertretungslehrer zu kriegen.“

Bis es tatsächlich einen zusätzlichen Jahrgang an den Schulen geben würde, vergingen zehn Jahre. Zehn Jahre, in denen die Landesregierung Stellen einsparen könnte, weil jeder einzelne Jahrgang in G9 weniger Stunden hat als in G8. „Ich hoffe, dass die Regierung in dieser Zeit keine Stellen abbaut. Wir müssen die Politik ins Boot holen“, sagt Lorenzen. Rosteck: „G9 kann nur gelingen, wenn die Regierung Geld in die Hand nimmt.“

An den Gemeinschaftsschulen und bei der Stadt als Träger beobachtet man die Entwicklung an den Gymnasien gespannt. Schließlich besteht die Möglichkeit, dass mit einer Rückkehr zu G9 der Ansturm auf die Gymnasien größer wird, weil die längere Schulzeit bis zum Abitur für viele Eltern ein Argument für eine Gemeinschaftsschule ist. Relevant würde das schon bei der Schulwahl im März 2018. Denn ab 2019 sollen sowohl die fünften als auch die sechsten Klassen der Gymnasien das Abitur in neun Jahren machen „Wir sehen das mit Sorge“, sagt Stadtrat Dirk Moritz.

An beiden Gymnasien nutzen inzwischen Schüler-, Lehrer- und Elternvertreter die nächsten beiden Monate, um sich über G9 und dessen Folgen zu informieren. Anfang Januar wird wahrscheinlich an beiden Schulen die Schulkonferenz abstimmen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen