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Elmshorner Nachrichten

17. Oktober 2017 | 10:48 Uhr

Kollmar vermisst seinen Polizisten

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Seit zwei Monaten ist die Station geschlossen / Bürgermeister bedauert Entscheidung: „Es muss jemand für Ordnung sorgen“

shz.de von
erstellt am 28.Dez.2013 | 16:00 Uhr

Das Gebäude steht leer, die Türen sind verschlossen, lediglich die Gardinen in den Fenstern hängen noch. In Kollmar ist die Polizeistation seit zwei Monaten geschlossen: Kein Dorfsheriff mehr vor Ort. Nachdem die Station im Nachbarort Neuendorf schon vor längerer Zeit dichtgemacht wurde, ist dies bereits die zweite Außenstelle in der Umgebung, aus der der letzte Polizist abgezogen wurde.

Im Zuge der Reform des Polizeiwesens vor drei Jahren war ein Konzept vorgestellt worden, das eine „Konzentration im ländlichen Raum“ vorsah. „Das rief das Ärgernis erst hervor“, sagt Kollmars Bürgermeister Dr. Klaus Kruse. Denn das Abziehen der Polizei und ihre Verlagerung in die Schwerpunkte sei in Wirklichkeit eine Ausdünnung im ländlichen Raum. Und die wirke sich nun auch auf Kollmar aus. Angeschlossen war die Außenstelle in Kollmar in den vergangenen Jahren bereits der Station in Glückstadt, denn diese ist für einen größeren Umkreis zuständig. Die Polizei hatte bis November dieses Jahres ein Gebäude am alten Postgebäude angemietet, in dem Herbert Buck aus Kiebitzreihe seinen Dienst getan hat.

Für Bürgermeister Dr. Klaus Kruse war der Polizist vor Ort ein persönlicher Ansprechpartner. Deshalb hat für ihn die Schließung bereits nach zwei Monaten einen faden Beigeschmack. „Wir hatten einen guten Kontakt zu ihm“, sagt er. „Wenn ich sah, dass sein Auto da stand, bin ich vorbeigefahren und wir haben uns ausgetauscht.“ Meist ergab sich der Handlungsbedarf aus der besonderen Lage Kollmars, direkt am Elbdeich mit nur einer einzigen Zufahrt zu den touristisch interessanten Fleckchen. Anmerkungen, Beschwerden und Klagen der Anwohner gab es meist über zu hohe Geschwindigkeiten der Autofahrer in der Schulstraße im Ort, besonders im Sommer.

Eigentlich sei Kollmar in der Woche ruhiges Dorf, so der Bürgermeister, „aber an schönen Tagen ist es überschwemmt von Touristen und Besuchern.“ Die Häfen Kollmar und Bielenberg seien dann teilweise zugeparkt. Motorräder, Autos und Fußgänger schlängelten sich bei gutem Wetter ihren Weg bis zum Deich, zeitweise sei das geradezu chaotisch. Für Kruse ein klarer Fall: „Da muss jemand für Ordnung sorgen.“

Bislang habe sich zwar noch keiner beschwert, aber ihm gehe es um den direkten Draht zu den Bürgern. „Das ist der Vorteil eines Polizisten vor Ort: Er kennt seine Pappenheimer und kann auch außerhalb der Arbeitszeiten tätig werden, wenn es sein muss.“ Zwar habe die Polizei nach seinem Abzug aus dem Dorf versprochen, auch weiterhin zu handeln, wenn es nötig sei. Doch der Ansprechpartner vor Ort fehle einfach.

Eine große Ausnahmesituation gebe es in jedem Jahr: den Vatertag in Kollmar. Da hatte sich die Landjugend zunächst jahrelang an der Gaststätte „Zur Kuhle“ getroffen. Die liegt in Neuendorf etwas versteckt und einsam, und es habe niemanden weiter gestört. Nachdem die Gaststätte aber zugemacht hatte, verlagerte sich die Party in den Hafen. „Nun kam die Polizei mit einem Aufgebot von 20 Mann und hat ihre Basis in der ehemaligen Polizeistation gehabt.“ Und das war auch bitter nötig: Bei einer Messerstecherei hätten sie das Geschehen auf diese Weise in Griff bekommen und konnten dort Personen in Gewahrsam nehmen. „Das war uns eine große Hilfe.“

Das mittlerweile abmontierte Schild „Polizeistation“ gehörte der Gemeinde, der Raum einer privaten Eigentümerin. „Jetzt müsste sich die Polizei etwas anderes überlegen, vielleicht einen eigenen Container aufstellen.“ Welche Auswirkungen das Fehlen des Dorfsheriffs zum Beispiel auf das Verhalten der Autofahrer hat, werde sich erst im nächsten Jahr zeigen. Die Einwohner würden sich jedenfalls über mehr Präsenz der Polizei freuen, so der Bürgermeister. „In Uniform hat jemand viel mehr Autorität als wenn ein Kommunalpolitiker hingeht. Da kriege ich nur blöde Antworten, wenn ich etwas sage.“

Auch die Dorfbewohner bedauern das Fortbleiben des örtlichen Polizisten. „Ich finde es wichtig, dass es eine Präsenz gibt, die vielleicht eine Verhaltensänderung der Besucher von Kollmar bewirkt, oft in positivem Sinne“, findet Gerd Winzek, der in der Nähe des Deiches wohnt. Ein Polizist vor Ort ist für den 59-Jährigen unverzichtbar. „Die Person, die hier ist, kennt das Umfeld, kann bei Bedarf etwas verändern.“

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