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Kult-Imbiss am Hafen : Kollmar: Gemeinde kündigt dem Hafensnack

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Nach 13 Jahren hat die Gemeinde Kollmar ohne Vorwarnung den Nutzungsvertrag mit dem Inhaber der Kult-Imbissbude aufgelöst.

Kollmar | Der Hafensnack ist Kult in Kollmar, doch nun naht das Ende des Imbiss: „Wir sind völlig aus dem Häuschen. Die Kündigung flatterte einfach so ins Haus, ein Dreizeiler ohne Vorwarnung, ohne Begründung.“ Hartmut Köhler und seine Frau Simone sind entsetzt, sprachlos sind sie aber beileibe nicht.

Der Hafensnack ist ein Anziehungspunkt in Kollmar, aber der Gemeinde ein Dorn im Auge. Würde der Imbiss verschwinden, würde am Hafen deutlich weniger Betrieb herrschen.

Bei gutem Wetter zieht die blau-weiß gestrichene Bude des Hafensnack gleich neben dem Hafenbecken Tausende Gäste an. Motorradfahrer und Stammgäste legen eine Kaffee-Pause ein, Familien holen sich ein Eis oder Pommes an den Strand, Ausflügler genießen ihr Fischbrötchen oder ihre Pasta und beobachten dabei die großen Pötte auf der Elbe.

Damit ist es ab Juli vorbei, wenn es nach dem Willen der Gemeinde Kollmar geht. Am 21. März erhielt Hartmut Köhler einen Brief, unterzeichnet von Kollmars Bürgermeister Klaus Kruse: „Hiermit kündige ich fristgerecht zum 30.6.2016 den Nutzungsvertrag über die Aufstellung eines Verkaufscontainers inkl. Vorratswagen am Hafen Kollmar“, heißt es dort kurz und knapp. Noch am selben Tag bat das Ehepaar Köhler um einen Gesprächstermin beim Bürgermeister. „Dort wurde uns nur gesagt, man habe sich das mit unserem Hafensnack anders vorgestellt“, sagt Simone Köhler.

Auf die Frage, was genau die Gemeinde denn stören würde, habe sie auch auf wiederholte Nachfrage keine Antwort bekommen. Die Gemeinde sei zwar bereit, zu reden. Aber Änderungsvorschläge müssten von den Betreibern des Hafensnacks kommen. Auch auf Nachfrage wollte sich Klaus Kruse zu diesem Thema nicht äußern. Die Entscheidung für die Kündigung sei in nichtöffentlicher Sitzung getroffen worden. Er könne deshalb keine Informationen dazu geben.

Hartmut und Simone Köhler lassen die Angelegenheit jetzt von einem Anwalt prüfen. Aufgeben wollen sie jedenfalls nicht. Kein Wunder, schließlich hängt ihr Herz an dem Hafensnack. Er ist ihre Existenz und die ihrer fünf Mitarbeiter. Und dann hat das Ehepaar gerade auch noch kräftig investiert: Am Karfreitag kam ein nagelneuer Küchencontainer, kurz darauf wurden zwei neue, sehr teure Kaffeemaschinen angeschlossen. „Das wurde alles rechtmäßig von der Gemeinde genehmigt“, sagt Köhler. „Der Bürgermeister wusste also davon.“

Überhaupt hat Köhler in den dreizehn Jahren, in denen er den Hafensnack schon führt, viel daran verändert. „Übernommen habe ich von meinem Vorgänger einen etwas verblichenen Container samt Einrichtung, sechs Stehtische und acht Bänke, in blätternder Holzlasur, und eine Blechhütte hinter der Bude.“ Die unmittelbare Fläche sei an der Deichseite mit gebrochenen Betonplattenresten versehen gewesen – ansonsten habe es nur Sand und Unkraut gegeben. Zu essen gab es Tüteneis und Butterkuchen, Fischbrötchen und Würstchen aus dem Wasserbad.

Seitdem hat Köhler neu gepflastert, Schirme, Tische und Stühle, neue Bänke und Windschutzelemente aufgestellt. 2010 legte er eine zweite Starkstromzuleitung, um auch Grillwurst, Pommes und Tellergerichte anbieten zu können. „Zur Erweiterung unseres Küchenangebots sind wir praktisch gezwungen worden. Das Fährhaus und die Gemeinde haben uns 2005 drei Imbissbuden direkt vor die Nase gesetzt.“ Immer wieder seien ihm Steine in den Weg gelegt worden, sagt Köhler. „Die Leute sehen, wie gut es bei uns läuft – das weckt Neid.“

Über die Jahre habe es unzumutbar lange Genehmigungsfristen oder Hinweise ans Gesundheitsamt gegeben, das daraufhin gekommen sei, um die Wasserqualität zu prüfen. „So etwas wird sonst nirgendwo gemacht“, sagt Köhler. Im vergangenen Jahr hat die Gemeinde ihm sogenannte „Kuschelboxen“ als Alternative zu Strandkörben untersagt. Und in diesem Winter hat die Gemeinde zum ersten Mal seit 24 Jahren das Aufstellen von Bänken vor dem Deich verboten. „Der Grund dafür war der Deichschutz“, sagt Hartmut Köhler. „Aber weil die Bänke keine Barriere mehr vor dem Deich bildeten, haben Hafenbesucher mit ihren Autos den Deich vollgeparkt und ihn erst recht beschädigt.“

Er hofft immer noch, „dass die Gemeinde zur Vernunft kommt“. Besonders ärgert er sich über die Vorgehensweise, zumindest ein Gespräch im Vorwege hätte er sich gewünscht. Rückhalt hat das Ehepaar genug. „Unsere Gäste – und davon sind 95 Prozent Stammgäste – empfinden die Kündigung als skandalös“, sagt Köhler. „Sie waren fassungslos und haben angeboten, Unterschriftenaktionen zu starten.“

Die Kühltruhe im Hafensnack ist jedenfalls schon vollgepackt für die neue Saison. Hartmut und Simone Köhler wollen weitermachen, so lange es geht.

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erstellt am 03.Apr.2016 | 12:57 Uhr

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