Kollenda: "Wenn wir uns einschalten, kommt meist Bewegung in die Sache"

Günther Kollenda hilft Mobbing-Opfern, weil er das Leid am eigenen Leib erfahren hat.
Günther Kollenda hilft Mobbing-Opfern, weil er das Leid am eigenen Leib erfahren hat.

shz.de von
22. September 2012, 03:59 Uhr

Kreis Pinneberg | Als Günther Kollenda vor zwölf Jahren die Mobbing-Selbsthilfegruppe Pinneberg gründete, hatte er selbst einen langen Leidensweg hinter sich. Seither betreut er Menschen, die durch Psychoterror am Arbeitsplatz an Leib und Seele erkranken.

Der Tornescher selbst war Abteilungsleiter einer Firma, als es ihn traf. "In 80 Prozent der Fälle wird Mobbing durch neue Vorgesetzte oder neue Strukturen im Betrieb ausgelöst", weiß der 65-Jährige. So war es auch bei ihm. Er bekam einen neuen Vorgesetzten, dessen erklärtes Ziel es war, das Personal "zu verschlanken". Zunächst versicherte der neue Betriebsleiter, Kollenda sei gesetzt, sein Arbeitsplatz nicht in Gefahr. Als er aber von seinem Betriebsleiter die Anweisung erhielt, vor allem die älteren Kollegen durch Schikane aus dem Betrieb zu ekeln, weigerte sich Kollenda. Und von da an traf es ihn selbst. Kollenda erkrankte infolge des Mobbings, wurde schließlich vorzeitig in den Ruhestand entlassen. "Da habe ich gedacht, ich muss anderen helfen, denen so etwas passiert", sagt er. Mittlerweile bekommt der Gründer der Mobbinggruppe zirka 100 Anrufe im Monat von Hilfesuchenden - aus dem Kreis und aus dem Bundesgebiet. Kollenda und ein Team von etwa sechs ehemaligen Betroffenen kennen sich mittlerweile aus mit rechtlichen Hintergründen. "Und wer zu uns kommt, muss keinen Gang mehr allein tun - nicht zum Arbeitgeber, zu der Krankenkasse oder zum Arbeitsgericht", sagt Kollenda, der mittlerweile auf einen enormen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann. Und: "Wenn wir uns einschalten, kommt meist Bewegung in die Sache."

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