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Serie : „Klostersande“ auf großer Fahrt – Tag 3

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Ziel erreicht Lange lag der Getreidefrachter im Elmshorner Hafen – jetzt geht es noch einmal los / Gestern erreichte die Crew Wittenberge

Elmshorn | Die „Klostersande“ hat ihr Ziel erreicht: Pünktlich um 11 Uhr lief Kapitän Günther Holtz mit seinem über die Toppen geflaggten Schiff am Freitag in der Elmshorner Partnerstadt Wittenberge ein. Entgegen den Befürchtungen der Crew bei eitel Sonnenschein – denn am Vorabend und bis in die Nacht hinein schien das alles andere als wahrscheinlich.

Das erste Donnerwetter gab es am Abend von Kapitän Günther Holtz persönlich: Kaum hatte er in Schnackenburg festgemacht – die Maschine war noch nicht einmal aus –, da saß ein Großteil der Crew schon in der nächsten Kneipe. Die befindet sich nämlich direkt an der Hafenmauer. „Das ist doch unglaublich“, polterte Holtz, und lachte dann doch noch. Das zweite Donnerwetter folgte wenig später: Düstere Wolken brachten einen heftigen Gewittersturm, der den Regen übers Deck fegte. Und noch etwas fegte das Unwetter an Bord: Einen alten Schipper, den der zweite Kapitän Klaus Hammer zuletzt vor über 20 Jahren gesehen hatte. Klare Sache, die „Klostersande“ kennt der Schipper bis heute: „So ein Schiff vergisst man nicht, der Form wegen.“ Erstmalig kam er nun an Bord, wo er nach bester Seemannsmanier bis tief in die gewittrige Nacht verköstigt wurde.

„Mit Volldampf laufen wir in Wittenberge ein“, gab Günther Holtz am Freitagmorgen das Kommando aus. Bei bestem Sonnenschein verließ die „Klostersande“ Schnackenburg. „Eine Ausfahrt Hafen Schnackenburg zu Berg“, warnte Holtz per Funk den Schiffsverkehr auf der Elbe. Zu Berg, also die Elbe hinauf, weiter in Richtung der Quelle. „Hier stand der Grenzpfahl“, erinnert sich der Kapitän kurz vor Cumlosen, der ehemaligen Grenzübergangsstelle etwa sechs Kilometer vor Wittenberge. Hier kam der Zoll an Bord. Jedenfalls, wenn man rechtzeitig da war: „Nachts war hier nüscht mehr“, fügt Hammer in breitem Dialekt an, „da musstest du bis zum Morgen warten. Wenn du durch warst, war dat egal, da konntste dann fahren, so lang du willst.“

Schnaps vom Bürgermeister für den Kapitän

Keine zwei Stunden später kommt Wittenberge in Sicht. Kaum ist die erste Elbbrücke passiert, muss alles ganz schnell gehen: „Mast hoch und über die Toppen flaggen“, befiehlt Holtz. Er drosselt die Fahrt deutlich, die Crew – kaum Seeleute unter ihnen – arbeitet nicht ganz so schnell, wie der Kapitän es wünscht. Aber es klappt. Dann erreicht das Schiff die Partnerstadt. Holtz manövriert sein 55 Meter langes Schiff geschickt an die Spundwand. „Da macht mir keiner was vor“, sagt er stolz. Kaum festgemacht, da überreicht Bürgermeister Dr. Oliver Herrmann schon eine Flasche Wittenberger Schnaps an den Kapitän, „für den Magen“, sagt er. Es ist 11.05 Uhr. Punktlandung.

Zahlreiche Wittenberger hatten das Manöver beobachtet. Unter ihnen der stellvertretende Bürgervorsteher Bernd Gerhardt, der die Städtepartnerschaft seit 27 Jahren begleitet. Liegeplatz, Strom- und Wasseranschluss, den Empfang: Rund um den Besuch der „Klostersande“ kümmerte er sich um alle Belange. Der Besuch der alten Dame, ermöglicht mit Hilfe der Bürger aus Elmshorn und Wittenberge – ein starkes Zeichen für eine starke Städtepartnerschaft. Und Günther Holtz? Der nimmt den Besuch in Wittenberge gelassen: „Das Gefühl ist dasselbe, wie früher.“ 49 Jahre und zwei Tage nach ihrem Stapellauf haben es Günther Holtz und die alte Dame noch einmal bewiesen. Ihnen macht auf der Strecke Elmshorn-Wittenberge so schnell keiner was vor.

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