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Serie : „Klostersande“ auf großer Fahrt – Tag 2

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Der alte Elmshorner Getreidefrachter ist auf Fahrt in die Partnerstadt Wittenberge.

Elmshorn | Lange lag der alte Getreidefrachter „Klostersande“ im Elmshorner Hafen. Jetzt geht er noch einmal auf große Fahrt. Das Ziel ist Elmshorns Partnerstadt Wittenberge.

Die Maschine stampft, ein Scheppern geht durch das ganze Schiff, alles bewegt sich, alles rattert: Die „Klostersande“ fährt – man möchte fast sagen: tuckert – mit knappen zwölf Stundenkilometern gemächlich die Elbe hinauf in Richtung der Elmshorner Partnerstadt Wittenberge. Für Kapitän Günther Holtz war die erste Nacht an Bord eine Wohltat: „Nach 17 Jahren habe ich endlich mal wieder in meinem Bett geschlafen. Sehr warm, aber gut.“ Denn die Maschine stampft nicht nur – sie heizt die Kajüten zusätzlich zur stechenden Sonne tüchtig auf. Sechs Crewmitglieder schlafen im ehemaligen Frachtraum auf Feldbetten des Technischen Hilfswerks. Dort ist es kühler, aber weich gebettet ist keiner.

Acht bis neun Stunden wird die Fahrt von Lauenburg nach Schnackenburg an diesem Tag dauern. „Wir müssen langsam fahren. Die Elbe ist nicht sehr tief“, erklärt Crew-Mitglied Hans Barzel. Die bemerkenswerte Landschaft mit weiten Feldern und zumeist historischen Städtchen und Dörfern zieht gemächlich vorbei, immer wieder mal kreuzt eine kleine Fähre die Elbe, springen badefreudige Niedersachsen an diesem sonnigen Maitag in die Elbe, stehen Angler am Ufer.

In diesem ruhigen Fahrwasser nimmt sich Holtz die Zeit, von Wittenberge zu erzählen. Er kramt seinen alten Reisepass hervor, in dem sich DDR-Stempel an DDR-Stempel reiht. Hinter den bunten Farben verbirgt sich Ernst: „Die haben das Schiff gründlich durchsucht“, erinnert er sich. Selbst die Zuckerdosen wurden durchwühlt. Nur in Wittenberge durften er und sein Matrose von Bord gehen, und dann auch nur bis 22 Uhr. Mit der Wende endeten auch die Fahrten nach Wittenberge. „In den 1990ern war ich noch einmal mit dem Zug hingefahren. Aber die Stadt sah damals schrecklich kaputt aus“, erinnert sich Holtz. Dass Wittenberge und sein Hafen heute runderneuert sind, historische Gebäude längst mit hohem Aufwand saniert und Wittenberge eine attraktive Stadt mit herausragender Lage mitten im UNESCO-Biosphärenreservat an der Elbe ist – all das weiß er allenfalls vom Hörensagen. All das wird der Kapitän der „Klostersande“ erst am heutigen Freitag sehen, wenn die „alte Dame“ um 11 Uhr im Hafen einläuft. Zuvor macht das Schiff in Schnackenburg Station.

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