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Modelleisenbahnclub Horst/Elmshorn : Kleine Welt mit Liebe zum Detail

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Austellung im Vereinsheim Op de Host lockte zahlreiche Fans an.

shz.de von
erstellt am 10.Feb.2016 | 16:00 Uhr

Elmshorn | „Da kommt der ICE!“ Der dreijährige Lenny Hartmann aus Elmshorn bewundert, wie der lange Zug vor ihm entlang rollt. An der Hand hat er seinen Großvater Rüdiger Hartmann: „Ich habe früher eine Modellbahn gehabt, nun ist der Platz nicht mehr da.“ Die Leidenschaft für die kleinen Züge hat in der Familie eine Generation übersprungen, aber sein Enkel scheint schon infiziert.
In Horst fanden die beiden reichlich Anschauungsmaterial, um die Begeisterung weiter anzuheizen: Der Modelleisenbahnclub Horst/Elmshorn, kurz: MECHE, hatte zur Ausstellung ins Vereinshaus Op de Host eingeladen. Von der Resonanz zeigte sich der Vorsitzende Rainer Boll angenehm überrascht: Rund 500 Besucher kamen, um die beiden aufgebauten Anlagen zu bewundern; und natürlich zum Fachsimpeln, viele Stammbesucher sind selbst Modellbahner und gucken, was andere so basteln.

Aber die 13 Aktiven von MECHE wenden sich auch ans Laienpublikum: „Für Kinder und für Frauen haben wir viel fürs Auge“, erklärte Boll und wies auf die Miniaturszenen hin, die Jo Mangold liebevoll inszeniert hatte. Da war ein altertümlicher Trecker mit einem Gemüsekarren kollidiert, ein Miniaturmännchen ließ sein Modellflugzeug kreisen, alles im H0-Maßstab 1:87. Da bestehen die Kohlköpfe im Güterwaggon aus Pfefferkörnern.

Der große Stolz der Modellbahner war im hinteren Raum aufgebaut: ein maßstabsgetreues, detailreiches Modell des Hamburger Bahnhofs Dammtor. Das hatte ein Architekturbüro für einen Wettbewerb hergestellt; hinterher rettete es ein Modellbahner vor der Verschrottung, einige Jahre später erweckte MECHE-Mitglied Reinhard Pflug es aus einer Abstellkammer zu neuem Leben. „Das gibt es kein zweites Mal“, schwärmte Rainer Boll.

Am Wochenende war das Modell mit der charakteristischen filigranen Trägerkonstruktion Mittelpunkt der analogen Anlage mit insgesamt 68 Metern Gleislänge. In einem anderen Raum war eine digitale Anlage mit 23 Metern Gleisen aufgebaut. Die großen Anlagen bestehen aus Modulen, an denen jeder Modellbahner selbst oder beim Clubtreffen arbeitet; fest stehen eigentlich nur die Übergangspunkte, an denen die Gleise zum nächsten Modul passen müssen. Dazwischen frönt jeder seiner eigenen Vorliebe: Rainer Boll lässt die Züge über eine Kanalbrücke fahren, unten im Wasser fahren ein Rettungskreuzer und ein Fischkutter. Ein anderer hat ein hochmodernes Smart-Zentrum gebaut.

Damit die Szenen halbwegs zusammenpassen, unterteilen Modellbahner die Eisenbahnhistorie in Epochen. Bei MECHE sind die Epochen III, IV und V vertreten, das umfasst grob die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Wenn jemand mit einer 1920-er-Jahre-Lok fahren will, stört das nicht, erklärte Boll; aber norddeutsch soll es schon sein, ein Alpenpanorama ist nicht erwünscht. „Lokaler Bezug kommt sehr gut an“, hat Boll beobachtet. Den wollen die Modellbahner ausbauen, sie verfolgen diverse Projekte, um Elmshorner Szenen nachzubilden. Die Ziegelei und das Südufer des Hafens gibt es schon, ein Fußgängertunnel mit Bach im Verlauf der Hafenstraße und die ehemalige Schranke am Eiskeller sollen folgen. Dabei setzen die Bastler auf Detailtreue, sie haben sich Unterlagen aus dem Bauamt besorgt. Die Sorgfalt kostet Zeit: „Für den Hafen haben wir mehrere Jahre gebraucht“, erzählte Boll. Die Belohnung für die Mühe geben die Kommentare der Besucher; der Vorsitzende berichtete von einer Dame, die sich erinnerte: „Die Treppen musste ich immer hoch, wenn ich Zeitungen ausgetragen habe.“

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