Prävention : Kirche will Kinder vor Gewalt schützen

Christiane Zimmermann, stellvertretende Pröpstin des Kirchenkreises Rantzau-Münsterdorf,  und Kirchenkreis-Jugendwart Sven Vierenklee, wollen sichere Strukturen für Kinder schaffen.  Foto: Amsberg
Christiane Zimmermann, stellvertretende Pröpstin des Kirchenkreises Rantzau-Münsterdorf, und Kirchenkreis-Jugendwart Sven Vierenklee, wollen sichere Strukturen für Kinder schaffen. Foto: Amsberg

Präventionskonzept vorgestellt. Mitarbeiter werden in Schulungen sensibilisiert .

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26. März 2013, 08:39 Uhr

Elmshorn | Missbrauch und sexualisierte Gewalt kann es immer und überall geben. Das hat auch die evangelische Kirche nach dem Bekanntwerden der Vorfälle in Ahrensburg erfahren. Doch mit Wachsamkeit und Sensibilität lassen sich viele Übergriffe verhindern. Davon sind die Verantwortlichen des Kirchenkreises Rantzau-Münsterdorf überzeugt. Deshalb hat der Kirchenkreis mit dem Kirchenkreisjugendwart Sven Vierenklee nun einen Beauftragten für die Prävention sexualisierter Gewalt. Und der hat ein Präventionskonzept ausgearbeitet, mit dem im Kirchenkreis bereits gearbeitet wird.

"Wir wollen Strukturen schaffen, damit Kinder sicher sind", sagte Natalie Lux, Sprecherin des Kirchenkreises. Gerade in der Kirche arbeiteten viele Menschen ehren- und hauptamtlich mit Kindern. Und an diese Menschen wendet sich die Kirche seit einiger Zeit. Die Mitarbeiter werden geschult. Innerhalb eines Jahres wurden sechs Veranstaltungen organisiert, an denen rund 200 Menschen teilgenommen haben. Konkrete Verdachtsfälle habe es im Kirchenkreis nicht gegeben, so Vierenklee.

Seit einem Jahr wurden in sechs Veranstaltungen 200 Menschen von Vierenklee und anderen geschult. Auch der Wendepunkt ist mit von der Partie. "Ohne Fachverband kommt man nicht aus", sagte Vierenklee. In den Schulungen geht es darum, die Teilnehmer für das Thema sexualisierte Gewalt zu sensibilisieren.

So werden unter anderem fiktive Fälle beschrieben und anschließend darüber diskutiert. "Was können wir tun, damit das nicht passiert, ist eine Frage, über die geredet wird", sagt Vierenklee.

Auf der anderen Seite lernen die Schulungsteilnehmer wie zu verhindern ist, dass es zu grenzwertigen Situationen kommt. "Wir wissen, dass Täter in der Regel Öffentlichkeit vermeiden wollen", so der Präventionsbeauftragte.

Zudem wurde den Schulungsteilnehmer ein Leitfaden an die Hand gegeben, in dem steht, was zu tun ist, wenn man den Verdacht hat, dass ein Kind oder ein Jugendlicher sexuell missbraucht wird. Unter anderem, so steht es in dem Leitfaden, soll in Ruhe weiterbeobachtet und Hilfe bei einem hauptamtlichen Mitarbeiter der Kirche geholt werden. Letztlich sollen Diakonie oder Wendepunkt mit ins Boot geholt werden, um die Situation mit zu beurteilen.

"Das ist ein komplett brisantes Thema. Es ist furchtbar, wenn etwas passiert. Es ist aber auch furchtbar, wenn jemand zu Unrecht verdächtigt wird. Wir wollen mögliche Opfer schützen, aber auch keine Menschen zu Tätern machen, die gar keine sind", sagte die stellvertretende Pröpstin Christiane Zimmermann. Mögliche Opfer müssten aber wissen: Es gibt Ansprechpartner.

Bislang, so Zimmermann und Vierenklee, seien die Schulungen sehr positiv aufgenommen worden, weitere seien geplant. In künftigen Schulungen soll es auch Module geben, um Kinder stark zu machen. "Wir müssen Kindern klarmachen, dass sie Grenzen haben, dass sie nein sagen können", so Vierenklee. Man könne sich mit dem Thema sexueller Missbrauch und sexualisierte Gewalt gar nicht oft genug auseinandersetzen.

"Wir müssen lernen, aufmerksam zu sein, mit geschultem Blick zu reagieren, Hilferufe zu verstehen und besser vorbereitet zu sein, falls es zu Übergriffen kommt", sagte die stellvertretende Pröpstin.

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