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Werben für mehr Toleranz : Kirche und islamische Gemeinde zeigen Zusammenhalt

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Propst: Elmshorner Muslime bei Integration von Flüchtlingen unterstützen.

shz.de von
erstellt am 28.Jan.2016 | 16:30 Uhr

Elmshorn | Thomas Bergemann und Ali Evcil wollen ein Zeichen setzen. Der Propst des evangelischen Kirchenkreises Rantzau-Münsterdorf und der Vorsitzende der türkisch-islamischen Gemeinde Elmshorn werben gemeinsam für Toleranz. „Seit der Übergriffe an Silvester in Köln und Hamburg nehmen wir immer mehr Stimmen wahr, die pauschal den Islam mit sexueller Gewalt und Terrorismus in Verbindung bringen“, sagt Bergemann. Er sei bestürzt darüber, dass nicht nur an den Stammtischen, sondern selbst in den eigenen Reihen Menschen vor Vorverurteilungen nicht gefeit seien. „Da wird pauschal ein Dualismus aufgemacht: Das Christentum stellen diese Menschen als Religion der Liebe dar und den Islam als Religion der Gewalt“, sagt der Propst.

Ganz konkret bezieht sich Bergemann auf ein Interview, das der Itzehoer Pastor Dietmar Gördel dieser Zeitung gegeben hat (Ausgabe vom 19. Januar). Darin bezeichnet Gördel den Islam als eine Religion, „die Gewalt in sich birgt“. Auch das Alte Testament der Bibel sei nicht frei von Gewalt, aber letztlich würden Friede und Liebe überwiegen. Das sei im Koran genau umgekehrt. In der islamischen Welt, so Gördel weiter, gehörten Gewalt und die Geringschätzung der Frau dazu.

Von diesen Aussagen möchte sich Thomas Bergemann klar distanzieren. „Einige unserer Pastoren brauchen Nachhilfe zum Thema, was genau im Koran steht und wer sich mit welchem Recht auf welche Sure beziehen kann.“ Anstatt Gegensätze aufzubauen, möchte Bergemann zusammen mit Ali Evcil von der türkisch-islamischen Gemeinde die Gemeinsamkeiten betonen. Bereits seit Langem arbeiten beide Gemeinden gut zusammen, es gibt viele gemeinsame Aktionen wie Fußballspiele, Feste, Jugendarbeit oder soziale Projekte. Die türkisch-islamische Gemeinde gibt es bereits seit 30 Jahren in Elmshorn. Viele ihrer Mitglieder wurden in Deutschland geboren. „Wir sehen Elmshorn als unsere Heimat an. Wir sprechen deutsch und unsere Kinder sprechen deutsch“, sagt Hidayet Evcil als Sprecher der türkisch-islamischen Gemeinde und ehrenamtlicher Mitarbeiter der Diakonie. „Christen und Muslime gehen in Elmshorn mit den gleichen Sorgen ins Bett.“

Kontakte zwischen den Gemeinden stärken

Er macht deutlich, dass die patriarchisch geprägten Systeme, wie es sie in vielen arabischen Ländern gibt, nichts mit dem Islam, sondern viel mehr mit Kultur und politischen Modellen zu tun hätten. „In Köln sind auch muslimische Frauen verfolgt worden.“ Die Gemeindemitglieder der türkisch-islamischen Gemeinde, so Evcil, litten stark unter den Ressentiments, die ihrer Religion in Elmshorn entgegengebracht würden. „Wir werden alle in einen Topf geworfen mit Terroristen und Vergewaltigern. In Elmshorn haben sich sogar schon Bürgerwehren gebildet.“ Dabei, so Hidayet Evcil, sei diese patriarchalisch geprägte Form des Islam auch den Mitgliedern der türkisch-islamischen Gemeinde fremd. „Die Flüchtlinge sind auch für uns Ausländer, Menschen aus einem fremden Kulturkreis, deren Sprache wir nicht sprechen.“ Man lehne diese Menschen nicht ab, „aber sie kommen traumatisiert aus dem Krieg – und Krieg kenne ich nur von meiner Playstation“, sagt Hidayet Evcil. Es habe jahrelang gedauert, bis sich die Mitglieder der türkisch-islamischen Gemeinde in Deutschland integriert hätten, sagt sein Bruder Ali Evcil. Wolle man die Integration der Flüchtlinge beschleunigen, könnten die Elmshorner Muslime aber einen großen Beitrag leisten. Denn Ali Evcil bringen die muslimischen Flüchtlinge als Vorsitzendem der islamischen Gemeinde großen Respekt entgegen. „Wir können als Bindeglied zur deutschen Kultur dienen. Dafür brauchen wir aber Geld für Dolmetscher und Sozialarbeiter. Der Staat lässt uns mit diesen Aufgaben alleine.“

Sowohl Thomas Bergemann als auch Ali Evcil wollen die Kontakte zwischen ihren Gemeinden stärken, um gemeinsam radikalen Strömungen auf beiden Seiten entgegenwirken zu können. „Die muslimische Gemeinde ist eine Chance für die Integration von Flüchtlingen“, sagt Bergemann. „Und der Staat ist kurz davor, diese Chance zu verpassen.“ Oder wie es Thorsten Sielk von der Diakonie etwas zugespitzt zusammenfasst: „Die Rettung des Abendlandes kann nur gemeinsam gelingen.“

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