Elmshorn : Kinderbetreuung vor dem Aus

Elke-Maria Lutz im Untergeschoss des Gemeindehauses. Hier werden an Sonnabenden bis zu 23 Kinder kostenlos betreut.
Elke-Maria Lutz im Untergeschoss des Gemeindehauses. Hier werden an Sonnabenden bis zu 23 Kinder kostenlos betreut.

Kündigung des Kooperationsvertrages mit St. Nikolai. Kinderschutzbund sucht Räume für kostenlose Sonnabendbetreuung von Kindern.

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11. Dezember 2014, 10:00 Uhr

Elmshorn | Elke-Maria Lutz, Vorsitzende des Kinderschutzbundes, ist gefrustet. Grund: Die ungewisse Zukunft der Kinderbetreuung in der Innenstadt. Bislang konnten Kinder an Sonnabenden kostenlos von 10 bis 15 Uhr durch Erzieherinnen des Kinderschutzbundes betreut werden, während sich die Eltern mit den Wochenendeinkäufen beschäftigten. In den großen Untergeschossräumen des Gemeindehauses von St. Nikolai in der Kirchenstraße gab es viel Platz, jede Menge Spiele und kindgerechte, bunte Möbel für die Kleinen. „Doch nun scheint der Abriss des Gebäudes konkret anzustehen“, so die ehemalige Jugendrichterin. „Die Kirchengemeinde hat unseren seit November 2008 immer halbjährlich erneuerten Kooperationsvertrag nicht verlängert. Am 31. Dezember ist hier Schluss.“

Und dann? Immerhin ist die Kinderbetreuung einzigartig in Schleswig-Holstein und mit Sicherheit von hoher Attraktivität für Familien, die ihre Einkäufe in der Innenstadt tätigen und ihr Geld dort ausgeben. „Wir können leider keine alternativen Raumangebote machen“, bedauert Pastorin Antje Eddelbüttel, denn St. Nikolai sei selbst räumlich durch den Abriss betroffen.

Das Management der Marktpassage hat abgewinkt und auch vom Stadtmarketing ist wohl keine Hilfe zu erwarten. Die hatte sich im vorigen Jahr aus der Finanzierung der Kinderbetreuung verabschiedet. „Das hatte aber auch nie so wirklich geklappt“, meint Elke-Maria Lutz. Zwar sei die Idee gewesen, dass Geschäftsleute aus der Innenstadt sich an der Finanzierung der Kinderbetreuung beteiligen sollten, doch „nur wenige haben gezahlt“. Auch die Stadt wies Bitten um Bezuschussung ab, weil sie ja bereits das Stadtmarketing unterstütze und somit ihren Teil zur Kinderbetreuung beitrage. „Dabei macht Elmshorn doch Reklame und möchte sich als familienfreundliche Stadt präsentieren“, ärgert sich Lutz. „Jetzt haben wir noch zwei Banken, die Stadtwerke und vier Innenstadt-Geschäfte die uns finanzieren – und bis Jahresende die Kooperation mit der Kirchengemeinde.“

Für Elke-Maria Lutz steht weiter „Klinkenputzen“ an. Bislang sind ihre Anfragen bei Wohnungsunternehmen und anderen Raumanbietern ergebnislos verlaufen – obwohl Verhandlungen laufen und Übergangsmodelle diskutiert werden. „Es ist ja auch blöde, eine Wohnung anzumieten und sie nur fünf Stunden am Sonnabend zu nutzen – und dann soll sie noch innenstadtnah sein und Platz für zirka 23 Kinder bieten“, meint Lutz. Heute wird sie ein Gespräch mit Stadtrat Moritz über die brisante Raumsituation der kostenlosen Kinderbetreuung führen. Doch ob es außer moralischer Unterstützung Hilfe geben kann? Die Vorsitzende des Kinderschutzbundes fühlt sich im Dschungel der Zuständigkeiten hin- und herverwiesen.

Auf Kirchenseite wurde sie lange hingehalten, bevor der Kooperationsvertrag nicht verlängert wurde. „Die wissen ja auch nicht, wie und wann es mit dem Kirchlichen Zentrum weitergehen wird“, so Lutz. Zwar erlaube St. Nikolai die Betreuung weiter bis das Gebäude (wahrscheinlich im Februar) abgerissen wird, doch was ist, wenn die Heizung abgestellt wird? Werden die Kindermöbel mit entsorgt? Unklarheiten und Fragen auf allen Seiten. Ihren Erzieherinnen hat Lutz mittlerweile gekündigt. Sie sind langjährige Mitarbeiterinnen und hätten eigentlich längere Kündigungsfristen. „Es ist mir sehr unangenehm, eigene Vertragsabsprachen nicht einzuhalten“, meint sie, doch der Kinderschutzbund befinde sich mit der Kinderbetreuung in einer unerfreulichen Schwebesituation.

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