Katholische Christen in evangelischer Kirche?

Pastor Burkhard Friedrich
Pastor Burkhard Friedrich

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05. Februar 2011, 06:20 Uhr

"Katholische Gottesdienste in eurer evangelischen Kirche... wie geht denn das?" so werde ich in diesen Tagen immer wieder gefragt. Erste Antwort: Das geht..., und zwar einfach darum, weil in unserer Ansgarkirche der Gottesdienst bereits um 9.30 Uhr stattfindet und wir darum die Kirche für 11 Uhr problemlos der römisch-katholischen Gemeinde zur Verfügung stellen konnten.

Da war es für uns eine Selbstverständlichkeit, den Freunden aus der Nachbargemeinde zu helfen, damit sie an die Sanierung und Renovierung ihrer Kirche in Ruhe und ohne allzu großen Druck herangehen konnten. Für die Thomasgemeinde und deren Bereitschaft, ihre Kirche für die Vorabendmesse zur Verfügung zu stellen, gilt wahrscheinlich ganz ähnliches.

Aber es gibt eine zweite Antwort, die ist eigentlich viel wichtiger: Vieles haben wir ja in den vergangenen Jahren schon an ökumenischen Aktivitäten erlebt: Der Weltgebetstag im März führt Jahr für Jahr insbesondere die Frauen aus den verschiedenen Konfessionen zusammen, gemeinsame Andachten zu besonderen Themen und außergewöhnlichen Anlässen gab es in den vergangenen Jahren immer wieder, beim Kreuzweg am Karfreitag beteiligen sich seit Jahren evangelische und katholische Christen.

Es ist also eigentlich gar nichts Neues, dass die Kirchengemeinden auch über die Grenze der Konfessionen gut zusammenarbeiten. Nun haben wir die Chance, einander noch besser und intensiver kennenzulernen, denn in dieser Zeit der ökumenischen Gastfreundschaft werden wir uns ja nicht nur zu ausgewählten Terminen treffen, sondern mit schöner Regelmäßigkeit.

Manchmal kommen katholische Mitchristen ein bisschen zu früh und entdecken, wie der Gottesdienst der Protestanten in der Ansgarkirche abläuft, einige vielleicht zum ersten Mal. Manche evangelische Gottesdienstbesucher bleiben nach dem evangelischen Gottesdienst noch in der Kirche und sind neugierig zu erfahren, wie denn so eine katholische Heilige Messe abläuft. Es ist schön zu erleben, dass die Kirchen sich in den Jahrhunderten seit der Reformation nicht so weit auseinander entwickelt haben, wie manche bisher meinten.

Wir erkennen Ähnlichkeiten, aber auch interessante Unterschiede, darüber zu reden mach Sinn. Diese Berührungspunkte und zufällige Begegnungen öffnen das Verständnis füreinander und lassen überkommene Vorurteile verschwinden.

Ein Klima des Miteinanders macht sich breit und es gibt eine großartige Freundlichkeit bei allen Beteiligten. Es entwickelt sich die Hoffnung, dass diese Freundlichkeit und Gemeinsamkeit zwischen den Konfessionen über die Bauzeit in der katholischen Kirche an der Feldstraße hinausreichen wird. Und wenn dann Leute fragen, ob katholische Gottesdienste in einer evangelischen Kirche möglich seien, dann wird die Antwort vielleicht lauten: "Das geht nicht nur gut, sondern das geht außerordentlich gut!"

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