Katholiken verlassen Barmstedt

Das katholische Gotteshaus an der Königsstraße hat keine Zukunft mehr.
Das katholische Gotteshaus an der Königsstraße hat keine Zukunft mehr.

Im Oktober wird die "Heilige Familie"-Kirche in Barmstedt geschlossen / Kosten zu hoch / Gottesdienste nur noch in Elmshorn

shz.de von
25. März 2011, 03:59 Uhr

Barmstedt | Das Ende der katholischen "Heiligen Familie"-Kirche in Barmstedt kommt im umständlichen Kirchenrechtsdeutsch daher. Erzbischof Werner Thissen vom Erzbistum Hamburg habe die "Profanierung der Filialkirche verfügt", heißt es in einer Mitteilung des für Barmstedt zuständigen Pfarrers Stefan Langer aus Elmshorn. Damit wird die Entweihung eines kirchlichen Gebäudes bezeichnet. Das 1953 erbaute Gotteshaus, das seit 2004 zur St.-Mariae-Himmelfahrtsgemeinde in Elmshorn gehört, wird damit nach dem letzten Gottesdienst am 1. Oktober kein heiliger Ort mehr sein und seine Türen schließen. Die Gründe für die Schließung der Kirche sind sehr weltlich. "Wirtschaftliche Gründe haben zu der Entscheidung geführt", sagte Langer im Gespräch mit unserer Zeitung. Die finanzielle Lage der Gemeinde sei angespannt. Der Barmstedter Standort koste jährlich etwa 20 000 Euro. "Dies Geld fehlt dann an anderer Stelle", so der Pfarrer. Hinzu käme die geringe Resonanz der etwa 500 Katholiken in Barmstedt bei den zwei Gottesdiensten in der Woche. Donnerstags seien es "zwischen null und zehn Personen", sonntags rund dreißig, berichtete der Geistliche. Der Entschluss sei "sehr schmerzlich". "Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht", so Langer. In den vergangenen Jahren habe man verschiedene Versuche unternommen, die Situation anderweitig zu lösen. Auch der Erzbischof habe mit sich gerungen. Martin Innemann, Sprecher des Erzbistum Hamburgs, unterstreicht Langers Einschätzung: "Wir sehen keine Perspektive für den Bestand der Filialkirche." Die Gemeinde solle daher ab Oktober in Elmshorn gebündelt werden. Gottesdienste werden dann nur noch in der Elmshorner St.-Mariean-Himmelfahrts-Kirche stattfinden, die derzeit wegen Renovierung geschlossen ist.

Barmstedts Bürgermeister Nils Hammermann bedauerte die Entscheidung sehr: "Durch das Angebot der katholischen Kirche wird das kirchliche Leben für viele Menschen handfest erlebbar. Die Schließung bedeutet einen Verlust für das gemeindliche und gesellschaftliche Leben in Barmstedt." Ab Oktober steht die Kirche der profanen, weltlichen Nutzung offen. Entsprechend sucht die Gemeinde nun nach einem Käufer für das Grundstück. Langer hofft, dass zumindest das Gebäude vor der Kirche weiterhin genutzt kann.

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