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Leidenschaft für die Vergangenheit : Katharina Steinebach ist die neue Volontärin im Industriemuseum

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die neue Volontärin interessiert sich vor allem für die Geschichte des Alltags.

Elmshorn | Das Lieblingsobjekt von Katharina Steinebach im Industriemuseum ist eine Maschine, die heute eigentlich niemand mehr braucht: „Mit einer Repassiermaschine hat man früher Strumpfhosen repariert“, erklärt die 29-Jährige. „Jetzt kauft sich bei einer Laufmasche jeder sofort eine neue Strumpfhose. Das finde ich schade.“

Alltagsgeschichte ist eine Leidenschaft von Katharina Steinebach. Die junge Frau ist die neue Volontärin im Industriemuseum und lernt dort zwei Jahre lang alle Arbeitsbereiche kennen. Zu ihren Aufgaben gehören die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, aber auch der unmittelbar bevorstehende Umbau des dritten Obergeschosses. „Wir müssen alles ausräumen und Gegenstände, die noch nicht inventarisiert sind, fotografieren, vermessen und mit einer Beschreibung versehen“, erklärt Steinebach. Gleichzeitig sucht sie gemeinsam mit Museumsleiterin Bärbel Böhnke neue Objekte für die Ausstellung aus dem Magazin heraus. Nur etwa 9000 von 32.500 Objekten im Besitz des Museums sind auch tatsächlich in der Ausstellung zu sehen. „Wir planen zum Beispiel eine Vitrine zum Thema Schule“, erklärt Steinebach. „Dafür haben wir einen Ranzen, eine Fibel, Griffel und Tafel herausgesucht. Und was noch keine Inventarnummer hat, wird eingepflegt.“ Da ist es gut, dass Steinebach Sütterlin lesen und Plattdeutsch verstehen kann. „Sonst hätte ich es neulich schwer gehabt, als ich ein Poesiealbum inventarisieren sollte.“ Idealerweise können die Museumsmitarbeiter künftig schon anhand der katalogisierten Daten feststellen, welches Objekt sich für eine Ausstellung eignet und welche Größe die Vitrine haben muss.

Katharina Steinebach stammt ursprünglich aus Buchholz in Niedersachsen. Die vergangenen Jahre hat sie aber in Hamburg Geschichte und Kulturanthropologie studiert – und nebenbei immer wieder in Museen gearbeitet oder Praktika absolviert. „Dort habe ich vor allem viel Museumspädagogik gemacht. Das waren sehr große Museen, wie das Museum für Völkerkunde in Hamburg, in denen jeder nur für einen ganz bestimmten Bereich zuständig ist. Umso besser, dass ich hier alles kennenlernen kann“, sagt Steinebach. Das Elmshorner Industriemuseum kannte sie vor ihrem Volontariat noch nicht. „Aber als ich die Ausschreibung gesehen habe, hat mich diese Aufgabe sofort gereizt.“

Denn: Die Themen, mit denen sich Steinebach im Studium beschäftigt hat, nämlich die Geschichte der Arbeiter, des Wohnungsbaus und des Alltags in der Zeit von der Industrialisierung bis heute, finden sich auch im Sammlungsschwerpunkt des Industriemuseums wieder. Ein Thema, mit dem sich Steinebach auch privat zur Zeit sehr viel beschäftigt, ist die Nachhaltigkeit. „Viele Dinge konnte man früher nicht einfach kaufen – oder sie waren viel zu teuer. Deshalb sind die Menschen damals sehr viel sorgsamer mit den Dingen umgegangen.“ Als Beispiel nennt Steinebach Lebensmittel, die heute oft unachtsam weggeworfen werden – oder eben besagte Strumpfhosen. „Im Museum werden diese Zusammenhänge den Menschen bewusst gemacht. Aber ohne erhobenen Zeigefinder“, betont Steinebach, „sondern einfach mit der Botschaft: So geht es auch anders.“

Nach dem Volontariat würde Katharina Steinebach am liebsten als Historikerin weiterarbeiten. Eine Festanstellung bei einem Museum zu bekommen, sei so gut wie unmöglich, sagt sie. „Deshalb möchte ich freiberuflich arbeiten und Chroniken, Kataloge oder Ausstellungen entwickeln.“ Ohnehin liebt sie die Abwechslung. „Für immer in einem Büro zu arbeiten, wäre nichts für mich“, sagt sie. „Ich habe gern immer viel um die Ohren und freue mich auf neue Herausforderungen.“ In den kommenden zwei Jahren wird diese Herausforderung das Industriemuseum sein.

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erstellt am 24.Jul.2017 | 16:09 Uhr

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