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Potrait einer Tierschützerin : Katharina Erdmann kümmert sich um in Not geratene Tiere

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Katharina Erdmann kümmert sich in der Wildtierstation um in Not geratene Tiere – ihr Engagement geht aber noch weiter.

shz.de von
erstellt am 27.Jun.2016 | 16:01 Uhr

Sparrieshoop | Wo sich Mensch und Tier den Lebensraum teilen, kann es manchmal zu Problemen kommen. Nicht so in der Wildtierstation in Klein Offenseth-Sparrieshoop. Da gehen Mensch und Tier sogar ziemlich höflich miteinander um. „Hey Pfau, du musst da jetzt bitte mal weg“, sagt Katharina Erdmann. Das Tier hat es sich auf dem Balkon gemütlich gemacht, doch der Ort wird jetzt von den Menschen gebraucht. Der Vogel gehorcht aufs Wort, setzt sich vom Balkonboden auf die Brüstung und lässt sich nach einigen Momenten unter lautem Federgeraschel auf den Erdboden gleiten. „Dankeschön“, sagt Erdmann.

Zusammen mit ihren Ehemann leitet Erdmann die Station. 2010 haben sie mit dem Aufbau begonnen. Seit vergangenem Monat hat Katharina Erdmann zusätzlich das Amt der ersten Vorsitzenden im Landestierschutzverein Schleswig-Holstein übernommen. Eigentlich arbeitet sie als Graphikdesignerin. Ein kreativer Beruf, „den kann man aber nicht draußen machen. Meine Arbeit in der Station ist da ein guter Ausgleich.“ Zur Zeit sei sie aber vor allem Mutter von zwei Töchtern. Zwillinge, die gerade ihren ersten Besen bekommen haben und beim Wasser holen, Tiere füttern und Hof kehren fleißig mitmachen.

„Ich wohne auf der Station, darum bin ich eigentlich immer hier“, sagt Erdmann und erzählt, dass sie mehrere Stunden am Tag mit der Arbeit für die Tiere beschäftigt sei. „Es ist ein Vollzeitjob. Es ist sogar mehr. Ich gehe mit dem Gedanken hieran ins Bett.“ Dabei hat sie sich mit der Arbeit in der Station keine leichte Aufgabe gestellt, denn „vom Tierschutz kann man nicht leben.“

Erdmann sagt, sie habe schon immer mit Tieren zu tun gehabt, doch für ihr Engagement gab es einen konkreten Anlass: die Ölkatastrophe an den Küsten Galiziens im Jahr 2003. „Da hab ich vor dem Fernseher gesessen und geheult“, berichtet die Tierschützerin. „Nerv nicht, fahr doch einfach hin und mach’ was, sagte damals ein Freund. Und das habe ich dann auch gemacht.“

Ein Satz mit dem Zeug zum Lebensmotto

Einfach machen – wer Erdmann eine Weile zuhört, bemerkt, dass dieser Satz das Zeug zu ihrem Lebensmotto hat. Weil sie das Leid von in Not geratenen Wildtieren nicht ertragen kann, baut sie zusammen mit anderen eine Hilfsstation auf. Weil sie die Position von Jägern nachvollziehen will, macht sie den Jagdschein. Weil Wahlhelfer dringend gesucht werden, macht sie auch das. „Dabei haben alle gesagt, bist du bekloppt? Das ist doch total langweilig. Dabei war es gar nicht so langweilig und man kommt mit vielen Menschen ins Gespräch.“

Bei vielen Aktionen sei es ihr darum gegangen, Hintergründe zu verstehen und neue Eindrücke zu sammeln. „Im nachhinein denke ich, warum habe ich nie ein Praktikum in der KFZ-Werkstatt gemacht? Oder in der Verwaltung?“ Dass Menschen mehr Fragen stellen und sich tiefer mit Themen beschäftigen, sei etwas, was sie sich wünschen würde. Und das sich Menschen wehren und protestieren, wenn sie meinen, es muss sich etwas ändern. „Man kann nämlich mehr ändern als man denkt. Ich wünsche mir, dass die Leute mehr ihren Arsch hochkriegen. Das können Sie ruhig so schreiben!“, sagt sie.

Katharina Erdmann sagt ihre Meinung. Sie fordert, verlangt, prangert an, schlägt aber auch Kompromisse vor und regt an, was alles besser laufen könnte. Sätze wie „Reptilienbörsen gehören verboten“ oder „Es kann nicht sein, dass ein Tierheim vor lauter Existenzangst überlegt zu schließen. Immerhin ist der Tierschutz gesetzlich verankert“ bindet sie im Gespräch mit ein und selbst wenn es gerade um private Dinge geht, schwingt ihr Engagement immer mit. „Mit was muss ich leben und was kann ich verändern? Und was muss ich tun, um etwas zu verändern? Darum geht es“, findet Erdmann – und nach diesem Grundsatz lebt sie auch.

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