Kanalbau: Schneller und günstiger

Das neue Schachtbauwerk auf Vormstegen ist eine Sonderanfertigung.
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Das neue Schachtbauwerk auf Vormstegen ist eine Sonderanfertigung.

Geschäfte auf Vormstegen auch während der Bauarbeiten erreichbar / Neue Umleitung für Fußgänger

shz.de von
02. Juni 2018, 16:48 Uhr

„Bei euch kann man ja nur noch mit dem Hubschrauber landen“, flachst der Kunde, als er das Geschäft Niebuhr in der Straße Vormstegen betritt. Prokurist Herbert Hoppe blickt auf die große Baustelle direkt vor seiner Tür. Im Zuge des Stadtumbaus werden in der Straße der neue Schmutz- und Regenwasserkanal verlegt. Die Straße ist gesperrt. „Und trotzdem sind wir gut zu erreichen, fast besser als vorher“, betont Hoppe. Für die Kunden. Für die Lieferanten.

Vollsperrung Vormstegen: Da zuckte es schon kurz bei Hoppe, als er diese Meldung in der Zeitung las. Anfang Mai rückten dann die Bauarbeiter an. „Wir haben aber schnell gemeinsam mit der Stadt und dem Bauunternehmen Lösungen gefunden“, sagt der 61-Jährige. Niebuhr ist nicht nur über die Westerstraße zu erreichen – linksabbiegen ist erlaubt –, sondern auch über das Südufer am Hafen. Am Haus der Technik führt eine Verbindung direkt auf einen Parkplatz. Zudem ist die Zufahrt über die Reichenstraße möglich. „Nur für einen Sattelschlepper ist es zu eng“, betont Hoppe. Die Baustelle wird im Laufe des Jahres weiter auf der Straße Vormstegen wandern.

Das Geschäft für Werkzeuge, Eisenwaren und Arbeitsschutz ist neben der Stegen-Apotheke und dem Druckservice Membino einer der letzten Betriebe in der Straße Vormstegen. 25 Mitarbeiter sind am Standort Elmshorn beschäftigt. Die Bierstube, der Second-Hand-Laden und die Apotheke sind längst dicht. Im Sanierungsgebiet wird sich in den kommenden Jahren das Gesicht komplett ändern. Ob sich Kunden von der Baustelle und den Umleitungen abschrecken lassen, kann der Prokurist nicht einschätzen. „Wir bleiben erreichbar. Das ist wichtig.“

Gestern dann eine richtig gute Nachricht für die Vormstegen-Anwohner. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, können die Bauarbeiten nicht nur schneller als geplant abgeschlossen werden, sondern auch noch 100 000  Euro günstiger. Mit einem Kran wurde das neue Schachtbauwerk am Donnerstagmorgen in den Elmshorner Untergrund auf Vormstegen eingehoben. Das aus speziellem Kunststoff gefertigte Element ist ein Unikat, das mit seinen drei Metern Durchmesser für Elmshorner Verhältnisse besonders groß ist. „Das Schachtbauwerk funktioniert wie eine Kreuzung. Es verbindet drei Regenwasserkanäle: Von Vormstegen und Schauenburgerstraße aus geht es von hier in Richtung Haus der Technik weiter“, erklärt Alvaro Pelayo, der als Bauingenieur bei der Stadtentwässerung für die Maßnahme zuständig ist.

Ursprünglich war geplant, das Schachtbauwerk aus Stahlbeton vor Ort errichten zu lassen. Allerdings ist „der Boden nicht besonders tragfähig, sodass ein herkömmliches Schachtbauwerk eine Pfahlgründung benötigt hätte, wie auch das Haus der Technik“, erklärt der Ingenieur Matthias Johannssen vom gleichnamigen Straßen-, Hoch- und Tiefbauunternehmen. Um den schwierigen Bedingungen zu begegnen wurde eine besonders leichte Konstruktion aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) mit einer größeren Bodenplatte erdacht. So kann nicht nur auf die Pfahlgründung verzichtet werden. Das Bauwerk konnte auch vorgefertigt nach Elmshorn gebracht werden. Johannssen verspricht sich vom Einsatz des vorgefertigten GFK-Schachts einen mehrwöchigen Zeitvorsprung – und damit eine Kostenersparnis von rund 100 000 Euro. „Unser Ziel ist weiterhin, die Belastung für die Anwohner und die Verkehrsbehinderungen so gering wie möglich zu halten“, sagt Bürgermeister Volker Hatje. Daher wurde nun auch eine neue, kürzere Umleitung für Fußgänger ermöglicht: Sie können die Baustelle mit einem gesicherten Weg durch die Kremer-Hallen umgehen.

Der Regenwasserkanal entwässert nicht nur das Sanierungsgebiet Krückau/Vormstegen, sondern auch die Einzugsgebiete Ansgarstraße und Ollnsstraße. Auch der Schmutzwasserkanal wird erneuert. Die Maßnahme wird voraussichtlich bis Mai 2019 andauern. 2,2   Millionen Euro investiert die Stadt Elmshorn allein an dieser Stelle in die Entwässerung.

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