Jünger als der junge Stoltenberg

Grün: Rasmus Andresen (23)
Grün: Rasmus Andresen (23)

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01. Oktober 2009, 11:33 Uhr

Flensburg/Kiel | "Berufspolitiker" - dieses Wort geht Rasmus Andresen noch nicht so leicht über die Lippen. Er ist 23 Jahre alt, hat erst vor ein paar Monaten sein Studium abgeschlossen. Jetzt sitzt er für die Grünen im Landtag. Der Flensburger ist der jüngste Abgeordnete, der je im Landtag sa. Er tritt damit in groe Fustapfen, löst er doch Gerhard Stoltenberg als bisherigen Rekordhalter ab. Der spätere Ministerpräsident zog 1954 mit 26 Jahren erstmals ins Parlament.

Doch der "Grünschnabel" steht den "alten Hasen" im Parlament nicht alleine gegenüber. Seine Parteifreundin Luise Amtsberg ist erst 24, und in den Reihen der FDP sitzt mit dem 25-jährigen Christopher Vogt ebenfalls ein Jungspund.

Andresen, im Ruhrgebiet geboren, will den alteingesessenen Parlamentariern die Augen öffnen: "Junge Menschen haben einfach einen anderen Blick auf bestimmte Themen." So habe er die Mängel des Schulsystems am eigenen Leib erfahren. "Leuten mit 50 sind die Probleme der Schüler oft nicht präsent". Er will mehr Wahlfreiheit für die Schüler und weniger Prüfungsstress. Zudem will er Unternehmen in die Pflicht nehmen, Ausbildungsplätze zu schaffen. "Als 23-Jähriger hat man eben weniger Freunde, die selbstständig oder mittelständische Unternehmer sind." Und mit seinen Freunden unterhält er sich eben nicht nur über seinen Lieblingsclub Flensburg-Handewitt.

Seine Ziele muss er nun gegen erfahrene Politiker durchsetzen. Eine groe Herausforderung. Aber er wei, worauf es ankommt: Es sind nicht nur die Inhalte, man muss sie auch gut verkaufen. Eine Erfahrung, die er bei seiner Bewerbung für Listenplatz 8 gemacht hat. Er fiel zunächst durch. Erst im zweiten Anlauf konnte er mit seiner Rede die Parteifreunde mitreien und setzte sich gegen 14 Mitbewerber durch. "Man bekommt nichts geschenkt", wei der junge Politik-Fuchs Andresen.

Sein Interesse an Politik weckte der Geschichtsunterricht. Mit 14 Jahren suchte Rasmus Andresen nach Möglichkeiten, sich zu engagieren, liebäugelte mit der SPD und dem SSW, ging dann aber 2001 zu den Grünen - auch wenn sie den Afghanistan-Krieg befürworteten. Es war die "offene und kontroverse Diskussion" in der Partei, die für Andresen den Ausschlag gab.

Währenddessen ist die Debatte um die Überhangmandate in vollem Gange. Die Auslegung des Landeswahlgesetzes sorgt für politischen und juristischen Konfliktstoff. Auf 49 Abgeordnete kommen CDU und FDP, auf 46 Sitze die Opposition aus SPD, Grünen, Linken und SSW. Fakt ist: CDU und FDP würden ihre Mehrheit einbüen, wenn alle von der Union errungenen Überhangmandate ausgeglichen würden. Drei zusätzliche, bisher "ungedeckte Mandate" gingen dann an die Oppositionsparteien.

Jetzt geht es um diese Frage: Darf die CDU ihre drei bisher "ungedeckten" Überhangmandate behalten, wenn Abgeordnete während der Legislaturperiode aus dem Landtag ausscheiden - etwa durch Tod oder freiwilligen Abschied.

Die Landeswahlleiterin ist nach rechtlicher Prüfung sicher: Die CDU dürfte einen Nachrücker ins Parlament entsenden - Schwarz-Gelb würde die Drei-Stimmen-Mehrheit behalten. Ob diese Rechtsmeinung durchsteht, ist ungewiss. Der Wissenschaftliche Dienst des Landtags kommt offenbar zum gegenteiligen Schluss.

Einig sind sich Opposition und die künftige Koalition schon jetzt: Das Wahlrecht muss dringend novelliert werden.

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