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Projekt mit großer Symbolkraft : Jüdischer Friedhof soll für 100.000 Euro saniert werden

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Jüdischer Friedhof Elmshorn soll in den nächsten Jahren für 100.000 Euro saniert werden.

Elmshorn | Der jüdische Friedhof an der Elmshorner Feldstraße – er ist Erinnerungsstätte und Mahnmal zugleich. Auf dem 1800 Quadratmeter großen Gelände neben der katholischen Kirche stehen 170 Grabmale und Fragmente. Die ältesten stammen aus dem 17. Jahrhundert. Die kleine Halle beherbergt eine Ausstellung zur Geschichte der jüdischen Gemeinde. Damit der denkmalgeschützte Begräbnisort auch künftigen Generationen erhalten bleibt, muss er dringend saniert werden. Einen Teil der Kosten will die Stadt übernehmen.

Die zuständigen politischen Gremien waren sich schnell einig. Der Kulturausschuss ebnete den Weg und der Hauptausschuss stimmte einstimmig dafür, 2017 und 2018 jeweils 20.000 Euro im Haushalt der Stadt zur Verfügung zu stellen. „Ich bin begeistert, das ist ein sehr positives Signal für den Erhalt dieses historischen Geländes“, sagte Alisa Fuhlbrügge, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Elmshorn.

Der Friedhof gehört der 2003 neu gegründeten Gemeinde, doch die hat nicht die finanziellen Mittel, für die Sanierung des 1685 angelegten Friedhofs. Er ist die zweitälteste jüdische Begräbnisstätte in Schleswig-Holstein. Dort sind aschkenasische Juden beigesetzt (Juden deutscher und osteuropäischer Abstammung).

Sanierungsbedürftig sind vor allem die Grabmale und Grabsteine. Zu dieser Einschätzung kam 2015 die Firma Jacobs & Hübinger aus Berlin, die ein Restaurierungs- und Konservierungskonzept erstellte. Das Gutachten zählt starke Vermosung, Abplatzungen, Risse, und Brüche auf. Viele Inschriften müssen schnell gerettet werden. Kosten der Sanierung: 85.000 Euro.

Die Pflegepauschale reicht nicht aus

Darüber hinaus muss dar Friedhof dringend von Gärtnern auf Vordermann gebracht werden. Zwar bekommt die Stadt für das Gelände vom Land eine Pflegepauschale von 1871,70 Euro im Jahr, doch dieses Geld reicht bei weitem nicht aus. Eine Begehung mit Vertretern des Landesdenkmalamtes, des Kreises Pinneberg, der Stadt und der jüdischen Gemeinde ergab außerdem, dass das Mauerwerk der Friedhofshalle an mehreren Stellen feucht ist. Alles in allem belaufen sich die Gesamtkosten der Sanierung nach heutigem Stand auf 100.000 Euro.

Die Stadt Elmshorn ist mit 40.000 Euro dabei. Damit haben Politik und Verwaltung die Voraussetzung dafür geschaffen, dass die deutsche Stiftung Denkmalschutz und das Landesdenkmalamt mit jeweils 30.000 Euro in die Finanzierung mit einsteigen können. Entsprechende Anträge will die jüdische Gemeinde noch in diesem Jahr stellen. Die Arbeiten könnten dann 2017 beginnen. „Wir müssen dringend etwas tun, sonst verfällt der Friedhof“, sagt Rita Schliemann, Leiterin des städtischen Kulturamtes. Unabhängig von den Fördermitteln will die jüdische Gemeinde bereits jetzt tätig werden. „Fünf bis sechs Grabsteine müssen rasch gesichert werden, sonst kippen sie um“, sagt Alisa Fuhlbrügge. Diese Maßnahme soll aus Spenden finanziert werden.

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erstellt am 06.Dez.2016 | 17:30 Uhr

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