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Elmshorn : Jonas Stiefel gewinnt den ersten Schul-Slam

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Elf Schüler aus vier Schulen traten beim ersten Elmshorner Schul-Slam in der Stadtteil-Bücherei Hainholz gegeneinander an. Jonas Stiefel überzeugte mit halsbrecherischen Wortkaskaden und schwindelerregenden Gedichten.

Elmshorn | „Den Mut zu haben, mich auf die Bühne zu stellen und meine Gedanken preiszugeben – das könnte ich nicht“, glaubt Melissa Gülabi. Aber die 16-jährige Elmshornerin guckte sich am Freitagabend interessiert Jugendliche an, die genau das machten: selbstgeschriebene Texte einem Publikum präsentieren – und dann auch noch bewerten lassen. 150 Besucher und elf Teilnehmer ließen das Finale des ersten Elmshorner Schul-Slams in der Stadtteilbücherei Hainholz zum Erfolg werden.

Patrick slammte in der Finalrunde übers Glücklichsein.
Patrick slammte in der Finalrunde übers Glücklichsein. Foto: Jann Roolfs

Für Johanna-Maria Gabler war es kein Problem ihren Text vorzutragen: „Das ist eine Kunstform, als ob man Bilder ausstellt.“ Die 15-Jährige trat mit einem Gedicht an, das Teenager-Gedanken formuliert: „Ich steh’ dazu, dass ich zu viel nachdenke … Ich bin zufrieden, wenn meine Hose nur mittelmäßig sitzt.“ Eine Gattung, die bei einem Schülerwettbewerb wohl unvermeidlich dazu gehört.

Aber Gabler stand nicht nur selbst auf der Bühne, sie hörte auch genau zu, was ihre Konkurrenten präsentierten: „Schön, dass es unterschiedliche Texte gibt, da kann ich von anderen etwas lernen.“ Schreiben, „das kommt einfach“, erklärte sie ihren Produktionsprozess.

Alica Ullrich hatte ihren Auftritt allein im Zimmer einstudiert und vor Verwandten und Freunden getestet, den Umgang mit dem Mikrofon hatte sie in der Schule geübt – trotzdem: „Ich war sehr aufgeregt“, gestand sie hinterher. Und erfolgreich: Die 16-Jährige schaffte es ins Finale. Mit ihrem Gedicht „Eiszeit“ über eine unglücklich Liebende belegte sie am Ende den zweiten Platz.

„Kunst ist nicht vergleichbar, wir spielen hier“, erinnerte Moderator und Profi-Slammer Björn Högsdal: „Jeder Slam würde anders ausgehen“. Aber die Bewertung und das K.o.-System gehören zu den Regeln dieser Form. In der Vorrunde beurteilten sieben Zuhörer als Jury Texte und Vorträge mit Punkten. Im Finale entschied die Intensität des Beifalls.

Sieger des ersten Schul-Slams wurde Jonas Stiefel. Er trug zwei fast schwindelerregende Gedichte vor: „Ich wortspiele erfinderisch“, stellte er klar: „Ich habe die Weisheit mit Löffeln gefressen, und sie schmeckt Scheiße.“ Seine halsbrecherischen Wortkaskaden las er ab, in der Vorrunde hielt er sich dabei sogar penetrant seinen Zettel vors Gesicht. Aber seine Inhalte überzeugten. Im Finale brachte er mit dem Vers: „Erbarmt euch, umarmt euch“ sein Publikum sogar dazu, genau das zu tun. Das hatte auch Moderator Högsdal in vielen Slam-Jahren noch nicht erlebt.

In der Vorrunde bewertete eine Jury Text und Vortrag der Slammer.
In der Vorrunde bewertete eine Jury Text und Vortrag der Slammer. Foto: Jann Roolfs

Die Veranstaltung am Freitag war noch ein Ausläufer des 875. Stadtgeburtstags im vergangenen Jahr. Den nahm der WGE-Stadtverordnete Malte Ibs zum Anlass, den Schul-Slam gemeinsam mit Peter Köhnke vom Kulturamt zu organisieren. An der Bismarckschule, der EBS, der KGSE und der Boje-C.-Steffen-Gemeinschaftsschule fanden Vorentscheide statt. Die Bestplatzierten absolvierten einen Workshop mit Björn Högsdal und traten am Freitag in der Endrunde an. Peter Köhnke zeigte sich begeistert vom Verlauf: „Angesichts des Erfolgs hoffen wir auf eine Fortsetzung.“

Jugend und Literatur, das geht im Format des Poetry Slam gut zusammen. Die Teilnehmer hatten Gedichte geschrieben und Prosa, sie appellierten und kalauerten, haderten mit der ganzen Welt oder einem privaten Schicksal. Sie trauten sich an Bilder: „Als der Morgen die Nacht zu besiegen droht“, und sie sprachen ihr Publikum ganz direkt an: „Was macht dich glücklich?“ Sie blieben brav und erwartbar, und sie überschritten Grenzen. Über Mensaessen: „Wenn selbst ein afrikanisches Kind keinen Hunger mehr hat ...“ Oder, direkt, hart und verstörend: „Hass ist die geilste Emotion“.

Sie kamen als kleine Maus oder cool auf die Bühne, trugen ihre Texte mit Furor oder gediegen vor, lasen unsicher vom Blatt ab oder rezitierten komplizierte Texte auswendig. Allen gemeinsam war eine erstaunliche Bühnenpräsenz, die Debütanten schlugen sich souverän in der Situation, selbst verfasste Gedanken Wildfremden vorzulegen und dabei das Risiko einzugehen, missverstanden zu werden oder durchzufallen. Ihnen zuzuhören, lohnte sich allemal.

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erstellt am 20.Feb.2017 | 16:00 Uhr

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