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Allerlei Spielerei im Torhaus : Johannes Vennekamp stellt in Elmshorn aus

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die „Widmungsgedichte“ sind noch bis zum 22. November zu sehen. Druckgrafiken sind das Herzstück seiner Ausstellung.

Elmshorn | Wer Weimar sagt, muss auch Goethe sagen. Und Herder. Und leider auch – Hitler. Diesen Zusammenhang ist der Künstler Johannes Vennekamp mit seiner sechsteiligen Bilderreihe „Na, Sie hätten mal in Weimar leben sollen!“ auf der Spur. Die Druckgrafiken sind das Herzstück seiner Ausstellung „Widmungsgedichte“, die noch bis zum 22. November im Torhaus zu sehen sein wird. Die Ausstellung wurde organisiert vom Elmshorner Kunstverein.

Die Geschichte des Städtchens Weimar ist eng verbunden mit den brillantesten Geistesgrößen der klassischen Epoche. So eng, dass Literatur- und Kulturwissenschaftler auch von der Weimarer Klassik sprechen. Gleichzeitig war Weimar im dunkelsten Zeitalter Deutschlands eine Hochburg der NSDAP. Beides in Beziehung zu setzen gelingt Vennekamp, indem er in Farbgebung, Technik und Komposition kongruent bleibt, motivisch aber variiert. Goethe ist zu sehen, aber auch der Schriftsteller Arno Schmidt, der Regisseur Billy Wilder und auf dem letzten Bild der Reihe namens „Blutstraße“ eben auch Adolf Hitler.

Alle Bildprotagonisten sind umsäumt von vielerlei Symbolen. Sinnbilder, Verkehrsschilder, oder mathematische Formeln heben die Drucke zu Bedeutungscollagen heraus. Dabei tritt dem Betrachter die Relevanz und Sinntiefe der Bilder klar hervor, jedoch ohne ihre endgültige Bedeutung klar zu definieren. Die Bilder bleiben rätselhaft und in Teilen unerklärbar.

Interessant ist, das eben diese partielle Unbestimmtheit sich mit dem Vorgehen des Künstlers deckt. So verrät Vennekamp, dass er viele Motivpositionen durch schütteln gefunden habe, also durch zufälliges Platzieren. „Der Zufall ist viel faszinierender als man glaubt“, sagte Vennekamp bei der Ausstellungseröffnung am Sonntag. Dass bei dieser Arbeitsweise eine Menge Ausschuss produziert werde, stört den Künstler aber nicht: „Wenn jedes zehnte Arrangement verwendbar ist, bin ich zufrieden“, sagt er.

Klar ist, Vennekamp schafft Verbindungen. So wird auf die Vergangenheit durch allerlei Bezüge, wie der historischen Typografie der Schrift, verwiesen. Gleichzeitig spielt Vennekamp auf die Zukunft an und lässt Billy Wilder etwa eine Kamera aus dem Auge wachsen. Aus dem 2002 verstorbenen Regisseur wird so ein Cyborg, halb Mensch, halb Maschine. So schafft der Künstler eine Bildreihe, dessen Motive sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart und Zukunft verhaftet sind. Hier wird nicht von früher erzählt, nicht von Vergangenem, was den Betrachter nicht berührt. Vennekamp erzählt auch vom Jetzt, von Rätseln und von großen, immer noch aktuellen Emotionen wie Liebe, Scham und Hass. „Im Grunde ist es einfach, es ist eine Spielerei“, erzählt Vennekamp. Eine Spielerei, die sowohl vom Lustvollen als auch vom Schrecklichen erzählt.

Die Ausstellung im Torhaus, Probstendamm, ist dienstags bis freitags jeweils von 10 bis 12 Uhr und von 16 bis 18 Uhr und am Wochenende von 11 bis 13 Uhr geöffnet. Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 22. November, zu sehen.

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erstellt am 03.Nov.2015 | 10:00 Uhr

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