Vogelgrippe : Jetzt trifft es auch den südlichen Kreis Pinneberg

Im Kreis Steinburg war die Geflügelpest nicht bei einem Wildvogel, sondern in einem Geflügelbetrieb festgestellt worden.

Im Kreis Steinburg war die Geflügelpest nicht bei einem Wildvogel, sondern in einem Geflügelbetrieb festgestellt worden.

Verbot: Hunde und Katzen dürfen nicht frei laufen. Fünf Kommunen sind betroffen.

shz.de von
25. Januar 2017, 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Jetzt haben die Auswirkungen der Vogelgrippe auch den Süden des Kreises Pinneberg getroffen. In Hamburg wurde ein infizierter Wildvogel entdeckt. Und das ist bitter für Hunde- und Katzenhalter: In weiten Teilen des Kreisgebiets gilt ein Freilaufverbot. Es war eine tote Wildgans, die in Hamburg-Teufelsbrück entdeckt wurde. Wie seit gestern feststeht, starb das Tier an der Vogelgrippe. In einem Radius von zehn Kilometern um den Fundort wurde deshalb ein so genanntes Beobachtungsgebiet eingerichtet. Damit werden Hunde- und Katzenbesitzer auf eine harte Probe gestellt: In diesem Gebiet dürfen ihre Tiere bis auf Weiteres nicht mehr frei herumlaufen.

Betroffen sind Wedel (östlich des Straßenverlaufs Pinneberger Straße – Austraße – Schulauer Straße bis zur Elbe), Pinneberg (im Ortsteil Waldenau südlich des Verlaufs Schenefelder Landstraße – Hunnenbarg – Datumer Chaussee – Bredenmoorbach), Schenefeld und Halstenbek komplett sowie Rellingen (südlich des Verlaufs Hauptstraße – Hamburger Straße – Pinneberger Straße). Das Freilaufverbot werde heute, 25. Januar, per Verfügung des Kreises bekannt gegeben und gelte ab 26. Januar von 0 Uhr an, sagte Kreissprecher Oliver Carstens.

 

Gestern waren im Norden des Kreises die Gemeinden Raa-Besenbek, Klein Offenseth-Sparrieshoop, Brande-Hörnerkirchen, Westerhorn und Osterhorn sowie in der Stadt Elmshorn der Bereich nördlich der Krückau und Teile der Gemeinde Groß Offenseth-Aspern (nördlich der L113 und westlich der L112) zum Beobachtungsgebiet erklärt worden. Im Kreis Steinburg war die Geflügelpest nicht bei einem Wildvogel, sondern in einem Geflügelbetrieb festgestellt worden. Deshalb gilt in dieser Region kein Freilaufverbot.

Carstens weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass, unabhängig von den beiden aktuellen Fällen, nach wie vor im gesamten Kreis Pinneberg die Stallungspflicht für Geflügel gilt.

Habeck wird die Pest nicht los

Nur wenige hundert Meter von Robert Habeck entfernt sterben gerade Tiere. Massenhaft. 18.000 sollen es bis zum Abend sein. Der grüne Landwirtschaftsminister steht hinter einer Absperrung und schaut auf einen Hof in Süderau zwischen Glückstadt und Itzehoe (Kreis Steinburg), in dem Mitarbeiter einer Spezialfirma die Puten keulen, die mit dem aggressiven Geflügelpest-Virus H5N5 infiziert sind – das erste Mal in einem Geflügelbetrieb in Europa. Für alle anderen ist der Bereich gesperrt.

Er habe überlegt, ob es nah dran sei am „Katastrophentourismus“, was er dort mache, sagt Habeck, der in braunen Schuhen und dünner schwarzer Jacke nach Süderau gekommen ist. Doch weil in Itzehoe das Kabinett getagt und er deshalb ohnehin in der Nähe gewesen sei, habe er es als seine Aufgabe empfunden, den Helfern von Feuerwehr und Katastrophenschutz zu danken, die die weitere Ausbreitung des neuen Virus’ verhindern sollen.

Und so spricht der Minister mit den Feuerwehrmännern, denen er begegnet, erkundigt sich, wie es ihnen geht. Es ist kalt, der Nebel über den zwei Ställen des Betriebes, in dem die Tiere getötet werden, hat sich den ganzen Tag nicht gelichtet. Noch weiß keiner, ob auch die 15.000 Puten in den anderen zwei Ställen des Betriebes ebenfalls mit dem Virus infiziert sind. „Ich hoffe natürlich, dass wir bis zum Wochenende Entwarnung geben können“, sagt Landrat Torsten Wendt, der sich eine signalgelbe Jacke übergeworfen hat.

Katastrophen-Voralarm hat er ausgegeben, auch um die 70 Helfer am Einsatzort halten und zusätzliche Tierärzte anfordern zu können, die die Betriebe im Umkreis untersuchen sollen. Die Journalisten, die zum Ortstermin gekommen sind, wollen Antworten von Wendt und Habeck. Doch beide zeigen sich ratlos. „Hier sind alle Vorschriften penibel eingehalten worden, und dennoch ist das Virus in die Ställe gekommen“, sagt Habeck. Das könne durch Futter, Streu oder eben Menschen auf dem Hof passiert sein. „Es liegt nahe, dass das Virus von einem Wildvogel stammt“, meint Wendt.

Habeck gibt zu, dass er bis zum Wochenende gehofft habe, das Virus sei in Schleswig-Holstein eingedämmt. „Vielleicht haben die Experten auch mehr Wert auf die Untersuchungen von Vögeln aus anderen Regionen gelegt“, sodass die Klärung der Todesursache einer toten Nonnengans aus Brunsbüttel eben mehrere Wochen gedauert habe, so der Minister.

Ein Ende der Geflügelpest ist nicht in Sicht: Umweltminister Robert Habeck vor einem betroffene Hof.
Ruff
Ein Ende der Geflügelpest ist nicht in Sicht: Umweltminister Robert Habeck vor einem betroffene Hof.

Das Virus sei „hoch aggressiv“. Breche die Grippe bei den Tieren aus, verendeten sie schnell. Trotzdem müssten die Puten gekeult werden, sagt Habeck – um eine weitere Ausbreitung der Pest zu verhindern. Ausschließen, dass es weitere Fälle der neuen Form der Vogelgrippe geben wird, könne er aber nicht. „Ich kann hier heute keine Entwarnung geben.“ Bislang seien aber weltweit keine Fälle von Infektionen mit H5N5 beim Menschen beobachtet worden. Experten hätten ihm gesagt, dass eine Mutation des Virus’ nicht überraschend sei. Das Risiko einer Infektion habe sich jedoch nicht verändert. Deshalb würden auch die Schutzmaßnahmen beibehalten, die Stallpflicht bleibe bestehen.

Mit dem betroffenen Geflügelzüchter hat Habeck bereits gesprochen – auch darüber, was er an Ersatzleistungen aus dem Tierseuchenfonds bekommen könne. „Aber natürlich bleibt am Ende ein Minus“, sagt er. Und nun? Den Vogelzug wird der Landwirtschaftsminister nicht verhindern können. Habeck hofft, dass das Wetter hilft. „Wie jede Grippe breitet sich auch diese bei Kälte aus“, sagt er und zieht die Schultern hoch. „Wir hoffen, dass es bald warm wird. Vielleicht gelingt es uns ja dann, die Geflügelpest loszuwerden.“

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