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Kinderschutzbund : Jedes vierte Kind lebt in Armut

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

2435 Kinder bekamen 2016 in Elmshorn staatliche Unterstützung. Hundert Sportgutscheine für Bedürftige.

shz.de von
erstellt am 12.Mai.2017 | 12:00 Uhr

Elmshorn | Die Kinderarmut in Elmshorn ist gestiegen. Das zeigt die Statistik des Kinderschutzbundes. 2016 haben 2435 Kinder staatliche Unterstützung zum Lebensunterhalt benötigt, das sind 27,2 Prozent aller in Elmshorn lebender Kinder – also mehr als ein Viertel. In den Jahren vor 2015 lag der Anteil der in Armut lebenden Kinder und Jugendlichen immer bei etwa 24 Prozent. 2208 Minderjährige hat das Jobcenter 2016 mit Arbeitslosengeld II unterstützt, 211 Kinder und Jugendliche erhielten Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, 16 bekamen Hilfe zum Lebensunterhalt. „Diese Zahlen sind auffällig hoch“, sagt Elke-Maria Lutz, Vorsitzende des Elmshorner Kinderschutzbundes. „Der Landesdurchschnitt liegt etwa bei 15 Prozent.“

Den Ansteig von 24 auf 27 Prozent erklärt sich Lutz in erster Linie durch den Zuzug von Flüchtlingen. „Sonst lebten in Elmshorn immer nur rund 60 Kinder, die Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz erhielten. 2016 waren es 211 Minderjährige. Zieht man diese Gruppe ab, sind die Zahlen in Elmshorn so ziemlich auf dem gleichen Stand wie in den Vorjahren geblieben.“ Das zeige aber auch, dass der wirtschaftliche Aufschwung nicht bei den Elmshorner Familien ankomme.

Unabhängig von den greifbaren Zahlen gibt es in Elmshorn aber noch mehr Kinder in Not, weiß Lutz. „Durch die Erhöhung des Kindergeldzuschlags und des Kinderwohngeldes sind viele Familien aus dem Arbeitslosengeld II herausgefallen. Und Familien, in denen sich die Eltern in Maßnahmen der Arbeitsagentur befinden, werden in den Statistiken ebenfalls nicht berücksichtigt.“

Dazu kämen zahlreiche Fälle von Alleinerziehenden oder kinderreichen Familien, in denen ein Elternteil zwar berufstätig ist, der Lohn aber kaum für den Lebensunterhalt ausreicht. „Deshalb gehen wir beim Kinderschutzbund auch nicht danach, wer staatliche Unterstützung bekommt. Uns geht es darum, die negativen Auswirkungen der Kinderarmut zu lindern. In Elmshorn gibt es viele Angebote, aber es ist tragisch, wie viele Kinder diese aus finanziellen Gründen nicht nutzen können.“

Jedes Jahr unterstützt der Kinderschutzbund mehrere hundert Kinder und Jugendliche in Elmshorn – sei es mit dringend benötigter Kleidung, mit finanzieller Unterstützung von Klassenfahrten, Schulmaterialien oder Betreuung. 60  000 Euro benötigt der Kinderschutzbund Elmshorn dafür im Jahr, das Geld stammt ausschließlich aus Spenden und Bußgeldern, die Gerichte und Staatsanwaltschaften dem Kinderschutzbund zuteilen.

Anlässlich seines zehnten Geburtstags im vergangenen Jahr hat sich der Kinderschutzbund dazu entschieden, hundert Sportgutscheine für bedürftige Kinder zur Verfügung zu stellen. Alle Familien, die den Beitrag für einen Sportverein oder einen Schwimmkurs nicht bezahlen können, dürfen im Büro des Kinderschutzbundes einen Antrag für die Bezahlung von einem Jahr Mitgliedschaft stellen. „Wir geben nach Überprüfung der Anträge Sportgutscheine im Wert von 80 bis 85 Euro aus“, sagt Lutz. Das reicht in der Regel nicht ganz, aber bedeutet für viele Eltern eine große Erleichterung. „Außerdem rechnen wir damit, dass uns einige Elmshorner Sportvereine auch entgegen kommen werden“, erklärt Lutz. Sie ist überzeugt davon, dass Bewegung für die Entwicklung von Kindern extrem wichtig ist. „Nach dem Bildungs- und Teilhabepaket können jetzt zwar viele Kinder den Monatsbeitrag im Sportverein bezahlen. Es gibt aber auch Familien, die kein Arbeitslosengeld II beziehen und den Beitrag trotzdem nicht aufbringen können.“

Das Büro des Kinderschutzbundes in der Jürgenstraße 11 öffnet dienstags von 14 bis 18 Uhr und donnerstags und freitags von 9 bis 12 Uhr. Telefonisch ist es erreichbar unter 04121-4634880.
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